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"Die Songs von Rio Reiser sind immer aktuell gewesen"

Jan Plewka im Interview

Am 9. Januar dieses Jahres wäre Rio Reiser 60 Jahre alt geworden. Für den rund 20 Jahre jüngeren Selig-Sänger Jan Plewka Anlass, eine Rio Reiser-Revue auf die Bühne zu bringen. Am kommenden Freitag, 3. September, heißt es beim Zeltfestival Ruhr "Jan Plewka singt Rio Reiser". Um 19 Uhr greift Plewka zum Mikrofon. Im Interview verrät er mehr über diesen Abend.

BOCHUM/WITTEN

von Von Thorsten Hengst

, 26.08.2010
"Die Songs von Rio Reiser sind immer aktuell gewesen"

2009 war Jan Plewka mit seiner Band Selig beim Zeltfestival. In diesem Jahr kehrt er alleine zurück.

Ich bin immer ein glühender Verehrer von Rio Reiser gewesen – schon zu Schulzeiten. Ich habe durch ihn singen gelernt. Wir haben als Teenager abends am Lagerfeuer immer Rio-Lieder gesungen. Das war das einzige was ging. Alles andere wäre „uncool“ gewesen. So hat das damals alles angefangen.

Die Songs von Rio Reiser sind immer aktuell gewesen. Vielleicht ist das Bedürfnis nach seinen Liedern jetzt sogar wieder größer geworden. Die Musik ist einfach so kraftvoll und wesentlich, dass sie in jede Zeit passt. Gerade die Jugendlichen, die ein bisschen politisch interessiert sind, sehnen sich nach Aussagen und nach Utopien wie denen von Rio Reiser. Wir merken es ja bei den Auftritten, wie gerade auch die ganz jungen Leute manchmal fast jeden Song mitsingen können.  

Ich finde, die beiden kann man gar nicht voneinander trennen. Das ist es ja gerade, was Rio Reiser so unerreichbar macht: diese besondere Mischung aus Romantik und Politik.

Sehr schwere Frage – es gibt so viele. Im Moment vielleicht „Wann, wenn nicht jetzt“. Aber morgen kann das schon wieder ein ganz anderer Song sein.

Selig ist damals auseinander gebrochen, weil ein merkwürdiger Alltag unsere Liebe zueinander getötet hat. Irgendwann wird auch das Leben als Rockmusiker langweilig, wenn es nur noch aus Routine besteht. Deshalb finde ich es gut, wenn man andere Projekte hat, die sich gegenseitig etwas geben. Meine Solo-Sachen sind durch den Rio Reiser-Abend beeinflusst und bei der Rio-Revue spürt man Selig. Auch die Erfahrung, mit echten Opernmusikern zu arbeiten – zum Beispiel sich ihre Gesangstechniken abzuschauen – hat Einfluss auf meine anderen Sachen. Und was das letzte Jahr mit Selig betrifft – das war sicherlich eines der aufregendsten und schönsten meines Lebens, vor allem weil wir auf eine sehr, sehr schöne Art, wieder zueinander gefunden haben.

Der Abend ist eine Inszenierung des Deutschen Schauspielhauses Hamburg – eine Mischung aus Konzert und Schauspiel. Da sind bestimmte Abläufe natürlich festgelegt. Aber für uns ist es jedes Mal ein Fest, wenn wir damit auftreten können. Deshalb lebt der Abend und er ist immer anders. Am allerschönsten ist es auf der Bühne, wenn man merkt, wie im Raum die Energie zwischen Publikum und Band auf einmal dieselbe ist.