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Interview mit The Baseballs

"Die Voraussetzung ist Respekt vor dem Original"

Dortmund The Baseballs sind fasziniert von den 50er-Jahren und glauben, dass Elvis Presley immer noch lebt. Das Trio aus dem Münsterland, aus Magdeburg und Reutlingen interpretiert zeitgenössische Pophits im ursprünglichen Rock’n’Roll-Stil. Am 7. Oktober tritt die Band im Dortmunder FZW auf.

"Die Voraussetzung ist Respekt vor dem Original"

The Baseballs versuchen, den gecoverten Songs ein neues Eigenleben zu geben.

Mit Elvistolle, Jeans, Lederjacke, perfektem Dreisatzgesang und Schmelz in der Stimme lassen Rüdiger Brans alias Digger, Sven Budja alias Sam und Sebastian Raetzel alias Basti die Frauenherzen höher schlagen. Im Interview sprechen sie über ihr aktuelles Album „Hit Me Baby...“, Erfolge in England und ihre Tournee mit Gitarrengott Jeff Beck.

Nach einer Platte mit eigenen Songs legen Sie mit „Hit Me Baby...“ jetzt wieder ein Coveralbum vor. Was ist schwerer: eigene Songs zu schreiben oder zu covern?

Basti: Songschreiben ist sehr anspruchsvoll, aber auch ein gutes Cover kann sehr schwer sein.

Sam: Gerade Coverbands werden oft in einem negativen Licht dargestellt. Es heißt, sie seien unkreativ. Wir versuchen aber, Songs so klingen zu lassen, dass sie neben dem Original bestehen können. Das ist eine Friemelarbeit und kann durchaus auch mal schwierig sein.

Warum macht man überhaupt Coverversionen?

Digger: Coverversionen sind quasi der Ursprung des Rock’n’Roll. Selbst Elvis machte zu 99,9 Prozent Coverversionen von Bluessongs, die er gerne anders hören wollte. Wir machen den Ur-Rock’n’Roll: Wir nehmen Songs, die uns schon im Grundgerüst gefallen, und machen sie noch tanzbarer und fröhlicher. Als Schüler in den 90er-Jahren haben wir immer im stillen Kämmerlein Rock’n’Roll hören müssen, weil wir ihn nicht mit unseren Freunden teilen konnten. Auf den Partys wurden logischerweise die Hits von den Backstreet Boys und Britney Spears gespielt. Und jetzt haben wir diese Hits in solche Versionen umgebaut, wie wir sie auch damals gern gehört hätten.

Wie macht man sich einen Song zu eigen?

Sam: Voraussetzung ist Respekt vor dem Original. Bei keinem unserer Covers machen wir uns über den Originalinterpreten oder -Song lustig. Aus „Chasing Cars“ von Snow Patrol zum Beispiel, welches eigentlich ein trauriger und ruhiger Song ist, haben wir eine ganz schnelle Nummer gemacht. Es geht immer darum, ob sich etwas richtig anfühlt.

Basti: Ein Song ist in gewisser Weise ein Baukasten. Zuerst reduzieren wir ihn aufs Wesentliche und singen den Text dazu. Allein durch die Akkorde fällt uns dann ein, was man da draus machen könnte.

Unter anderem haben Sie sich „Back For Good“ von Take That vorgenommen. Kennt Gary Barlow Ihre Fassung?

Basti: Von Gary Barlow direkt gab es kein Feedback, aber sein Verlag hat unsere Fassung freigegeben. Beim letzten Coveralbum hatten wir Reaktionen unter anderem von Usher und Katy Perry bekommen. Robbie Williams war vor allem begeistert von unseren Frisuren. Das größte Kompliment aber kam von Roxette. Als sie ihr erstes Konzert nach der schweren Erkrankung von Marie Frederiksson gespielt haben, waren wir auf persönlichen Wunsch von ihnen die Vorgruppe. Wir fragten sie dann extra, ob wir „The Look“ spielen dürfen, manche Künstler sind da empfindlich. Sie wollten das aber unbedingt. Und tanzten sogar selbst dazu ab.

