Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Episoden einer Kindheit im Revier

Wulfen Als sie begann, ihre Erinnerungen aufzuschreiben, da wusste Brigitte Wiers nach eigenen Worten noch nicht, "in welch brodelnden Kessel ich hin-eingaloppieren würde".

23.10.2007

Aus dem Kessel der Vergangenheit geschöpft hat die Wulfenerin mehr als 300 Seiten, die amüsante wie nachdenkliche Episoden einer Kindheit im Revier vereinen. "Wer wohnt schon in der Ziethenstraße?" heißt das Buch, das jetzt im Dorstener Ingrid Zimmermann Verlag erschienen ist.

Wer wohnt schon in der Ziethenstraße, im grauen Gelsenkirchen-Ückendorf? Es ist Eva, die Heldin dieser Erzählung, die hier 1930 zur Welt kommt. Dieser Mikrokosmos, so klein und unbedeutend er auch sein mag, lehrt das Mädchen alles, was es braucht, ohne den Nazis auf den Leim zu gehen.

"Das Buch ist stark autobiographisch gefärbt", sagt Brigitte Wiers, die in Gelsenkirchen geboren wurde und seit 1980 in Wulfen lebt. Das Mitglied des Literarischen Arbeitskreise Wulfen ist vielen Dorstenern dank der LAD-Anthologien und ihrer Beiträge für den Heimatkalender der Herrlichkeit bekannt.

Nach ihrer Pensionierung im Jahre 1993 fasste die Wulfenerin den Entschluss, ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten. "Es war, als hätte ich einen Verschluss geöffnet, der sich nicht eher wieder zudrehen ließ, bis all das, was da an Erlebtem und Erträumtem herausdrängte, zu Papier gebracht war", so die Autorin.

Der Lebens-Rückblick ist das Panorama einer Kindheit und Jugend, die im Revier beginnt und 1950 mit der Rückkehr aus England endet. Und auch die Zeit, als die Gelsenkirchener Mädchenschule nach Bayern verfrachtet wurde und die Protagonistin dort den berühmten Seefahrer und Abenteurer Graf Luckner kennen lernt, nimmt breiten Raum in den Erinnerungen ein.

Ein Stück Heimat

"Das Zurücktasten in die Kindheit hat Einiges in mir in Bewegung gebracht: Mir ist bewusst geworden, dass Kindheit und Jugend ein Stück Heimat sind, unersetzlich und immer etwas Besonderes", so Brigitte Wiers, die es mit dem Buch-Einband dem Leser erlaubt, einen Blick in die Ziethenstraße zu werfen. Auf dem Foto von 1900 zu sehen ist das Haus, in dem die reale Brigitte und damit auch die Roman-Evi aufgewachsen sind - im Erdgeschoss der Milchladen des Großvaters, im ersten Stock schaut die Tante aus dem Fenster. Auch wenn das Haus inzwischen abgerissen ist, die Ziethenstraße nunmehr Herner Straße heißt - Brigitte Wiers hat der kleinen und unspektakulären Ruhrgebiets-Gasse von damals ein Denkmal gesetzt. MK

ISBN 978-3-928568-50-0, DIN A 5, Softcover, Preis: 18,90 Euro, im örtlichen Buchhandel erhältlich. Lesungen folgen.

Lesen Sie jetzt