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Bagger befördert Reste einer Bastions-Brücke zutage

Zufallsfund

DORSTEN Eigentlich soll am Vosskamp Neues geschaffen werden. Doch Erdarbeiten für ein Wohnhaus öffneten dort den Blick auf ganz Altes: In einigen Metern Tiefe stieß der Bagger jetzt auf die Reste einer Bastions-Brücke.

von Von Klaus-Dieter Krause

, 02.08.2010

Es ist gut, dass Zeitungsleute nicht nur auf die Gegenwart fixiert sind. Axel Präckelt, der in der Geschäftsstelle der Dorstener Zeitung tätig ist, interessiert sich auch für die Geschichte seiner Heimatstadt. Und so wurde er stutzig, als er am Samstag dicke Balken aus dem Schlamm der Baugrube hervorragen sah.

Denn Präckelt hatte auch alte Landkarten vor seinem geistigen Auge. Und dort war exakt an dieser Stelle eine Brücke verzeichnet, die vermutlich seit dem 16. Jahrhundert über den Wallgraben zu einer Bastion im südlichen Ausläufer der Stadtbefestigung führte. Präckelt informierte sofort Dr. Josef Ulfkotte, den Vorsitzenden des Dorstener Heimatvereines. Und der schaltete noch am Samstag Stadtbaurat Holger Lohse ein. Die Folge: In diesem Bereich mussten die Bauarbeiten am Montag zumindest solange ruhen, bis Mitarbeiter der Stadt sowie fachkundige Archäologen und Historiker den Fund in Augenschein genommen hatten.

Für Jan Markus, der im Ausgrabungsfeld Kreskenhof den Römern nachspürt, war der Fall schnell klar: „Es deutet alles darauf hin, dass es sich um ein Brückenfundament und damit um Teile der alten Befestigungsanlage handelt.“ Telefonische Rücksprache mit zuständigen Denkmalschützern führte zu einem Kompromiss, mit dem alle Beteiligten leben können. Die noch erhaltenen Eichenbalken werden geborgen und genau untersucht.

Die Archäologen werden sich die Fundstelle vor Ort genau ansehen, drumherum gehen aber gleichzeitig die Bauarbeiten weiter. Und die Bauherren müssen nicht fürchten, dass ihr Wohnbauprojekt monatelang auf Eis gelegt wird. 2000 Jahre alte Relikte aus der Römer-Epoche besitzen einen anderen Stellenwert als Funde, die rund 400 Jahre auf dem Buckel haben. Dennoch sind sich Heimatforscher und Historiker einig: Für die Stadtgeschichte ist dies ein ebenso bedeutsamer wie erhellender Fund.

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