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Don Winslow beleuchtet «Das Kartell»

Berlin (dpa) «Tage der Toten» machte ihn weltbekannt. Nun zieht er ein weiteres Mal in den mexikanischen Drogenkrieg, noch monströser, noch gewaltiger. Don Winslow hat eine Botschaft - ohne Happy End.

Don Winslow beleuchtet «Das Kartell»

Don Winslow hat mit «Das Kartell» dort wieder angesetzt, wo er mit «Tage der Toten» aufgehört hatte. Foto: Alberto Estevez

Von den Drogen kommt der Mann nicht los. Don Winslow hat schon so viel anderes geschrieben, über Spione, Detektive und Terroristen, aber immer wieder kehrt er zurück zu den Drogen.

Nichts von all dem anderen ist bislang annähernd so gut und so erfolgreich gewesen wie seine Geschichten aus dem mexikanisch-amerikanischen Drogenkrieg, so überdreht, atemlos und brutal - und so wahr, wie Winslow (61) stets betont.

So ein Buch hat er nun wieder geschrieben, oder besser: fortgeschrieben. Denn «Das Kartell» setzt da ein, wo der 2005 erschienene Welterfolg «Tage der Toten» endete. Das geht nahtlos. Damals wanderte die Hauptfigur Adán Barrera, der größte und mächtigste aller Drogenbosse, nach jahrzehntelanger Jagd ins Gefängnis. Und was das wert sein würde, hat Winslow damals schon vorweggenommen: «Etwa fünfzehn Minuten lang stockte der Drogenfluss [...]. Dann war der Nachwuchs zur Stelle, und die Drogen flossen reichlicher als je zuvor.»

Nun ist Barrera zurück und schickt sich an, sein Imperium wieder zu übernehmen. Art Keller, der US-Drogenfahnder, der Barrera damals fasste, muss feststellen, dass es zwischen Gut und Böse noch immer keine Grenze gibt und der Feind nicht zwangsläufig nur auf der anderen Seite steht.

Wie schon beim Vorgänger hat Winslow auch für das Kartell jahrelang verfolgt, was in Mexiko vor sich geht. «Das Neue an den Drogenkriegen ist, dass sie nun in Echtzeit dokumentiert werden, oft durch Internetbeiträge der Beteiligten selbst, aber auch in Blogs», schreibt er. Das Buch, wenngleich als «fiktives Werk» deklariert, basiere auf authentischen Ereignissen. Er muss das wohl so deutlich erwähnen, man wäre sonst versucht, den in nüchternen Worten geschilderten Wahnsinn als durchgedrehte Gewaltfantasie abzutun.

Die Kartelle, die bei Winslow mit ihren privaten Armeen um Macht und Einfluss kämpfen, sind keine Erfindung. Sie existieren genau so. Adán Barrera ist eine, aber die Ähnlichkeit zu Joaquín «El Chapo» Guzmán ist frappierend. «Der Kleine», der echte Boss des Sinaloa-Kartells, floh 2001 unter mysteriösen Umständen aus dem Gefängnis und wurde erst 2014 wieder gefasst. Ein milliardenschwerer Drogen-Unternehmer, der es gar bis auf die «Forbes»-Liste der reichsten Menschen der Welt schaffte.

Auch Drogen sind eben ein Geschäft. Journalisten, die ihn daheim in Südkalifornien besucht haben, hat Winslow gezeigt, wohin das Drogengeld seinen Recherchen zufolge fließt: in Autos, Immobilien, prall gefüllte Einkaufstüten. «Man sieht das Narco-Geld überall», zitiert ihn der «Spiegel». «Die Weltwirtschaft hätte ein ernstes Problem, wenn dieses Geld ausbliebe», sagt er im «Focus». Auch davon handeln Winslows Geschichten aus dem Drogenkrieg - von der Scheinheiligkeit und der Frage, wer schuld an dem Schlamassel ist: die, die das Zeug verkaufen, oder die, die es kaufen?

Wer im Drogenkrieg kämpft, auch das ist eine Lehre aus Winslows Welt, muss mit Drogen gar nicht unbedingt in Berührung kommen. Um kräftig zu verdienen, reicht es, die Macht über die Straßen und die Grenzübergänge zu haben - und die anderen dafür zahlen zu lassen, wenn sie sie benutzen. Die Behörden mit all ihren Satelliten, Hubschraubern und Spezialeinheiten sind da allenfalls Statisten - ein bisschen lästig, manchmal gar nützlich, aber letztlich nicht in der Lage, einen entscheidenden Schlag zu führen. Im Krieg um die Drogen lässt Winslow am Ende immer einen triumphieren. Der Krieg gegen die Drogen, der geht immer verloren.

- Don Winslow: Das Kartell, Verlagsgruppe Droemer Knaur, München, 830 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3-426-30429-7.

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