Was hat Britney Spears‘ Song „... Baby One More Time“ mit Ihnen selbst zu tun?

Sam: Das muss er nicht unbedingt. Hauptsache, der Song passt und geht ins Ohr. Bei den ersten Alben haben wir immer geschaut, dass ein Song aktuell ist. Aber jetzt machen wir es so, wie wir gerade Bock haben. Basti: Ich habe eine persönliche Beziehung zu „The Sign“ von Ace Of Base. Als ich 13 war, musste ich mir ein Zimmer mit meiner großen Schwester teilen und wurde permanent mit dem Album malträtiert. Deswegen kann ich davon jeden Song in- und auswendig.

Sie gehören zu den wenigen deutschen Bands, die auch international erfolgreich sind. Haben Sie immer darauf hin gearbeitet?

Digger: Das kam auch für uns sehr überraschend. Gerade am Anfang hätten wir das nie für möglich gehalten. Uns ging es darum, diesen Musikstil gerade der Jugend näher zu bringen. Plötzlich aber bekamen wir in England eine Goldene Schallplatte oder standen in Australien auf der Bühne. Es ist schön, dass man dafür geehrt wird, aber ein Musiker sollte nie der Preise wegen Musik machen.

Wie kam es zum Durchbruch in England?

Basti: Unser Label dort zog ein Mördermarketing auf. Radiopromoter fuhren in Petticoats und mit Oldtimern zu den Sendern und schafften es wirklich, dass BBC One unsere Songs spielte. Erstaunlicherweise kamen wir mit unserem Humor in England gut an, weil wir zwar die Musik, aber uns selbst nicht so ernst nehmen.

Sam: Und dann waren wir mit Jeff Beck auf Tour und spielten plötzlich in den ganzen großen Locations.

Wie war die England-Tournee mit Jeff Beck?

Basti: Wir waren unter anderem zweimal in der Royal Albert Hall. Das war ein Riesenerlebnis für uns.

Haben Sie Jeff Beck dabei ein bisschen kennenlernen dürfen?

Sam: Absolut nicht! In dieser einen Woche, in der wir zusammen unterwegs waren, hat er uns nicht einmal begrüßt. Wir mussten bis 17 Uhr in unserem Tourbus bleiben und durften die Hallen vorher nicht betreten. Wir durften uns weder seines Soundchecks noch seine Show angucken und bekamen die kleinste Garderobe. Wir durften nicht mal die Toiletten benutzen. Das war wirklich eine sehr spezielle Situation, weil uns Jeff Becks Management ja explizit angefragt hatte.

Basti: Anfangs durften wir noch nicht einmal mit unserem Bus am Venue parken. Ich weiß noch, wie wir in Sheffield nach einem Café suchten, weil ich mal auf Toilette musste. Aber im Nachhinein hatten wir auch schöne Erlebnisse. Diese Erfahrung wollen wir nicht missen.

Warum haben Vorbands oftmals einen schlechten Sound?

Digger: Du darfst nicht so laut spielen wie der Hauptact, auch die Lichtanlage darf nicht komplett genutzt werden. Logischerweise soll der Hauptact glänzen.

Basti: Am zweiten Tag in der Royal Albert Hall bekamen wir auch stehende Ovationen von einem Publikum, das eigentlich wegen Gitarrenmusik da war. Nach unserem Verständnis ist eine Vorgruppe dazu da, die Stimmung anzuheizen für die Hauptband. Das kann aber nicht gelingen, indem man der Vorgruppe Fesseln anlegt. Jeff Beck selbst hinterfragt das wahrscheinlich gar nicht, das sind Entscheidungen seitens des Managements.

Sie haben schwingende Mikrofonständer erfunden, die Sie anfangs bei Ihren Konzerten eingesetzt haben. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Digger: Ich habe damals in Münster Design studiert und bin in der Studentenschlosserei zum Werkstattleiter gegangen. Eigentlich müsste ich jetzt wieder studieren, ich könnte so viele Sachen für die Bühne bauen. Wir entwickeln unsere Shows immer noch selber. In meiner Werkstatt in Münster entsteht alles von Bühnenpodesten bis Backdrops.

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