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Musikwoche fand ein überragendes Ende

WULFEN Es ist erstaunlich, wie sich in einem Stadtteil von Dorsten eine fast elitäre Kulturinsel gebildet hat, die sich der klassischen Musik widmet. Das Chorkonzert im Gemeinschaftshaus Wulfen am Samstagabend war eine erneute Bestätigung dafür.

von Von Volker Wiltberger

, 11.08.2008
Musikwoche fand ein überragendes Ende

Wolfgang Endrös, Leiter der Wulfener Musikwoche.

Seit einigen Jahren bemüht sich Wolfgang Endrös, Domkantor am Dom in Essen, um interessante Chorprojekte, die im Verlauf einer Woche ihre Aufführung erfahren. Das Thema dieses Jahres galt der Romantik und darin gezielt Goethes Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ mit der weiblichen Hauptfigur Mignon. Das Konzert am Samstagabend ergänzte mit weiteren Beispielen romantischer Chormusik.

Noch bedurfte es im Eingangschor vor allem der akustischen Orientierung des Raumes. Dafür boten die „Liebeslieder“ op. 52 von Johannes Brahms weit gestreute Möglichkeiten. Die ständige Reihung von kontrastierenden Walzern lösten und fesselten zugleich beim Zuhören wie beim Singen. Dabei unterstützten die vierhändig musizierenden Pianisten intensiv und leidenschaftlich.

Die folgenden „Vier Gesänge“ für Frauenchor op. 17 steigerten das Zuhören ganz besonders durch die Teilnahme von zwei Hörnern und der Harfe, ein außergewöhnliches Klangerlebnis. Damit eröffnete sich ein melodischer Reichtum romantischer Chormusik. Der Frauenchor unter der Leitung von Patrik Jaskolka entschlüsselte behutsam den Reiz dieser selten zu hörenden Komposition mit großem Erfolg.

In der Auslotung romantischer Chormusik nimmt die „Rhapsodie“ für eine Altstimme, Männerchor und Orchester op.53 von Johannes Brahms einen hohen Stellenwert ein. Die Textvorlage Goethes wurde von Brahms aus dem „Menschenhass“ mit der Bitte an den „Vater der Liebe“ nachvollzogen und zu einer ebenso außergewöhnlichen Komposition umgewandelt.

Diesem hohen Anspruch verpflichtete sich der Männerchor mit dem Orchester und der solistisch führenden Altstimme von Christina Hackel. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fand sie sich sehr bald in die Expressivität der Komposition ein und inspirierte damit den ausgeglichenen Klang des Männerchors. Ihn ergänzend, ja tragend, fügte sich das vorzüglich musizierende Orchester, die „Russische Kammerphilharmonie“, ein. Dennoch erwiesen sich die akustischen Raumprobleme nicht gerade als förderlich für ein sensibles Hörerlebnis. Kompositorische Prozesse blieben hier wie auch in den weiteren intrumentalbesetzten Werken ein akustisches Problem.

Im zweiten Teil des Konzerts erinnerte das „Requiem für Mignon“ op. 98b von Robert Schumann an die zentrale Romanfigur Mignon, deren früher Tod entsprechend der literarischen Vorlage Goethes eine höchst sensible Betrachtung gewidmet war. Im harmonischen Miteinander von Bariton, mit klarer Stimmführung von Harald Marthini, vom Chor und vom sicher musizierenden Orchester blieb dennoch ein Nachdenken über die akustischen Probleme.

Mit der Vertonung von Schillers „Nänie“, nach einer römischen Totenklage von Johannes Brahms, verabschiedete sich der gemischte Chor und die Russische Kammerphilharmonie, indem sie unter ihrem souverän führenden Dirigenten Wolfgang Endrös einen glanzvollen Schlusspunkt setzten. Der langanhaltende Beifall war geradezu stürmisch.

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