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Zum Schulausflug im August '89 nach Ost-Berlin

Karl Werner Dickhöfer

Für Karl Werner Dickhöfer beginnt die Erinnerung an den Mauerfall schon im August 1989. Damals war der heute 76-Jährige als Lehrer der Gerhart-Hauptmann-Realschule für einen Tagesausflug in Ost-Berlin, die Abschlussfahrt der 10. Klassen stand an.

HOLSTERHAUSEN

, 04.11.2014
Zum Schulausflug im August '89 nach Ost-Berlin

Karl Werner Dickhöfer war nicht nur als Lehrer regelmäßig in Ost-Berlin.

"Mir war es wichtig, dass die Schüler die Situation dort kennenlernen", sagt er. Es war in doppelter Hinsicht ein besonderer Zeitpunkt. Zum einen lief ein Exodus von DDR-Bürgern, die über Ungarn in den Westen flüchteten oder wahlweise BRD-Botschaften besetzten und so ihre Heimat verließen. Zum anderen liefen die Vorbereitungen für den 40. Jahrestag der nur noch dahinsiechenden DDR auf Hochtouren.

Dickhöfer rechnete bei der Einreise von West- nach Ost-Berlin schon mit stundenlangen Wartezeiten. Doch als die Gruppe aus Dorsten den 40. Geburtstag der DDR ansprach, ging es quasi unter Geleitschutz über den Bahnhof Friedrichstraße in den Osten, wo auch Referate auf dem Tagesprogramm standen. Schließlich fragten sich die Jugendlichen aus dem Westen, wie die Schulen in der DDR mit den großen Lücken in den Klassenzimmern umgehen, die durch die zahlreichen Fluchten allerorten entstanden sind.

Für Dickhöfer jedenfalls war es nicht der erste Besuch in Berlin, 1957 war er zum ersten Mal in der damals noch nicht geteilten Stadt, 1961 ist er durch das Brandenburger Tor spaziert. Wenige Wochen später stand die Mauer. Der ehemalige Lehrer für Biologie und Erdkunde nahm vor allem in den 80er-Jahren seine Abschlussklassen regelmäßig mit nach Berlin, Tagesausflüge in den Osten inklusive.

Oft genug haben er und seine Schützlinge quälend lang an der Grenze stehen müssen, teilweise wurde auch nur ein einziger Schüler aus der gesamten Gruppe genauer untersucht. "Diplomatisches Geschick" sei immer wieder nötig gewesen, um die Volkspolizisten für die Durchreise zufriedenzustellen, sagt Dickhöfer.

Bevor es jedoch in die DDR ging, mussten Lehrer wie Schüler zunächst einmal Geld in die Hand nehmen. Im August 1989 musste jeder West-Besucher 25 DM eintauschen, allerdings im Verhältnis 1:1 und nicht 1:4, was dem reellen Kurs der Währungen entsprochen hätte. Nur ausgeben konnten die Schüler das Geld nicht. Die Einkaufsmöglichkeiten waren miserabel, und vor den wenigen annehmbaren Cafés und Restaurants musste man sich lange anstellen, um einen Platz zu erhalten. Trotz allem: "Wir haben den Schülern immer gesagt, dass sie vernünftig essen gehen sollen", so Dickhöfer. Auch wenn es nur ein Snack an der Imbissbude war. Meistens jedoch – so wie in jenem August 1989 – blieben die Schüler auf ihrem Geld sitzen. Weil ein Rücktausch an der Grenze der DDR nicht vorgesehen war, entschloss sich die Gruppe dazu, das Geld einfach zu verschenken. An Kinder aus Ost-Berlin. 

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