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Folk-Legende Andy Irvine gefeiert

Seltenes Konzert

Die Irish-Folk-Legende Andy Irvine macht sich in Deutschland rar. Dementsprechend rasend schnell war der Konzertabend mit dem Musiker in der Petrinum-Aula ausverkauft.

DORSTEN

02.11.2014
Folk-Legende Andy Irvine gefeiert

Am Samstag war die Irish- Folk-Legende Andy Irwine zu Gast in der ausverkauften Petrinum-Aula.

Der Musikverein Dorsten, der Baumhaus-Verein und der Freundeskreis Newtonabbey hatten gemeinschaftlich einen Auftritt von Andy Irvine (72) möglich gemacht. Was dann geboten wurde, war begeisternd und gleichzeitig „hemdsärmlig“. Der berühmte Musiker, der den Irish Folk geprägt hat wie kaum ein Zweiter, kam daher in Jeans und – wie könnte es anders sein – in einem Revoluzzer-T-Shirt zum spanischen Bürgerkrieg, darüber eine braune Strickjacke.

Er präsentierte sich so, als ob wir ihn gerade überraschend zu Hause besuchen würden. Das freundliche Gesicht mit den kleinen, etwas trüben Augen war umrahmt von wuseligen grauen Locken und ein bisschen Filz am Kinn. Dieser Mann hat schon alles gesehen und er konnte ganz gelassen aus dem Vollen schöpfen.

Zu den meisten Stücken erzählte Andy Irwine in relativ klarem Englisch die Entstehungsgeschichte. Das erwies sich als sehr entspannend, weil der Zuhörer nicht mehr gezwungen war, sich nur auf den gesungenen – und manchmal genuschelten – Text zu konzentrieren, um alles zu verstehen. „Man wusste im Prinzip, worum es geht, und meinte dann auch das Entsprechende zu hören“, so beschrieb es eine Zuhörerin. So konnte man sich auch einfach zurücklehnen und die unglaublich virtuose Spielkunst von Andy Irvine bewundern.

Um ihn herum standen vier Instrumente: Zwei Mandolinen, eine Bouzouki, eine Gitarre. Oft spielte er dazu eine auch rhythmisch abgesetzte Stimme auf der Mundharmonika. Die Bouzouki ist eigentlich auf dem Balkan beheimatet und Irvine lernte sie 1966 auf einer ausgedehnten Reise durch den Südosten Europas kennen.

Von dort brachte er auch viele Spielweisen und Rhythmen mit, die seine Musik bis heute beeinflussen. Ab Anfang der 1970er-Jahre führte Andy Irvine die Bouzouki in den Irish Folk ein und sie avancierte bald zum prägenden Element seiner bekannten Gruppe „Planxty“ – und schließlich des ganzen Genres. Ebenso wie die Bouzouki wurden auch Mandoline und Gitarre elektronisch verstärkt und mit Hall versehen.

Da Irvine die Instrumente ständig wechselte, erlebte das Publikum auch die sehr verschiedenen Klangfarben – von sehr hart, hoch und metallisch – bis ganz weich, rund und tief. Thematisch ging es in den Songs von Andy Irvine um Alltagsituationen, besondere Persönlichkeiten oder überlieferte Märchen. Ein Song handelte von einer couragierten Frau, die sich als irische Migrantin in Amerika gegen die Ausbeutung von Minenarbeitern einsetzte.

Der Bergbau und seine harten Lebensbedingungen zogen sich wie ein roter Faden durch das Programm. Aber auch von dem Fabelwesen – halb Mensch / halb Fuchs – dessen Liebe zu einer schönen Frau zwangsläufig in einem Desaster endete, wurde erzählt. Und natürlich durften Sauf- und Liebeslieder nicht fehlen. Bei Woody Guthries Anti-Nazi-Song sangen viele im Saal mit: „All you fashists are bound to loose“. Fast nie schaute Andy Irwine sein Publikum an. Der introvertierte Meister spielte eigentlich für sich, aber das Publikum dankte ihm dennoch mit stehenden Ovationen.

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