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Motorradfahrer fürchtete auf der A 31 um sein Leben

Verfahren eingestellt

Es war ein riskantes Fahrmanöver, bei beim es um Zentimeter ging. Ein Nachspiel hatte der A 31-Vorfall jetzt am Weseler Amtsgericht.

Schermbeck/Wesel

von Von Berthold Fehmer

, 19.06.2012

Mit hoher Geschwindigkeit zog ein 26-jähriger BMW-Fahrer aus Nordhorn am 26. November 2011 an einem Motorradfahrer auf der linken Spur der A 31 zwischen Lembeck und Schermbeck vorbei. „Der hätte mich so von der Bahn geschossen, da wäre nicht mehr viel über geblieben“, sagte der Motorradfahrer vor Gericht.

Zwischen 180 bis 200 Stundenkilometer soll der BMW-Fahrer bei dem Überholvorgang schnell gewesen sein. „Ich fahre seit 33 Jahren Motorrad“, so der 51-jährige Versicherungskaufmann und Harley-Davidson-Fahrer vor dem Weseler Amtsgericht. Da habe es schon öfter Gelegenheiten gegeben, in denen Leute dicht aufgefahren seien. Zum ersten Mal habe er sich nun aber zu einer Anzeige entschlossen: „Zehn Zentimeter nach links und ich wäre tot gewesen. Beim nächsten Mal ist einer tot!“ Wie es genau an dem Tag zu der Situation gekommen war, darüber gab es fast ebenso viele unterschiedliche Aussagen wie Zeugen. Zwischendurch ließen sich Richter, Staatsanwalt und Rechtsanwalt die Verkehrssituation sogar zeigen, wobei Bonbons als Fahrzeugmodelle eingesetzt wurden. Auch der Angeklagte hatte seine eigene Sicht der Dinge: Der Motorradfahrer sei schon zuvor hinter einem Fahrzeug nach links ausgeschert, ohne zu blinken. Der 26-Jährige habe darauf eine Vollbremsung eingeleitet, die auch von seiner Freundin bestätigt wurde, die auf dem Beifahrersitz saß. Sie sagte auch aus, dass der Motorradfahrer kurze Zeit später wieder auf die linke Spur gezogen sei, ohne Grund und ohne zu blinken. Nach dem Überholvorgang habe der Mann ihnen sogar den Stinkefinger gezeigt.

„Dann sitzt ja hier der falsche auf der Anklagebank!?!“, so der Richter zweifelnd. Denn zuvor hatten zwei Zeugen die Sicht des Motorradfahrers bestätigt. Wie knapp es wirklich gewesen sei, darauf wollten beide sich nicht festlegen, weil sie 150 bis 200 Meter hinter dem Angeklagten und Kläger fuhren. „Ich bin überzeugt, dass das Fahrmanöver nicht in Ordnung war. Ob es ganz so gefährlich war, kann ich nicht sagen“, fasste der Richter seinen Eindruck des Gehörten zusammen. Gegen eine Geldstrafe von 1300 Euro wurde das Verfahren eingestellt. Der BMW-Fahrer bekommt keine zusätzlichen Punkte in Flensburg und kann auch seinen Führerschein behalten.