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Maifisch soll Lebensraum Lippe zurückerobern

Nach Renaturierung

Nur wenige Menschen unserer Zeit haben ihn je gesehen. Doch noch im 19. Jahrhundert war der Maifisch weit verbreitet – und auf dem Speisezettel der damaligen Zeit auch. Der beinahe ausgestorbene Süßwasserfisch soll nun wieder in Scharen in unserer Region auftauchen. Jungfische werden kommende Woche in der Lippe ausgesetzt.

DORSTEN

12.06.2012
Maifisch soll Lebensraum Lippe zurückerobern

Ein ausgestopfter, ausgewachsener Maifisch neben einem Glas mit jungen Maifischen, die in den Rhein bei Düsseldorf ausgesetzt werden sollen. Im Rahmen des europäischen Naturschutzprogramms "LIFE" bemühen sich die Landesumweltämter von Nordrhein-Westfalen und Hessen um die Wiederansiedlung der Maifische im Rhein und seinen Zuflüssen.

Im Rahmen des Life-Plus-Programms der EU zur Wiederansiedlung des Maifisches im Rhein-System und zum Schutz der Restbestände der Art im südfranzösischen Girondegebiet werden in der kommenden Woche erstmals junge Maifische in der Lippe ausgewildert. Seit einigen Jahren wird in einem vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW und vom Rheinischen Fischereiverband von 1880 gemeinsam geleiteten Projekt die Wiederansiedlung der Art im Rhein vorangetrieben, der Lippeverband unterstützt die Besatzmaßnahmen. Welche Stelle für das Aussetzen der Jungfische am besten geeignet ist, wird kurzfristig noch festgelegt. Voraussetzung ist: Im Umfeld der „Besatzstelle“ sollte es Kiesbänke geben – wie an den typischen Laichplätzen dieser Art. Dafür eignet sich besonders der Lippeabschnitt zwischen Haltern-Lippramsdorf und Krudenburg im Kreis Wesel.

Der Lippeverband hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur für eine Verbesserung der Wasserqualität durch den Ausbau von Kläranlagen gesorgt. Auch die Beseitigung von Wanderhindernissen und der Bau von Fischaufstiegen an Wehren sowie umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen haben inzwischen wieder günstige Bedingungen für anspruchsvolle Fischarten geschaffen, darunter auch Wanderfischarten wie den Maifisch. Die Fischlarven bzw. Jungfische werden einige Stunden an der Lippe in sogenannten Rundstrombecken verbringen, wo sie sich geschützt an die neuen Bedingungen anpassen können, bevor sie in den Fluss entlassen werden. Im Laufe des Sommers und Herbstes wandern die Fische dann erst zum Rhein und von dort ins Rheindelta ab. Von dort aus werden sie bis zum Winter ins Meer übersiedeln. Wenn die Maifische all dies erfolgreich bewältigen und nach drei bis fünf Jahren Aufenthalt im Meer geschlechtsreif werden, kehren sie in den Rhein und hoffentlich auch in die Lippe zurück, um sich natürlich fortzupflanzen.

Der Maifisch (lat. Alosa alosa) zählt zu den heringsartigen Fischen, dringt jedoch anders als seine Verwandten und ähnlich wie der Lachs weit in die Flüsse vor, um sich dort an kiesigen Flussabschnitten fortzupflanzen. Dies geschieht bei Wassertemperaturen von etwa 15°C und mehr, wie sie bei uns im Frühjahr erreicht werden. Während der Laichwanderung zwischen April und Juni war der Fisch einst eine begehrte Beute der Rheinfischer und die Fische wurden vor allem im Mai, hierher rührt der deutsche Name, in vielen Gasthäusern angeboten. Jährlich stiegen hunderttausende Maifische vom Rhein in seine Zuflüsse auf, darunter ursprünglich auch in die Lippe. Allein in den Niederlanden wurden Ende des 19. Jahrhunderts jährlich bis zu 250 000 Maifische gefangen und verkauft.

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