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Begeisternde Lesung mit Claude-Oliver Rudolph

In Oelde

Im Abschluss an die Eröffnung der Gustav Sack-Ausstellung begann am Freitagabend auf der Kulturbühne des Hauses Nottbeck eine Lesung zum Leben und Werk des Schermbecker Dichters Gustav Sack, an der mehr als 100 Besucher teilnahmen.

SCHERMBECK

von Von Helmut Scheffler

, 29.08.2010
Begeisternde Lesung mit Claude-Oliver Rudolph

Mit Claude-Oliver Rudolph wurde das Image des antibürgerlichen Lebenskünstlers Gustav Sack im Rahmen einer Dichterlesung besonders deutlich.

Für jene Zuhörer, die zuvor nicht an der Ausstellungseröffnung teilgenommen hatten, gab Professor Walter Gödden einen kurzen Überblick über das Leben und Wirken des Dichters. Zuvor hatte er den Medienvertretern erläutert, warum man Claude-Oliver Rudolph für die Lesung ausgesucht hatte. „Es war unsere Wunschbestezung“, so Gödden im Hinblick auf einen Schauspieler, der das Image des antibürgerlichen Lebenskünstlers Gustav Sack lebendig halten kann.Gegenspieler von James Bond Entdeckt von Peter Zadeck am Schauspielhaus Bochum, hat es der 53-jährige Rudolph in seiner Karriere als bühnen- und Film-Outlaw weit gebracht, bis hin zum Gegenspieler des berühmtesten aller Agenten in „James Bond 007- Die Welt ist nicht genug“. Immer wenn ein Mann fürs Brachiale gesucht wird, ist der breitschultrig untersetzte Karatemeister Rudolph erste Wahl. Und das gilt auch für ihn als Stimme, etwa als Synchronstimme des Hollywood-Rebellen Michey Rourke. Die Inhalte der eineinhalbstündigen Lesung schrieben Professor Gödden iund der Schermbecker Literaturwissenschaftler Steffen Stadthaus dem Schauspieler buchstäblich auf den Leib. Und mehr als einmal gab er ein Schmunzeln, das Aufleuchten der Augen sowie die sichtliche Begeisterung am Lesestoff zu erkennen, als Rudolph offensichtlich Parallelen seines Lebens in der Vita des Schermbecker Dichters zu erkennen glaubte. An solchen Stellen geschah es dann auch, dass Rudolph von dem ihm vorgegebenen Lesekonzept ausbrach, um ein paar eigene Kommentare einzufügen.Lesung fesselte die Zuhörer Die Parallelität von Leben des Dichters, seinem Werk und dem Zeitgeist an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war das besonders Reizvolle und Abwechslungsreiche einer Lesung, die die Zuhörer fesselte, weil Gustav Sacks ohnedies bekannte Sprachgewalt und die auf Identifikation mit dem Lesestoff hinzielende Ausdruckskraft Rudolphs beim Lesen einander frappierend ergänzten. So entstand das Bild eines Dichters, dessen Lebensstationen nach der Jugendzeit in Schermbeck über Greifswald, Münster, Halle, Rostock München, Schweiz nach Rumänien führten. In 31 Jahre schuf Sack Romane, viele Gedichte, einige Novellen und Essays, von denen nur Bruchteile zu Lebzeiten des Dichters veröffentlicht wurden. Ihm blieb es versagt, die vielen positiven Reaktionen von Dichtern wie Britting oder Thomas Mann zur Kenntnis zu nehmen, als ein Jahr nach seinem Tod die Veröffentlichung seiner Romane in relativ hoher Auflage eine Flut positiver Rezensionen auslöste. Alle Charakterzüge dargestellt Die mit bewundernswerter Rezitierkunst vorgetragenen Texte waren so geschickt ausgewählt worden, dass sie keinen wesentlichen Charakterzug der Schreibweise Gustav Sacks außer Betracht ließen und gleichzeitig einen groben Überblick über ein Dichterleben ermöglichten, das weit davon entfernt war, die Erfolgsstrategien eines Massenautors anzustreben, und es vielen Literaturwissenschaftlern späterer Jahre zu schwierig werden ließ, den so eminent spannenden Avantgarde-Autor in die klassischen Einordnungsschemata der Literaturgeschichte einzufügen.Die Schermbecker Abordnung, die voller Begeisterung am Ende eines langen Gustav Sack-Tages in die Heimat zurückkehrte, wird als Botschafter sicherlich dafür sorgen, dass am 28. Oktober viele Menschen der Region ins Schermbecker Heimatmuseum kommen, um an einer weiteren Lesung teilzunehmen.