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„Star Wars in Concert“

Die Macht der Musik

Der allererste „Star Wars“-Film von 1977, gezeigt in den Arenen von Köln und Oberhausen, begleitet von der Live-Musik eines 80-köpfigen Sinfonie-Orchesters. Ist „Star Wars in Concert“ nur die Viert-Verwertung alter Kamellen? Oder was wird dort geboten?

Die Macht der Musik

Die Mischung macht’s: Während auf der Leinwand der „Star Wars“-Film flimmert, spielt ein 80-köpfiges Sinfonie-Orchester live die Musik dazu. Foto Penguinmoon Alegria

Sicher spekuliert „Star Wars in Concert“ auch auf nostalgische Gefühle bei Fans, die ihre alten, jungen Helden auf großer Leinwand sehen wollen und die Halle dabei mit Gleichgesinnten teilen. Am Ende aber bietet die Kombination aus George Lucas’ Film plus der live gespielten Musik von John Williams mehr als die Reproduktion eines Kino-Erlebnisses: „Star Wars in Concert“ betreibt auch die Ehrung eines Berufsstandes, der sonst im Verborgenen werkelt. Gemeint ist der Filmkomponist.

Oskargekrönter John Williams

Oh ja, Menschen wie John Williams (86) bekommen Preise. Er war 51-mal (!) für den Oscar nominiert, gewann fünf der Goldjungs (einen 1978 für „Krieg der Sterne“), dazu nennt Williams vier Golden Globes und 24 Grammys sein eigen. Drei Oscars errang Williams für Musiken zu Filmen von Steven Spielberg: „Der weiße Hai“ (1976) wartete mit einem sägenden Streichermotiv auf, das in puncto Berühmtheit nur von Bernard Herrmanns Score zur Duschszene in „Psycho“ getoppt wird. Auch für „E.T.“ und „Schindlers Liste“ schrieb John Williams Oscar-gekrönte Partituren.

Und trotzdem: Seine Arbeit ist bloß für geübte Ohren transparent, für eingefleischte Analytiker, die Bild und Musik auf ihre Wechselwirkung untersuchen. Oder Filmmusik auf Platte nachhören...

Klar, das Titelthema von „Star Wars“ erkennen die meisten, auch ohne den Film. Das ist ja der Clou bei guter Filmmusik, dass sie nicht nur Kinobilder emotional stützt und stärkt, sondern im besten Fall das Eigenleben des Evergreens entfaltet, der als eigenständiges Werk aus dem Schatten des Films heraustritt. So wie ein Diener, der sich nach getaner Arbeit von seinem Herrn emanzipiert und eigenen Ruhm anstrebt.

Giganten ihrer Disziplin

Der „Star Wars“-Soundtrack von John Williams hat längst die Strahlkraft einer Pop-Ikone, die so hell leuchtet wie der Heiligenschein um Leia und Luke. Williams‘ Musik und Lucas‘ bahnbrechender Film sind Giganten ihrer Disziplin. Bei „Star Wars in Concert“ gibt es nun die Gelegenheit, zu erleben, wie Bild und Klang sich gegenseitig befeuern. Wie Dutzende Musiker gefordert sind, wenn auf der Leinwand die Schlacht der Raumgleiter tobt. Man sieht die handwerkliche, nicht nur die tonale Seite der Komposition. Die Musik bekommt – durch Dirigent und Musiker – eine körperliche Note.

Und letztlich spürt das Publikum (das in Köln und Oberhausen mit Ludwig Wicki am Pult und Musikern der Neuen Philharmonie Westfalen die Halle teilt), welche Anstrengung es braucht, ein emotionales Wechselbad von 125 Filmminuten mit Livemusik zu untermalen.

Keine Auszeit und kein Verschnaufen

Die Bilder geben den Takt vor, dem Dirigent und Orchester folgen müssen. Keine Auszeit, selten ein Verschnaufen, nur da, wo John Williams (weil er ein Meister ist) die Stille arbeiten lässt. Wer den Blick von der Leinwand auf die Musiker wandern lässt, der sieht, wie viel „Manpower“ hinter einem Film-Score steckt, wie komplex das Hirn des Tonsetzers tickt, der 80, 90 Musikern seine Klangvision auf den Leib zu schreiben hat.

