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Dieter Degowski aus Haft entlassen

Gladbecker Geiselgangster

Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner waren 1988 verantwortlich für das so spektakuläre wie blutige Geiseldrama von Gladbeck. Einer der beiden kommt jetzt vorzeitig frei.

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ESSEN/WERL

, 16.02.2018
Dieter Degowski aus Haft entlassen

Die bewaffneten Geiselnehmer Dieter Degowski (l) und Hans-Jürgen Rösner. © picture alliance / Hartmut Reeh/

Der Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski ist nach fast 30 Jahren Haft wieder frei. Der 61-Jährige konnte nach Angaben des Landgerichts Arnsberg die Justizvollzugsanstalt im westfälischen Werl am Donnerstag mit neuer Identität verlassen. Zunächst hatte die „Bild“-Zeitung über die Freilassung berichtet.

Degowski und sein ein Jahr jüngerer Komplize Hans-Jürgen Rösner hatten im August 1988 die Bundesrepublik in Atem gehalten. Drei Tage lang flüchteten sie nach einem missglückten Bankraub in Gladbeck mit Geiseln quer durch Deutschland. Drei Menschen starben. Das Gladbecker Geiseldrama ging als eines der spektakulärsten Schwerverbrechen in die deutsche Kriminalgeschichte ein. Degowski und Rösner wurden zu lebenslanger Haft verurteilt.

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Das Gladbecker Geiseldrama

16.02.2018
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Der Geiselnehmer Hans-Jürgen Rösner vor dem gekaperten Bus in Bremen, aufgenommen am 17. August 1988. Im Hintergrund der später ermordete Emanuele de Georgi mit seiner Schwester im Arm. © dpa
Die bewaffneten Geiselnehmer Dieter Degowski (l) und Hans-Jürgen Rösner stehen mit den Geiseln in dem in Bremen gekaperten Linienbus. Vorne sitzt die später getötete Geisel Silke Bischoff (hinter der Haltestange), rechts Ines Voitle. © dpa
Der Entführer Hans-Jürgen Rösner beantwortet in Bremen mit einer Pistole in der Hand Fragen von Journalisten. Mit seinem Komplizen Dieter Degowski hatte er am zwei Tage zuvor am 16. August 1988 in Gladbeck-Rentfort eine Bank überfallen und zwei Geiseln genommen.© dpa
Der Gladbecker Geiselgangster Hans-Jürgen Rösner (M) sitzt am Dienstag am 11.8.2009 im Amtsgericht in Bochum neben seinem Anwalt August Vordemberg (r). Dahinter steht ein Beamter eines Spezialeinsatzkommandos. Rösner muss sich wegen Drogenhandels verantworten. Der 52-Jährige soll im Gefängnis dabei erwischt worden sein, wie er sieben Gramm Heroin portionierte.© dpa
Der Entführer Dieter Degowski bedroht die Geisel Silke Bischoff an der Raststelle Grundbergsee mit einer Waffe. Mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner hatte er am in Gladbeck-Rentfort eine Bank überfallen und zwei Geiseln genommen. © dpa
Der Entführer Dieter Degowski steht in einem gekaperten Bus in Bremen. Bei dem Gladbecker Geiseldrama kamen drei Menschen ums Leben.© picture alliance / dpa
Das Bildv aus dem Jahr 1988 zeigt den Fluchtwagen der Geiselnehmer (r), der von dem Mercedes der Polizei (l) auf der Autobahn A3 bei Bad Honnef gestoppt wurde. Die Geisel starb hier durch eine Kugel aus der Waffe eines Geiselnehmers.© dpa
In dieser Bank in Gladbeck begann das Geiseldrama im Jahr 1988. Die Geiselnehmer hatten in Gladbeck-Rentfort eine Bank überfallen und zwei Geiseln genommen. © dpa
Die bewaffneten Geiselnehmer Dieter Degowski (l) und Hans-Jürgen Rösner stehen in dem in Bremen gekaperten Linienbus. © dpa
Dieter Degowski sitzt mit einer Waffe in der Hand in einem Auto.© dpa
Der Wagen mit den Geiselnehmern wirdin Köln von Journalisten umringt.© dpa

Bei Degowski wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Rösner, bei dem zusätzlich Sicherungsverwahrung angeordnet wurde, sitzt weiterhin im Gefängnis. Auch er strebt eine vorzeitige Entlassung an. Voraussetzung ist eine Therapie.

