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Flexible Verkehrsregelungen erfordern modernste Technik

Ampeln in Dorsten

Obwohl für die zuständige Landes-Behörde eigentlich alles im grünen Bereich ist, sehen viele Dorstener Autofahrer beim Thema Ampeln rot. Wir sprachen daher mit einem neutralen Fachmann: Dirk Krüger vom ADAC Westfalen.

DORSTEN

von Von Klaus-Dieter Krause

, 17.08.2010
Flexible Verkehrsregelungen erfordern modernste Technik

Eigentlich nur ein relativ kurzes Stück Straße, aber dennoch oft ein Geduldsprobe: Erfahrungsgemäß kann es dauern, bis Autofahrer alle Ampelhürden auf dem Willy-Brandt-Ring zwischen Busbahnhof und Lippetor hinter sich haben.

Nein, auch in vielen anderen Städten gibt es immer wieder Beschwerden. Das verteilt sich gleichmäßig über das ganze Land. Je größer die Stadt, je komplexer die Verkehrs-Situation, desto häufiger haben Autofahrer den Eindruck, dass die Ampelschaltung völlig unzureichend ist.

Der ADAC geht bei seinen Grüne-Welle-Tests davon aus, dass es noch akzeptabel ist, wenn ein Viertel der Ampel rot leuchten. In der Hauptverkehrszeit kann es dazu noch schwieriger werden, Kreuzungen in einem Anlauf zu überqueren.

Wahrscheinlich kommen in ihrer Stadt auf der Hauptverkehrs-Achse viele Probleme zusammen. Die Fußgänger müssen ebenso berücksichtigt werden wie der Busverkehr. Wenn dann noch die Abstände zwischen den Knotenpunkten sehr gering sind und gerade noch 200 bis 250 m von Ampel zu Ampel betragen, dann wird es sehr schwierig oder sogar fast unmöglich bei starker Verkehrsbelastung in beiden Richtungen eine grüne Welle zu gewährleisten. Es geht darum, die Warte- und Haltezeiten insgesamt zu minimieren. Der einzelne Autofahrer nimmt dagegen meist nur seinen eigenen Fahrweg wahr. Freie Fahrt auf nur einer Strecke kann aber nicht das erklärte Ziel sein, wenn sich dadurch der Querverkehr unzumutbar staut.

Das stimmt, weil das dauernde Anfahren stets entsprechende Emissionen verursacht. Und auch volkswirtschaftlich fallen lange Wartezeiten als vertane, unproduktive Zeit ins Gewicht. Wir sollten deshalb alles tun, die Situation zu verbessern, auch wenn dies wegen hoher Fahrzeugzahlen und komplexer Verkehrsströme immer schwieriger wird.

Patentrezepte gibt es definitiv nicht, Schaltungs-Programme sind nicht von einer Stadt auf die andere übertragbar. Aber gegenwärtig nutzt beispielsweise die Stadt Münster ein neues Verfahren. Mit einem adaptiven Steuerungssystem und Hochleistungsrechnern wird der Verkehrsfluss flexibel geregelt. Hersteller und Wissenschaftler begleiten den Verkehrsversuch. Natürlich ist das auch eine Geldfrage. Die Stadt Münster investiert dafür eine siebenstellige Summe.

Um Verkehrs-Ströme durch die ganze Stadt flexibel zu regeln, braucht man eine extreme Rechnerkapazität und dazu die entsprechend anspruchsvollen Programme. Denn sobald man an nur einer Ampel etwas ändert, wirkt sich dies auf das gesamte Netz aus.

Nein, nach unseren Erfahrungen versucht die Behörde nicht generell, die Situation zu beschönigen. Aber mit einer Standard-Antwort: „Es ist alles in Ordnung“ wird nur die Unzufriedenheit geschürt. Natürlich haben Verkehrsteilnehmer oft eine subjektive Wahrnehmung. Was reibungslos funktioniert, wird als selbstverständlich empfunden, wenn es klemmt, prägt sich dagegen der Ärger ein. Allerdings sollte es so sein, dass die zuständige Behörde der Sache nachgeht, wenn sich die Klagen häufen. Überhaupt sollten die Ampelschaltungen regelmäßig auf ihre Tauglichkeit kontrolliert werden.

Ja, denn wenn Rasen belohnt wird, verleitet das dazu, schneller zu fahren. Wenn ich aus der Ferne sehe, dass die nächste Ampel noch grün ist, dann wird der rechte Fuß immer schwerer. Das Kunststück ist deshalb die richtige Progressions-Geschwindigkeit: Eine Ampelschaltung, die den Verkehr mit mittlerem Tempo durch die Stadt schleust. Nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam.

Dabei muss man ganz, ganz vorsichtig sein. Das Bewusstsein, freie Fahrt zu haben, kann manchmal zu flotter Fahrweise ermutigen. Und das zu Zeiten, wo mancher Verkehrsteilnehmer noch nicht richtig wach oder nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit unterwegs ist. An solchen Kreuzungen beobachten wir nach dem Ausschalten der Ampeln oft eine Zunahme gravierender Unfälle. Nicht unbedingt die Unfallzahlen wachsen, aber die Schwere der Unfälle: Wenn es kracht, dann kracht es richtig! 

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