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Statt Grüner Welle sehen die Autofahrer häufig Rot

Testfahrt durch Dorsten

DORSTEN Gefühlt steht man als Autofahrer in Dorsten länger als man fährt. Aber stimmt diese These wirklich? Wir machen den Test. Und was sagen Sie zu den Ampelphasen in Dorsten? [Mit Formular]

von Von Berthold Fehmer

, 06.08.2010
Statt Grüner Welle sehen die Autofahrer häufig Rot

Mit einer Minute und 17 Sekunden Wartezeit stellt die Ampel am Gemeindedreieck den Autofahrer auf harte Geduldsproben.

Und starten auf der Gahlener Straße an der Kreuzung zur Bestener Straße. Mit Stoppuhr und Block bewaffnet wollen wir testen, wie lange man bis zum Ortsausgangsschild Richtung Marl braucht und wie viele rote Ampeln auf dem Weg dorthin lauern. Bereits nach 28 Sekunden wird unsere Fahrt an der Plaggenbahn unterbrochen: Die Ampel zeigt Rot. Nach weiteren unfreiwilligen Pausen an Alleestraße und Voßkamp stehen wir vor dem Willy-Brandt-Ring. Im Stau. Die Ampel steht auf Grün, aber nichts geht, weil die Kreuzung völlig verstopft ist. Nach mehr als eineinhalb Minuten Warten fahren wir auf den Ring, 34 Sekunden später halten wir für neun Sekunden an der Gelsenkirchener Straße, nach neun Sekunden Fahrtzeit bremsen wir wieder für 23 Sekunden an der Kreuzung Bochumer Straße. Bis zum Ortsausgangsschild an der Marler Straße können wir durchfahren. Fazit: sieben rote Ampeln, 172 Sekunden Wartezeit bei 249 Sekunden Fahrtzeit. Ein Verhältnis von 40 zu 60. Länger als eine Minute und 20 Sekunden sind wir in dieser Zeit nicht durchgefahren. 3,6 Kilometer im Stop-and-Go. Das klingt nicht nur nervig, das ist es auch. Aber es geht noch schlimmer: Wer von Norden nach Süden durch Dorsten will, also von Wulfen kommend ab dem Ortseingangsschild An der Wienbecke bis zum Ortsausgangsschild der Kirchhellener Allee fährt, schafft auf 3,6 Kilometern nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 24,8 Kilometern pro Stunde. Zumindest geht uns das bei unserem Test so. In einer Tempo-30-Zone wären wir bei grüner Welle schneller unterwegs gewesen. 292 Sekunden Fahrtzeit stehen 229 Sekunden Wartezeit gegenüber (besonders lang am Gemeindedreieck: 77 Sekunden). Ein Verhältnis von 44 zu 56 Prozent. Ebenso ermüdend ist die Route vom Ortseingang Gahlener Straße bis zum Ortsausgang Wienbecke. Für vier Kilometer braucht man fast zehn Minuten – 254 Sekunden, mehr als vier Minuten, verbringt man davon vor roten Ampeln.Außerhalb der Ferienzeit wäre interessant Die Eingangs-These, dass man auf Dorstens Straßen mehr steht als fährt, können wir nach unserem Test demnach so nicht mehr halten, wenngleich das Ergebnis knapp ausgefallen ist. Interessant wäre, ob ein solcher Test außerhalb der Ferienzeit zum gleichen Ergebnis kommen würde. Doch es gab auch noch andere interessante Details, die wir natürlich nicht verschweigen wollen. Da wir während der Fahrten natürlich die Verkehrsregeln eingehalten haben, fiel uns eine besonders ärgerliche Stelle auf. Wer über die Kanal- und Lippebrücken Richtung Wulfen fährt, am Gemeindedreieick halten musste und dann an der Eisenbahnbrücke auf der Bismarckstraße die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer fährt, bekommt anschließend an der Kreuzung Grüner Weg eine rote Ampel serviert. Herzlichen Dank! Zweite Erkenntnis: Die längste Zeit, die wir an diesem Nachmittag ohne Unterbrechung fahren dürfen, beträgt zwei Minuten und eine Sekunde: Die sind allerdings dem Traktorfahrer vor uns geschuldet, der sich als ehrenamtlicher Stauführer auf der Marler Straße betätigte.Paradiesische Tour von Hervest nach Holsterhausen Geradezu paradiesisch ist übrigens für Autofahrer die Tour von Hervest durch Holsterhausen. Zumindest, als wir diese Route austesten. Über die Halterner Straße fahren wir vom Harsewinkel aus bis zum Ortsausgangsschild auf der Borkener Straße. Und stehen dabei „nur“ vier Mal an einer Ampel. In Bottrop würden die Autofahrer den zuständigen Verkehrsplaner dafür wahrscheinlich lynchen. Aber nach ständigem Bremsen, Beschleunigen, Bremsen fühlt sich diese Strecke für uns fast schon an wie eine grüne Welle, wir kommen auf ein Verhältnis zwischen Wartezeit und Fahrtzeit von 30 zu 70 Prozent Fahrtzeit. So fühlt sich Freiheit an. In Dorsten.Eine der sechs getesteten Routen:  

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