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77-Jährige will jungem Täter das Handwerk legen

Raubüberfälle auf Senioren in Bövinghausen

Ein Junge versucht, eine ältere Dame in Bövinghausen zu bestehlen. Die 77-Jährige ist empört. Über die dreiste Tat – aber auch über Leidensgenossinnen, die sie viel zu bequem findet. Bei Raubüberfällen appelliert sie an die Senioren: „Wehrt euch!“

Bövinghausen

, 19.02.2018
77-Jährige will jungem Täter das Handwerk legen

Inge Sträter ist empört: Ein Jugendlicher hat versucht, ihr mitten am Tag Wertsachen zu entwenden. © Irene Streiner

Inge Sträter ist empört: Ein Jugendlicher hat am Samstagmittag auf offener Straße versucht, sie zu berauben. Passiert ist es an der Kreuzung Bövinghauser Straße/Provinzialstraße. „Ich wollte einen Spaziergang machen und bin über die Fußgängerampel gegangen. Da habe ich gemerkt, dass da was an meiner Jacke gezogen hat.

Als sie sich umdreht, steht da dieser Junge, schlank, Kapuze über dem Kopf und versucht, in ihre Jackentasche zu greifen. Inge Sträter erschrickt kurz und wird dann böse: Sie wehrt sich, der Junge lässt ab und flüchtet über die Erdestraße in Richtung Bennostraße. Beute macht er nicht. „Ich hatte ja auch gar kein Geld bei mir“, sagt Inge Sträter.

77-Jährige will jungem Täter das Handwerk legen

Auf diesem Fußgängerüberweg an der Kreuzung mit der Bövinghauser Straße hat der jugendliche Räuber versucht, die Jackentasche zu öffnen und gegebenenfalls Wertsachen zu entwenden. © Irene Steiner

Ein Unbekannter ist der Junge für die Leute im Bövinghauser Dorf nicht. Auf dem Weg zum Ort des Überfalls begegnen Inge Sträter und unserer Reporterin Annegret Bauer. Beide Frauen kennen sich schon lange, gehören zur Frauenhilfe der Christusgemeinde. Allein sie wissen von sechs ähnlichen Angriffen auf ältere Damen, einmal wurde einer Frau mit Rollator an der Titaniastraße ein Schminktäschchen aus der Jackentasche gestohlen, ein anderes Mal eine Seniorin auf dem Friedhof angegriffen.

Man ist sich einig: „Das ist immer derselbe.“ 13 Jahre alt soll er sein, schlank, schmales Gesicht. Die Beschreibung passt auf den Jungen, der am Donnerstagmorgen der vergangenen Woche versucht hat, einer 86-Jährigen die Handtasche zu entwenden. Auch diese ältere Dame wehrte sich, stürzte und verletzte sich leicht, die Polizei bittet unter Tel. (0231) 132-7441 um Hinweise, vor allem von den Insassen eines weißen Lieferwagens, die der Frau halfen.

Inge Sträter fackelte nach dem Angriff ebenfalls nicht lange. Sie rief die Polizei an, ein Streifenwagen kam zu ihr nach Hause und nahm eine Anzeige auf.

Briefe an die Behörden

Sie selbst hat minutiös mit der Hand aufgeschrieben, was passiert ist, ihre Tochter wird das als Brief in den Computer schreiben. Drei Umschläge - an den Polizeipräsidenten, an den Leiter des Amtsgerichtes und an den Leiter des Jugendamtes (alle mit dem Zusatz „persönlich“) - liegen fertig adressiert bereit.

Denn Inge Sträter will mehr. Sie will, dass dem Jungen das Handwerk gelegt wird. Denn für die Leute im Dorf ist klar: Es ist immer derselbe. Man hat sogar eine Ahnung, wo er lebt. „Wenn die Eltern überfordert sind, dann muss sich doch das Jugendamt einschalten“, meint Inge Sträter.

77-Jährige will jungem Täter das Handwerk legen

Minutiös und sehr ordentlich hat Inge Sträter aufgeschrieben, was ihr passiert ist. Mit Briefen will sie die Behörden alarmieren und dafür sorgen, dass dem jugendlichen Täter das Handwerk gelegt wird. © Irene Steiner

Von einem Intensivtäter in Bövinghausen weiß die Pressestelle der Polizei indes nichts. Lediglich der Raubversuch am Donnerstag und eben der vom Samstag seien in diesem Bereich aktenkundig, sagt Polizeisprecher Ben Freigang. Inge Sträter indes kämpft an zwei Fronten. Nicht nur dem mutmaßlichen Übeltäter will sie das Handwerk legen. Auch ihren Altersgenossinnen, die sich scheuen, in so einem Fall die Polizei anzurufen, will sie ins Gewissen reden.

Am Mittwoch trifft sich wieder die Frauenhilfe der Christusgemeinde. Und da will Inge Sträter an ihre Freundinnen und Bekannten appellieren, sich zu wehren: Anzeige erstatten sei das Wichtigste. „Wir müssen doch dafür sorgen, dass das aufhört. Es kann doch nicht sein, dass man Angst haben muss, spazieren zu gehen“, sagt Inge Sträter. Hat sie persönlich nicht, will sie aber auch nicht bekommen.

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