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Gewalt in der Partnerschaft bleibt ungestraft

Schöffengericht Dorsten

Ein 24-jähriger Lembecker soll seine Freundin mehrfach misshandelt und aufs Übelste beleidigt haben. Obwohl die junge Frau einst Anklage erstattete, hat sie am Mittwoch vorm Dorstener Schöffengericht die Aussage verweigert. Was die Richterin ziemlich sauer machte.

Dorsten

, 14.03.2018
Gewalt in der Partnerschaft bleibt ungestraft

© Foto: dpa

Lisa Hinkers war sauer auf die junge Zeugin. „Wenn Sie weiter verhauen werden, dann beklagen Sie sich nicht über die Polizei oder die Justiz“, richtete die Vorsitzende Richterin des Dorstener Schöffengerichts klare Worte an das Opfer. Denn obwohl die Frau bei der Polizei Anzeige gegen ihren Freund wegen Gewalt in der Partnerschaft erstattet hatte, verweigerte sie am Mittwoch (14.3.) im Gerichtssaal die Aussage. Das Recht dazu hatte sie: „Ich bin nämlich seit Sommer mit ihm verlobt“, erklärte sie.

Schwangere Frau misshandelt

Deshalb musste der 24-jährige Lembecker, der auf der Anklagebank saß, freigesprochen werden. Er hatte sich nicht zu den Vorwürfen geäußert. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll er seine Freundin zwischen Oktober 2016 bis April 2017 mehrfach misshandelt und aufs Übelste beleidigt haben. So soll er die seinerzeit schwangere Frau im Kinderzimmer ihrer Tochter gegen den Kleiderschrank gedrückt, an den Haaren gezogen und in den Unterleib geschlagen haben. Ihr Handy habe er gegen die Wand geschleudert, um zu verhindern, dass sie ihre Mutter anrufen konnte.

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An anderen Tagen soll er die Frau mit Boxschlägen gegen die Oberarme malträtiert und ihr die Faust ins Gesicht geschlagen haben. Zudem habe er der Freundin und ihrer Tochter Geld entwendet.

Zusammenbruch

Beim Prozessauftakt vor ein paar Wochen hatte die 24-Jährige gefehlt. „Sie hat einen totalen psychischen Zusammenbruch gehabt“, erklärte damals ihr Hausarzt. Als Zeugin sei sie „nicht vernehmungsfähig“. Und dieses Mal war sie nicht vernehmungswillig. „Wenn, dann erzähle ich nur ein bisschen“, sagte sie aus. „Entweder die ganze Wahrheit oder gar nicht“, entgegnete die Richterin der Zeugin.

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Die Vorwürfe gegen den 24-Jährigen seinen im Übrigen kein Einzelfall, hieß es im Gericht. Gegen den Lembecker laufe noch ein Familiengerichtsverfahren wegen des Vorwurfs der häuslichen Gewalt.

Richterin Lisa Hinkers erklärte abschließend in der Urteilsbegründung, sie sie dafür, dass das Zeugnisverweigerungsrecht bei einem Verlöbnis eigentlich abgeschafft gehöre. Sie sagte: „Ich sehe hier ja nicht mal einen Verlobungsring am Finger.“

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