Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Europäer mit Dorsten als Heimat

Zum Tee bei

Als Europäer fühlen sie sich, sie reisen viel und sprechen diverse Sprachen. Doch die Heimat liegt für Nicole und Antoine Dubois in Östrich - bei ihrer Weinhandlung.

DORSTEN

von Fragen von Marion Taube

, 25.06.2012
Europäer mit Dorsten als Heimat

Antoine und Nicole Dubois: »Schneeweißchen und Rosenrot« heißt ihre Weinhandlung, Marion Taube kredenzte zum Gespräch den Tee dazu.

Offensichtlich landet man in Dorsten gerne der Liebe wegen. So erging es auch Antoine Dubois, der seine Nicole auf dem Hamburger Fischmarkt in den frühen Morgenstunden per Zufall kennen lernte und der als gebürtiger Franzose und Weltenbürger schließlich Heimat, Beruf und Berufung an der Lippe fand. „Schneeweißchen & Rosenrot“ heißt der Weinhandel in Östrich, den die Eheleute mit dem Charme überzeugter Europäer seit zwei Jahren zu einer kleinen feinen Adresse entwickeln.Antoine, Sie sprechen acht Sprachen und ein wenig Chinesisch, so für den „Hausgebrauch“, wie halten Sie Ihren Sprachfundus lebendig, oder geht in Ihrem Laden in Östrich die Welt ein und aus? Antoine Dubois: Sie meinen, wie es sich ausgerechnet hier lebt, wenn man doch an vielen Orten zu Hause sein könnte? Wunderbar, es ist schön mit Menschen in Kontakt zu treten, überall auf der Welt, auch hier. Sprache verbindet, die Liebe zu gutem Essen und Trinken verbindet. Und wenn sie ein gemeinsames Thema haben, wie wir hier die Freude an gutem Wein, dann sind Geschäft und Leben ganz nah beieinander. Nicole Dubois: Wir haben tatsächlich Kunden, die kommen auch, weil sie mit Antoine in ihrer Muttersprache über die richtige Auswahl an Weinen plaudern können, das sind neben den deutschen Landsleuten nicht nur Franzosen, Italiener oder Spanier, denen man eh eine Schwäche für Wein nachsagt, gerade Tschechen, Polen und Russen mögen auch diese persönliche, muttersprachliche Beratung bei uns.Antoine, wenn Sie über den Kern Ihres Geschäftes sprechen, leuchten Ihre Augen und wandern dabei ruhelos umher, als suchten Sie schon im Gespräch die nächste Quelle für eine gute Idee, sind Sie ein rastloser Geist? Antoine: Ich liebe Entdeckungen, ich bin ein Ideensammler, der ganze Handel mit Wein hat im Grunde so begonnen, mit Fragen, mit dem Interesse, etwas Besonderes ausfindig zu machen. Nicole und ich machten vor Jahren auf Sardinien Agritourismo-Urlaub und ich habe mich auf der Suche nach gutem Landwein einfach durchgefragt nach jemandem, der Wein in ausgesuchtem Maßstab herstellt, nur für sich, der noch nie verkauft hat, der aber Freude an seinem Winzerhandwerk hat. Und in Italien gibt es dann schnell direkt in der Familie einen Kontakt…einen Bruder, einen Cousin oder einen guten Freund, so hat alles begonnen. Ausgesucht und handverlesen und so ist es geblieben.Ist das Ihr Geschäftsmodell, auf die persönliche Suche zu gehen? Antoine: Im Grunde ja, alle paar Wochen packe ich meinen kleinen Koffer und meinen Laptop und verreise. Mitnehmen muss man nicht viel, man muss nur die richtigen Dinge und Partner finden und dann mit diesem „Surplus“ wiederkommen. Wir haben heute beispielsweise Weine aus der „Bodega del fin del mundo“, die tatsächlich so heißt: „Bodega vom Ende der Welt“, Weine aus Patagonien, aus Uruguay finden sie hier, gerade komme ich aus Australien und Neukaledonien zurück.Und Nicole, Sie halten die Stellung daheim und im Geschäft? Nicole: Die Familie ist wichtig, wir mögen es, dass die Kinder einen festen Ort haben, an dem sie zu Hause sind und einen von uns beständig um sich wissen. Auf Großeltern können wir ja auch nicht so einfach zugreifen wie andere, die sind selbst zumeist in Europa unterwegs.Die französische Oma in Paris, Ihre Eltern große Teile des Jahres in Spanien als zweite Heimat… Nicole: Genau, die Kinder wachsen gefühlt und sprachlich zwar als Europäer auf, sie wissen, dass sie Wurzeln und Familie außerhalb Dorstens haben, aber hier ist unsere „Homebase“, wenn man so will. Es soll Abende geben, da wird Antoine auch schon mal zum Troubadour und Ihr Geschäft transformiert sich sanft in ein Bistro de Paris. Antoine: Oui. Solche Abende sind absolut spontan, man kann es nicht vorhersagen, aber wir sind offen, es gibt an manchen Freitagabenden solche Stimmungen mit südländischem Flair, alles kommt dann zusammen, da greife ich schon mal zur Gitarre, Musik ist eine Leidenschaft von mir.Sie haben gerade ganz authentisch eine mongolische Weise angestimmt, als Sie von Ihrem Traumreisestopp in der Wüste Gobi erzählten, die Sie auf Ihren Reisen nach China immer passierten und sich einmal dort unten hinwünschten… Antoine: Ja, da habe ich für 48 Stunden in Ulan Bator Halt gemacht und es wahnsinnig genossen, Musik bringe ich mir von überall her mit nach Hause, wo immer ich hinkomme, was immer ich finde, die Musik des Landes, alt und modern, geht sicher mit mir zurück. (Seine Frau Nicole verdreht bestätigend die Augen und sichert mir zu, dass ich auf eine persönliche Bitte hin chinesische CDs zuhauf ausleihen könne). Nicole: Musik ist auch ein Teil der Atmosphäre bei „Schneeweißchen & Rosenrot“. Wenn es nach Antoine ginge, würden im Geschäft ständig französische Chansons zu hören sein (zwinkert ihrem Mann zu), aber wir mögen es insgesamt, dem Kunden kleine Besonderheiten angedeihen zu lassen, so dass man sich einfach wohl fühlt, entspannt Weine probieren und Köstlichkeiten entdecken kann, die zum Wein passen, die richtige Schokolade beispielsweise.Die Philosophie zu Ihrem persönlichen Weinangebot? Antoine: In jeder Flasche steckt Liebe – von der Rebe bis zur persönlichen Verbundenheit von Winzer und Produkt, das alles wollen wir als Genuss an unsere Kunden weitergeben. Wir gehen kurze Wege im Vertrieb und so kann ausgesucht guter Wein dazu noch absolut bezahlbar sein.

Antoine Dubois Eltern arbeiteten als Lehrer an französischen Schulen im Ausland, er wurde in Lyon geboren, wuchs aber multilingual im Libanon, dann in Tunesien, schließlich in Kanada auf, er hat bis auf einige Teile Südamerikas und Afrikas so ziemliche jedes Land dieser Erde bereist und lebt seit 2003 mit seiner Ehefrau und Geschäftspartnerin, der Hardterin Nicole Dubois, geb. Köpper, und den Kindern Nick (12) und Amelié (7) in Dorsten-Östrich. In ihrem Laden mit dem märchenhaften Namen kann man die eigenen Geschmacksnerven an 450 ausgesuchten Weinen und einigen feinen Delikatessen schulen.  

Lesen Sie jetzt