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„Die Nacht der Nächte“: Humorvolle Hommage an die Liebe

München. Vier Paare, drei Kontinente und eine Frage: Wie funktioniert eine lange Ehe? Auf der Suche nach Antworten recherchierten die Samdereli-Schwestern Yasemin und Nesrin in Indien, Japan, Deutschland und den USA. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

„Die Nacht der Nächte“: Humorvolle Hommage an die Liebe

Hildegard und Heinz-Siegfried Rotthäuser sind ein sympathisches und knurriges Ehepaar, verheiratet seit 1960. Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Mit der Komödie „Almanya – Willkommen in Deutschland“ landeten die Filmemacherinnen Yasemin und Nesrin Samdereli 2011 einen Kinohit. Nun melden sich die Samdereli-Schwestern mit einem neuen gemeinsamen Projekt zurück.

„Die Nacht der Nächte“ heißt ihre Dokumentation, in der es nicht um weniger als die große Liebe geht. Preisgekrönt ist der Film auch vor seinem Kinostart schon: Im Januar gab es den Bayerischen Filmpreis. „Eine Ode an die Liebe“, urteilte die Jury aus München.

Das neue Werk des deutschen Film-Duos mit türkischem Hintergrund dokumentiert humorvoll und gleichzeitig mit viel Gefühl die Liebesgeschichten von vier Paaren aus drei Kontinenten: Asien, Amerika und Europa. Das Verbindende: Alle Paare sind seit mindestens fünf Jahrzehnten zusammen oder verheiratet. Ein zum Teil steiniger Weg, wie die Männer und Frauen anekdotenreich berichten.

Die Protagonisten sind das Herzstück der Dokumentation: Ein indisches Paar, das sich mit seiner Heirat gegen das Kastensystem auflehnte und dafür mit der Familie brechen musste. Zwei homosexuelle Männer aus den USA, die entgegen aller Widrigkeiten doch noch zu ihrem Happy End kommen. Ein mehr als sympathisches und knurriges Ehepaar aus dem Ruhrgebiet. Und ein ursprünglich zwangsverheiratetes japanisches Paar, das sich schwer mit Liebe und Nähe tat - besonders in der Nacht der Nächte: der Hochzeitsnacht.

Offen und berührend erzählen die Frauen und Männer von ihren gemeinsamen Erlebnissen, nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise durch ihr Leben: Vom Zusammenziehen über das Kinderkriegen bis zum Ruhestand. Die Geschichten wirken authentisch, sind an manchen Stellen herzzerreißend und zeigen: „In guten wie in schlechten Zeiten“ ist ein Versprechen, dass sich nur durch Kompromisse und Opfer von beiden Seiten einlösen lässt.

Die Menschen, die von den Schwestern auf sehr poetische und respektvolle Weise in ihrem gewohnten Umfeld porträtiert wurden, berichten von Untertiteln begleitet in ihren jeweiligen Muttersprachen. Die Suche nach den Paaren dauerte ein Jahr, die Produktion insgesamt vier Jahre. Gedreht wurde 2014 und 2015.

Zwischen den Szenen tauchen kleine Animationsfilme auf, die spielerisch einen Eindruck vom Wesen der einzelnen Beziehungen vermitteln. Wie gehen die Paare miteinander um? Was ist ihnen wichtig?

Die Idee zu der Doku kam von Nesrins älterer Schwester Yasemin Samdereli: „Ich war frisch verheiratet, steckte bereits in der ersten großen Ehekrise und dachte mir: Wie hat das eigentlich die Generation unserer Großeltern geschafft?“, erklärt sie in einem Interview. Das ist die Kernfrage der Dokumentation und wird von den Paaren aus ihren verschiedenen Kulturkreisen heraus auf unterschiedlichste Weise beantwortet. Auch das macht den Reiz der Doku aus.

Die Nacht der Nächte, Deutschland 2018, 97 Min., FSK ab 0, von den Regisseurinnen Yasemin und Nesrin Samdereli

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