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Die Weissagung

Berlin. Einem Pariser wird vorausgesagt, dass er sich verlieben und einen Mord begehen werde. Die Prophezeiung schwebt wie ein Damoklesschwert über ihm. Dabei schillert der Spielfilm „Die Weissagung“ von Manuel Schapira zwischen Krimi, Psychodrama und schlichter Liebeskomödie.

Die Weissagung

Paul (Manu Payet, l) und Richard (Gilles Cohen) in „Die Weissagung“. Foto: Jean-Claude Lother

Paul, ein sympathischer, ziemlich durchschnittlicher junger Pariser von Anfang 30, hat die virtuelle Welt satt. Er cancelt seine Internet-Profile und legt sich ein altmodisches Basis-Handy zu.

„Zu viele Pseudo-Kontakte, zu viele Namen, die einem nichts sagen“, erklärt er seinem Kollegen in der Werbeagentur. Besonders die Partner-Portale sind dem Grafikdesigner ein Dorn im Auge: „Ist doch deprimierend, dass sich da alle verkaufen, als wären sie Waschpulver.“ Paul will sich „wieder in die Realität einklinken“, wie seine Langzeit-WG-Mitbewohnerin Hélène (Laetitia Spigarelli) erkennt. Da weiß er noch nicht, welch undurchschaubaren Fallstricke ihn in dieser Wirklichkeit erwarten.

So beginnt der Arte-Spielfilm „Die Weissagung“ an diesem Freitag (20.15 Uhr) des Kurzfilm-Regisseurs Manuel Schapira (Jahrgang 1972). Mit dem in Frankreich populären Fernsehkomiker Manu Payet in der Hauptrolle erzählt er die Geschichte eines Manns, dem eine übersinnlich begabte Frau auf einer Party vorhersagt, dass er sich heftig verlieben und einen Mord begehen werde. Tatsächlich lernt Paul kurz darauf unter fantastischen Umständen die bildschöne Hutmacherin Camille (Alma Jodorowsky) kennen, die ihm zur Seelenfreundin wird. Und es beginnen sich Situationen zu häufen, in denen Menschen seinetwegen beinahe ums Leben kommen.

Gemeinsam mit Delphine de Vigan (Erfolgsroman „No & ich“) und Raphael Chevènement zeichnet Schapira auch für das Drehbuch verantwortlich. Dabei beginnt sein Film, der im Original „Damocles“ heißt, verheißungsvoller, als er sich weiterhin entwickelt. Nur mehr schemenhaft ist auch zu erkennen, dass dem Werk von Moneypenny Productions und Arte die Kriminalerzählung „Lord Arthur Saviles Verbrechen“ (1887) des irischen Meisterschriftstellers Oscar Wilde zugrunde liegt. Kernthema bleibt die Frage, ob die vermeintliche Weissagung tatsächlich das Schicksal des jungen Manns bestimmt. Oder ob er sie in einer Art vorauseilendem Gehorsam erst selbst Realität werden lässt.

Nachdem er etwa einen Hund vergiftet, seinen Fitnesstrainer beinahe mit einer Hantel erschlagen und seine Geliebte fast mit einem Fön in der Badewanne umgebracht hat, will Paul den ihn fundamental beunruhigenden Geschehnissen („Über meinem Kopf schwebt ein Damoklesschwert“) ein Schnippchen schlagen. Und in der Tat einen Menschen töten, um quasi der Prophezeiung zuvor zu kommen. Da leisten ihm denn seine Freunde aus dem Fitnessclub gern Beistand.

Der schräg anmutende Film, der wie eine Abrechnung mit dem Internet-Zeitalter einsteigt und sich als existenzieller Krimi über Vorherbestimmtheit und Willensfreiheit fortsetzt, endet schließlich als eher simpel vorhersehbare Liebesgeschichte mit komödiantischem Einschlag. Etwas Besonderes dürfte auf jeden Fall die Begegnung mit Claude Gensac in der Rolle der lebensmüden alten Nachbarin Josette darstellen. Viele Fernseh- und Kinozuschauer werden die Weihnachten 2016 mit 89 Jahren gestorbene Schauspielerin noch als hochelegante Ehefrau von Louis de Funès in dessen Brachialkomödien („Balduin, der Schrecken von Saint Tropez“) in bester Erinnerung haben.

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