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Chef hat einfach keine Steuererklärung mehr abgegeben

Prozess

Jahrelang hatte der Chef einer Hervester Firma für Industriereinigung Steuern hinterzogen. Jetzt wurde er am Essener Landgericht verurteilt.

Dorsten

, 05.07.2018
Chef hat einfach keine Steuererklärung mehr abgegeben

© Foto: Maja Hitij / dpa

Der Job war dreckig, die Buchhaltung offenbar nicht so wichtig: Jahrelang hat der Chef einer Hervester Firma für Industriereinigungen Steuern hinterzogen. Am Mittwoch ist er zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Es ging um eine halbe Million Euro

Die Anklage der Staatsanwaltschaft hatte es in sich. Im Prozess vor dem Essener Landgericht ging es ursprünglich um knapp eine halbe Million Euro. Der 50-Jährige hatte ab 2010 einfach keine Steuererklärung mehr abgegeben. Dabei hatte er große Aufträge. In den Jahren 2009 und 2010 sollen sich seine Einkünfte auf jährlich über 300.000 Euro belaufen haben.

Der Angeklagte hatte seine Firma erst kurz zuvor gegründet. Allerdings nicht auf seinen Namen, sondern auf den seiner damaligen Lebenspartnerin. Das Unternehmen hatte sich auf die Reinigung von Maschinen spezialisiert, die zur Ziegelproduktion eingesetzt werden. Betonmischer zum Beispiel oder Pressen.

Mitarbeiter haben nicht durchgehalten

Lange hielten die Mitarbeiter aber nie durch. „Die meisten wollten nach zwei Monaten schon wieder weg“, sagte der 50-Jährige. „Weil die Arbeit zu staubig war.“ Dass er Steuern hinterzogen hat, wollte der Hervester im Prozess nicht bestreiten. „Das war aber nicht böswillig“, sagte sein Verteidiger Haju Regul. „Wegen der hohen Betriebsausgaben war er dazu einfach nicht in der Lage.“ Die Berechnungen des Finanzamtes seien einfach nicht richtig. Tatsächlich sei der Steuerschaden viel geringer.

Erhebliche Zweifel

Und auch die Richter hatten erhebliche Zweifel. Beim Finanzamt waren die Betriebsausgaben auf 30 Prozent geschätzt worden. Viel zu wenig, befanden sie. Tatsächlich müssten die Zahlen doch wohl eher umgedreht werden: 70 Prozent Betriebsausgaben, 30 Prozent Reingewinn. Das sage schon die Erfahrung. Das Strafverfahren gegen die angeklagte Ex-Partnerin des Hervesters wurde gegen Zahlung von 500 Euro eingestellt. Die aus Rumänien stammende Frau hatte den Richtern versichert, dass sie mit der Firma nichts zu tun gehabt habe. „Ich habe gar nicht gewusst, was ich da unterschrieben habe“, hatte eine Dolmetscherin für sie übersetzt. „Ich habe das alles gar nicht richtig verstanden.“

Die Höhe der hinterzogenen Steuern beläuft sich nach den Neuberechnungen auf rund 115.000 Euro.

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