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Die Miet-Box als verlängertes Wohnzimmer

Hamburg (dpa) Eine neue Service-Idee erobert deutsche Metropolen. Mit Miet-Boxen zur Einlagerung von Hausrat, Hobby- Ausrüstung, Umzugsgut oder Archivmaterialien erzielen clevere Anbieter schon heute Millionenumsätze.

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Suche nach der richtigen Nummer: Firmen wie Secur haben in ihren Selbstlagerzentren mehrere Tausend Quadratmeter Fläche. (Bild: dpa)

Ob Gartengerät, Plattensammlung oder Möbel: In der Miet-Box sind sind sicher aufbewahrt. (Bild: dpa)

Wer seine Sachen in einer Miet-Box wegschließen will, zahlt zwischen 30 und 329 Euro. (Bild: dpa)

Das Gebäude von Secur kameraüberwacht und alarmgesichert. Luftregler sorgen dafür, dass eine gleichbleibende Temperatur herrscht. (Bild: dpa)

In den USA sind solche großen Selbstlagerzentren längst weit verbreitet; in Deutschland steckt das Geschäft noch in den Kinderschuhen. Doch die Perspektiven sind gut: Die Mieten speziell in den Szene-Stadtteilen der Großstädte steigen rasant. Das Pendeln zwischen Großstädten, arbeitsplatzbedingte Umzüge, ein befristeter Job im Ausland oder der allgemeine Bedarf an billigen Stauraum bei einer zu kleinen Wohnung führen dazu, dass in deutschen Großstädten das Modell auf dem Vormarsch ist. Betreiber sprechen schon von einem neuen Lifestyle.

Während in den USA 6000 Einwohner auf ein Lagerhaus mit Mietboxen kommen, sind es in Deutschland noch drei Millionen. Bisher gibt es unter anderem in Hamburg, Berlin, München, Frankfurt, Nürnberg, Hannover und auf Sylt solche Zentren. In Gebäuden, die mit Lagerhallen-Charme wenig gemein haben, kann ein persönlicher Raum - eine Box - gemietet werden, der bis zu 50 Quadratmeter groß ist. «Das ist der verlängerte Arm des Wohnzimmers», sagt Christian Lohmann, Leiter eines Selbstlagerzentrums beim Hamburger Flughafen. Die Firma Secur gilt mit fünf Häusern und 50 000 Quadratmetern Staufläche als einer der führenden Anbieter in Deutschland. Zehn Mitarbeiter sorgen für einen Umsatz von 2,5 Millionen Euro.

Der Kunde kann dort Boxen von 2 bis 20 Quadratmeter Größe mieten, die Monatsmiete reicht von 30 bis 329 Euro. Das gesamte Gebäude ist kameraüberwacht und alarmgesichert, Luftregler sorgen dafür, dass eine gleichbleibende Temperatur herrscht und die Sachen nicht modrig werden. «Das ist was anderes als der heimische Dachboden oder Keller», sagt Lohmann. Der Inhalt der Boxen ist über die Hausrat-Versicherung mitversichert. In den Gängen mit den nummerierten orangenen Türen und Rolltoren hängen moderne Kunstdrucke mit Hamburg-Ansichten, dezente Musik erklingt aus den Lautsprechern - man lege viel Wert auf Ambiente, betont der Filialleiter. Der Kunde kann im Eingangsbereich noch schnell einen Kaffee trinken, bevor er sein zweites Zuhause, die Mietbox, besucht.

Am Eingangstor muss zuvor ein Code eingegeben werden, unter dem überdachten Ladebereich kann das Hab und Gut ausgeladen und zur eigenen Box gefahren werden, von 6 bis 22 Uhr ist geöffnet. «Das Ganze hat sich mittlerweile zu einem eigenen Lifestyle entwickelt», sagt Lohmann. Es sei «in» zu sagen: «Ich hab' da noch ne Box.»

Die Kunden seien ganz unterschiedlich: Leute, die ihr Surfbrett oder die Plattensammlung einlagern; Paare, die sich getrennt haben, neue Wohnungen suchen müssen und deshalb einen Teil des Hausrats zwischenlagern; Jungmanager, die für ein paar Monate nach New York müssen oder auch der Ebay-Verkäufer, der hier Ware einlagert. Aber auch Rechtsanwälte deponieren hier Akten, Ärzte «parken» alte OP-Berichte. «Eine Frau, die sich nicht von ihren Zeitungen trennen konnte, hat nur ihr Altpapier eingelagert», erzählt Lohmann. Das Motiv ist bei allen ähnlich: Teure Quadratmeter in den eigenen Büros, Praxen oder Wohnungen sparen.

Neben Secur sind das europaweit agierende Unternehmen Shurgard mit elf Lagerzentren und die Firma Self Storage große Selbstlager-Anbieter in Deutschland. «Es gibt unglaublich viele Zielgruppen, die plötzlich oder für längere Zeit zusätzlichen Platz brauchen», sagt ein Self-Storage-Sprecher. Das Unternehmen hat zehn Häuser in Deutschland, bis Jahresende soll die Zahl verdoppelt werden. Pro Standort müssen fünf bis sechs Millionen Euro investiert werden.

«Vor allem die Mieten in Ballungszentren und die Arbeitnehmern abverlangte Mobilität und Flexibilität haben den Bedarf rasant steigen lassen», sagt der Sprecher. Die 65 Mitarbeiter erzielen einen Umsatz von derzeit zehn Millionen Euro pro Jahr. Geschäftsführer Martin Gerhardus berichtet von Auslastungsquoten von bis zu 80 Prozent. Dachböden und Keller würden heute in der Regel nicht mehr ausreichen, sagt er. «Das ist eine Dienstleistung für die moderne Gesellschaft, die mehr umzieht, sich öfter trennt und mehr Hausrat ansammelt als frühere Generationen.»

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