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Schulpsychologin sucht mit Eltern und Lehrern Lösung

Interview

174 Kinder wurden im Schuljahr 2010/2011 insgesamt in der Schulpsychologischen Beratungsstelle der Stadt Dorsten angemeldet. Über diese und andere im neuen Statistischen Jahresbericht ausgewiesenen Kennwerte sprach Anke Klapsing-Reich mit der Leiterin der Beratungsstelle, Diplompsychologin Martina Goerigk.

DORSTEN

von Fragen: Anke Klapsing-Reich

, 19.06.2012
Schulpsychologin sucht mit Eltern und Lehrern Lösung

Martina Goerigk leitet seit vier Jahren die Schulpscchologische Beratungsstelle.

Wir unterscheiden zwischen Anmeldungen zum Thema „individuelle Förderung“, „Verhaltensschwierigkeiten“ und „Klassensituation/Lehrerberatungen“. Bei knapp der Hälfte der angemeldeten Kinder bestanden Schwierigkeiten in den Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen. Wir registrieren zwar auch einen Zuwachs im Bereich sozialer Probleme und Verhaltensauffälligkeiten, aber ich warne vor Pauschalurteilen: Der Grund dafür liegt sicher auch daran, dass die Gesellschaft den Fokus verstärkt auf dieses Feld richtet, und das ist gut so. Ohne eine wissenschaftliche Studie zu diesem Thema, sollte man darüber keine voreiligen Schlüsse ziehen.

Uns war es wichtig, von Anfang an mit Eltern und Lehrern gemeinsam in den Beratungsprozess einzusteigen. Beide müssen einen Fragebogen ausfüllen. Wir brauchen auch die Sicht des Lehrers, um die Problemsituation für das Kind erfassen zu können. Ein weiterer Vorteil liegt in der besseren Prioritätensetzung: Durch die schriftliche Anmeldung können wir in dringenden Fällen, bei denen die Kinder einer größeren psychischen Belastung ausgesetzt sind, schneller einen Termin einräumen, als weniger dringenden. So bekommt beispielsweise der Mobbingfall Vorrang vor der Lese-Rechtschreib-Schwäche.

Vielleicht eine Handvoll. Aber das ist wirklich ein zu vernachlässigender Bruchteil. Die meisten verstehen ja den Hintergrund für diese Maßnahme: Unsere Beratungsstelle ist keine Reparaturwerkstatt, in der man Schulkinder abgibt, die der Psychologe wieder hinbiegt. Wir steigen gemeinsam in einen Prozess ein und dazu braucht es Lehrer, die zur Kooperation bereit sind. Nur wenn die Lehrkraft bereit ist, von ihrer meist ohnehin knappen Zeit ein Stück in die Beratungsarbeit zu investieren, kann diese auch erfolgreich sein.

Derzeit ist ein Termin innerhalb von zwei, drei Wochen zu vereinbaren. Es gibt aber auch Stoßzeiten, wie Elternsprechtage oder die bevorstehende Zeugnisvergabe – da muss man schon einmal mit Wartezeiten von sechs bis acht Wochen rechnen.

Nein. Ich führe diese Statistik, halte sie aber für wenig aussagekräftig. Diese Zahlen sagen nicht „Oh, da läuft es aber schlecht!“, sondern im Gegenteil: Sie können durchaus auch darauf hinweisen, dass die betreffende Schule rege ist und genau hinschaut.

Ja, sogar eine deutliche. Psychologische Arbeit lässt sich nicht in starren Kategorien abbilden. Wir arbeiten mit Diagnostik, setzen standardisierte Testverfahren ein, wir beobachten den Schüler, machen Schulbesuche. Dabei lassen wir uns leiten von dem Kernsatz: „Was möchtest du erreichen? Wir begleiten dich dabei.“ Es kann nicht heißen: „Was hast du für ein Problem? Ich sage dir, wie es richtig geht.“

Therapeutisch können wir nicht arbeiten. Bei Grenzfällen ziehen wir andere Institutionen hinzu, mit denen wir zusammenarbeiten.

Wir werden den Sektor der Systemberatung weiter ausbauen und die Zusammenarbeit mit Lehrkräften intensivieren. Nur so lassen sich die ohnehin knappen Ressourcen effizient nutzen.

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