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Versteckspiel mit Verwirrungen

LEMBECK „Bunbury“ ist eine Komödie aus der Feder Oscar Wildes um eine Hauptperson die es eigentlich gar nicht gibt. Erfunden von den Darstellern um in eine fremde Identität zu schlüpfen

von Von Ralf Pieper

, 14.08.2008
Versteckspiel mit Verwirrungen

Oscar Wildes "Bunbury" spielte im statt vor dem Schloss

Der Name dieser Person: Ernst. Wie es sich für eine Komödie gehört führt diese Versteckspiel zu aberwitzigen Verwirrungen. Dieser Theater-Klassiker wurde vom Ensemble der „Kleinen Bühne 74“ in den Räumen des Standesamtes auf Schloss Lembeck präsentiert.

Ursprünglich war eine Open-Air-Aufführung auf der Schlossterrasse geplant, aber da Oscar Wilde in seiner Vorlage ein Schauspiel unter Regenschirmen nicht vorsah, zwang das Wetter zur kurzfristigen räumlichen Umplanung. Mit einigen Minuten Verspätung startete ein Komödie die mit ihren Wirrungen und Sprachwitz dem Zuschauer einiges abverlangte.

John Worthig entflieht dem langweiligen Landleben in die aufregende Großstadt unter dem Vorwand, sich um seinen Bruder kümmern zu müssen. Diese erfundene schwarze Schaf der Familie ist niemand anderes als er selbst, der als Ernst ein fröhliches Doppelleben führt. Der großstädtische Gentleman Algernon Moncrieff entkommt seinen Verpflichtungen, indem er zu seinem gleichfalls erfundenen Freund Bunbury aufs Land fährt, wo er seinerseits als Ernst auftaucht.

Die beiden jungen Damen Cecily und Gwendolen verlieben sich in real existierende Männer nur wenn sie Ernst heißen, was ihnen das Gefühl von Verlässlichkeit und Sicherheit gibt – aber der Auserwählte darf auf keinen Fall ernst sein. Die Handlung schlägt Purzelbäume, das Publikum lacht und applaudiert

„Ernst ist tot, ich hoffe er zieht eine Lehre daraus.“ Die Darsteller setzen den Wortwitz der Oscar Wilde-Vorlage gekonnt um. Alles dreht sich um Ernst zu heißen, Ernsthaftigkeit zu vermitteln aber bloß nicht ernst zu sein. Ein Feuerwerk an Geist, Witz, Bosheit und Sarkasmus aus der Feder eines scharfsinnigen Rhetorikers des vorigen Jahrhunderts. Der Doppelmoral des 19. Jahrhunderts wird der Spiegel vorgehalten und auch in unsere heutige Gesellschaft ist das Thema durchaus übertragbar.

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