Degowskis lebenslange Freiheitsstrafe hatte die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg am 10. Oktober 2017 unter zahlreichen Weisungen zur Bewährung ausgesetzt. Sie hatte sich nach Angaben des nordrhein-westfälischen Justizministeriums auf die günstige Prognose und das tadellose Verhalten Degowskis im Vollzug gestützt. Eine Entlassung war für die nächsten Monate angekündigt worden.

Laut Gutachten sei der 61-Jährige „nachgereift, psychisch stabil“ und ohne Alkohol- und sonstige Suchtprobleme, hatte Justizminister Peter Biesenbach (CDU) im November erklärt. Degowski habe alle Lockerungen der Justizvollzugsanstalt Werl beanstandungsfrei absolviert - insgesamt 38 unbegleitete sowie zwölf Langzeitausgänge. Auch die Staatsanwaltschaft hatte keinerlei Einwände erhoben.

Das Gladbecker Geiseldrama als Chronologie

Das Drama von Gladbeck hielt Deutschland drei Tage lang in Atem. Eine Chronologie der spektakulären Geiselnahme:

16. August 1988: Gegen 8 Uhr dringen Hans-Jürgen Rösner (31) und Dieter Degowski (32), vermummt und mit Maschinenpistolen bewaffnet, in eine Bankfiliale in Gladbeck-Rentfort ein und nehmen einen Kassierer und eine Kundenberaterin als Geiseln. Um ihren Forderungen nach einem Fluchtwagen und Lösegeld Nachdruck zu verleihen, schießen die Täter um sich. Bereitwillig geben sie Journalisten ein Interview. Am Abend fahren sie unter den Augen der Beamten und im Blitzlichtgewitter der Presse mit den beiden Geiseln und mindestens 420.000 Mark Lösegeld ab. Noch in Gladbeck steigt ihre Komplizin Marion Löblich (34) zu. Sie fliehen Richtung Bremen. Später wechseln die Täter mehrfach ihr Fluchtauto.

17. August: Bei ihrer von der Polizei beobachteten Irrfahrt kapern sie kurz nach 19 Uhr an einer Haltestelle in Bremen-Huckelriede einen Nahverkehrsbus mit etwa 30 Fahrgästen, darunter Kinder. Erneut geben sie Journalisten ein Interview und fordern weiteres Bargeld. Fünf Geiseln werden freigelassen. Gegen 23 Uhr lassen die Gangster die beiden Bankangestellten an der Raststätte Grundbergsee frei. Als die Polizei die Komplizin Löblich überwältigt und auf Forderung der Gangster nicht gleich wieder freilässt, erschießt Degowski den 15- jährigen Italiener Emanuele de Georgi. Die Polizei gibt Löblich frei. Der Bus fährt Richtung Holland. Bei der Verfolgung verunglückt ein Polizeiwagen. Ein Beamter wird getötet, ein weiterer schwer verletzt.

18. August: Gegen 2.30 Uhr rollt der Bus über die niederländische Grenze. Wieder fallen Schüsse, der Busfahrer und Löblich werden verletzt. Im Austausch gegen ein neues Fluchtauto werden fast alle Geiseln freigelassen. Mit den beiden jungen Frauen Silke Bischoff und Ines Voitle setzt das Trio seine Fahrt fort. Um 7.10 Uhr überquert das Fluchtauto bei Gronau die Grenze in die Bundesrepublik. Gegen 11 Uhr erreichen die Verbrecher Köln. Im Gespräch mit Journalisten drohen sie, „zu allem entschlossen“ zu sein. Anschließend brausen sie in Richtung Frankfurt davon. Gegen 13.50 Uhr greift die Polizei mit Waffengewalt ein. Sie stoppt das Fluchtauto auf der Autobahn A3 bei Bad Honnef. Die Geisel Silke Bischoff wird dabei von Rösner erschossen, ihre Freundin überlebt schwer verletzt.

dpa