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„Dorstener Arbeit“ und Künstler bauen Fahrrad-Rikschas um

Rikschas für Dorsten

Drei Fahrrad-Rikschas werden bei der „Dorstener Arbeit“ restauriert und mit Elektro-Antrieb ausgerüstet. Der Umbau-Entwurf des Designers Nils Christensen würde für Farbe im Stadtbild sorgen.

Dorsten

29.03.2018
„Dorstener Arbeit“ und Künstler bauen Fahrrad-Rikschas um

Die Teilnehmer des Projekts „Mobil in Dorsten“ restaurieren in der Schlosserei der „Dorstener Arbeit“ derzeit drei gebrauchte Fahrrad-Rikschas und rüsten sie mit Elektroantrieben aus. Das Modell mit dem farbenfrohen Sitzmodul (links im Bild) hat der Künstler und Industrie-DesignerNils Chistensen mit seinem Team entworfen. © Foto: Michael Klein

Normalerweise arbeitet Nils Christensen im stillen Kämmerlein an seinen Entwürfen. Derzeit aber sitzt der Künstler und Industrie-Designer in der Schlosserei der „Dorstener Arbeit“ gemeinsam mit zwei Langzeitarbeitslosen und einem syrischen Flüchtling an kreativen Umbau-Ideen für eine Fahrrad-Rikscha. Eine Premiere für den Gast aus München.

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„Da prallen zwei Welten aufeinander“, sagt er. „Ich glaube aber, gerade das hat uns eine Menge Spaß gemacht.“ Seit gut einer Woche ist Christensen in der Werkstatt im Wulfener Gewerbegebiet mit einem dreiköpfigen Team damit beschäftigt, einen der möglichen Prototypen für das Projekt „Mobil im Quartier“ zu gestalten. „Wir wollen hier drei gebrauchte Fahrrad-Rikschas restaurieren und sie mit Elektro-Antrieb ausrüsten“, erläutert Jürgen Erhardt, Geschäftsführer der gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft. Ab Sommer sollen sie in Dorsten zum Einsatz kommen, inklusive Service-, Verleih- und Ladestation.

Premiere beim Sternlauf

Die Rikscha-Räder rollen erstmalig am 1. Juli (Sonntag), wenn im geplanten Bürgerpark namens „Stadtkrone“ auf Maria Lindenhof der „Sternlauf der Stadtteile“ enden soll. „Die am weitesten entfernten Stadtteile Rhade, Lembeck und Wulfen bekommen dann eine Rikscha gestellt“, sagt Marion Taube, die im Auftrag der Stadt ein künstlerisches Konzept für den Stadtkrone-Park entwickelt. „Damit könnten beispielsweise die ältesten Bewohner im Dorf nach Dorsten kutschiert werden.“

Stadtkrone-Macherin Marion Taube brachte vor einem Jahr den Gedanken zu Papier, dass Ehrenamtliche mit „e-mobilen Fahrrad-Grün-Taxis“ Senioren oder gehandicapte Menschen durch den geplanten Bürgerpark transportieren könnten. Unabhängig davon hatte Jürgen Erhardt eine solche Idee schon als Qualifizierungs-Projekt für die gemeinsam mit der Stadt betriebene soziale Einrichtung „Dorsten-Treff“ in der Lippestraße in einen Förderantrag gegossen. So kommt es, dass Stadtkrone und Dorstener Arbeit die „Markteinführung“ der Fahrrad-Rikschas gemeinsam auf den Weg bringen.

Zwei Entwürfe am Start

In welcher Optik die Dreiräder an den Start gehen werden, ist aber noch ungewiss. Denn Jürgen Erhardt entschied, dass zwei Teams in der Schlosserei um den Zuschlag wetteifern sollen: Hier das rein funktionale Modell mit erhöhter Zweier-Sitzbank, das die Mannen um Werkstattmeister Stephan Thiemann sich ausgedacht haben. Und dort das künstlerische Gefährt mit dem bunt-schrägen und an einen Strandkorb erinnernden Heck-Aufbau des Christensen-Teams. Dach, Rückwand und Seitenteile bestehen aus unterschiedlich kolorierten Folien. „Die Fahrgäste bekommen einen farbigen Blick auf Dorsten, sitzen gleichzeitig exponiert und geschützt“, erklärt der Designer.

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„Dass ein Künstler eingeladen wurde, den Prozess zu begleiten, ist das Besondere an dieser Gemeinschaftsaktion“, betont Marion Taube. Mit dem studierten Designer Nils Christensen hat sie einen alten Bekannten in die Lippestadt geholt. Gehörte er doch bei ihrer Sommer-Reihe „Anstiftung zur Stadtentdeckung“ im Jahre 2013 zu der dreiköpfigen jungen Künstlergruppe, die wochenlang in einem leer stehenden Ladenlokal in der Innenstadt zwei spektakuläre Performance-Aktionen im damals dem Abriss geweihten Lippetor-Center präsentierte.

Freiwillig dabei

Die beiden Teams von Stephan Thiemann und Nils Christensen bestehen aus Teilnehmern des Projekts „Mobil im Quartier“, das im „Dorsten-Treff“ ein Teil des Stadtumbau-Projekts „Wir machen Mitte“ ist. „Alle sind freiwillig dabei, bekommen kein Geld dafür“, betont Jürgen Erhardt. Alle hoffen aber, dass sie durch die Arbeit Fähigkeiten erlangen, die ihnen bei der Suche nach einem neuen Job helfen.

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„Ich habe hier Spaß am Zeichnen gehabt“, erzählt Katrin Beyer. Sie ist schon ein paar Jahre arbeitslos – ebenso wie ihr Mitstreiter Jörg Schoo, der sich beim Rikscha-Projekt „auf die Holz- und Stahlarbeiten gestürzt hat“, wie er sagt. Und der syrische Flüchtling Abdullah Sahyouni würde gerne „der erste Fahrer einer Fahrrad-Rikscha“ werden.

Geld verdienen

„In anderen Städten wird nämlich mit einem solchen Angebot Geld verdient“, so Jürgen Erhardt. „Es ist vorstellbar, dass auch hier von der Stadtinfo Stadtrundfahrten mit Rikschas angeboten werden.“

Bis dahin sollen die Dreiräder, die die „Dorstener Arbeit“ gekauft hat und deren Akku für eine Entfernung von 30 bis 70 Kilometer reichen kann, zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden. „Hinten bekommen sie ein modulares System“, sagt Jürgen Erhardt. „Sie können dann als Lagerfläche für Transportgüter oder auch als mobile Küche genutzt werden“, zählt Marion Taube Verwendungsmöglichkeiten auf.

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