Anders gesagt: „Star Wars in Concert“ eröffnet dem geneigten Besucher die Chance, einiges vom Handwerk des Komponisten (und dem Stellenwert der Musik) zu begreifen. Nur einen kleinen Ausschnitt vielleicht, doch mehr als im Kino, wo die Musik hinter Effekten ins zweite Glied rückt und weniger präsent ist, als wenn die Klangwerker mit uns im Saal hocken.

Film-Konzerte sind in Mode

Womit wir den filmpädagogischen Aspekt der Veranstaltung abgehandelt haben. Neben grauer Theorie macht „Star Wars in Concert“ aber auch eine Menge handfesten Spaß, der sicher der Hauptgrund ist, warum Film-Konzerte derzeit in Mode sind. Es touren oder werden touren „Harry Potter“, „Der Herr der Ringe“, „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, „Das Dschungelbuch“. Kultfilm plus Live-Orchester liegen schwer im Trend, „Star Wars“-Fans dürfen sich für Januar 2019 auf „Das Imperium schlägt zurück“ freuen, der Vorverkauf läuft.

Zurück zum Spaß, der beim aktuellen „Krieg der Sterne“-Konzert (auch „Episode IV – eine neue Hoffnung“ betitelt) auf uns wartet: Zwar spielte bei der Frankfurter Europa-Premiere ein anderes Orchester als in Köln und Oberhausen, doch das Wiedersehen mit Harrison Ford, dem blutjungen Mark Hamill und Carrie Fisher (die 2016 starb) wird definitiv zum Vergnügen. Weil 40 Jahre nach deren „Star Wars“-Debüt viel Geschichte und viele Geschichten in die Bilder hineinspielen. Für Hamill wie Fisher waren es die Rollen ihres Lebens, Ford dagegen kochte auf mehreren Flammen. Was sagte Hamill jüngst zu seiner Diät, die ihn für den neuesten Film verschlanken sollte: Vom Genuss her seien die ewigen Proteindrinks „in etwa so sinnlich, als würde man ein Auto betanken!“. Hach, war er schlank damals! Und so knitterfrei im Gesicht.

Carrie Fisher mit ihrer Würstchenfrisur

Die Anfangsmomente des Films gehören der völlig überschminkten Carrie Fisher mit ihrer Würstchenfrisur. Darth Vaders Auftritt wird von sinistren Posaunentönen begleitet – wir denken daran, wie Dirigent Christian Schumann vor dem Konzert von John Williams‘ Leitmotiven schwärmte.

Auf dem Planeten Tatooine, wo die Droiden herumirren, setzt die Musik für zwei Minuten aus, bevor flirrende Streicher das Hitzeflimmern der Wüste illustrieren. Knapp 20 Geigen, diverse Celli, vier Kontrabässe umfasst das Orchester. Gerade der Streichersound ist sehr nuanciert aufgefächert, von gezupft und leicht burlesk bis zu dynamischen tutti, die Christian Schumann „brutal wuchtig“ nennt.

Die Macht kann man hören

Steht Luke vor dem Abendhimmel mit zwei Sonnen, säuseln Streicher und Flöte. Immer wieder lässt Williams die Titelmusik anklingen, paraphrasiert etwa von der Klarinette. Ein Horn, einsam über Streichern: Alec Guiness als Obi Wan tritt auf. Als er Luke das Lichtschwert eines Jedi überreicht, frohlockt die Musik und blüht auf vor Energie: Oh ja, die Macht! Man kann sie nicht sehen, aber hören. In einer Weltall-Oper aus Hollywood, die dank Livemusik neue Facetten dazugewinnt, auch wenn große Hallen für Filme ungewohnt sind.

„Star Wars in Concert“:

  • 19.4. Köln, Lanxess Arena,
  • 20.4. Oberhausen, König-Pilsener-Arena „Das Imperium schlägt zurück“:
  • 5.1.2019 Köln, 6.1.2019 Oberhausen,
  • Karten unter Tel. (01806) 570070.

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