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Aktivisten besetzen alte Kirche

Pläne für soziales Stadtteilzentrum

Das hat es in Dortmund lange nicht mehr gegeben: Etwa 50 Personen haben laut Polizei in der Nordstadt ein leer stehendes Gebäude besetzt - die Albertus-Magnus-Kirche. Die Polizei war anfangs ratlos: "Die Besetzer sprechen nicht mit uns." Jetzt steht fest: Eine junge Initiative hat an der Enscheder Straße etwas Besonderes vor.

DORTMUND

, 23.08.2014
Aktivisten besetzen alte Kirche

"Besetzt": Die Albertus-Magnus-Gemeinde gehört zum Pastoralverbund Nordtstadt. Eine Initiative hat die 2007 entweihte Kirche besetzt und will ein soziales Stadtteilzentrum aufbauen.

  • 2007 entweihte Albertus-Magnus-Kirche in der Enscheder Straße von Gruppe besetzt.
  • Stadt lässt Pläne für ein Stadtteilzentrum in der Nordstadt fallen.
  • Jetzt wollen Besetzer ein soziales Stadtteilzentrum aufbauen.
  • Katholische Kirche will Grundstück und Gebäude verkaufen. Vier Interessenten.
  • Fassade unter Denkmalschutz. Neue Eigentümer würden Gebäude abreißen.
  • Situation in der Enscheder Straße absolut friedlich.
  • Kirchen-Besetzer und Pfarrer im Dialog. Die Kirche wird keine Anzeige gegen die Besetzer erstatten.

Aktualisierung 14.27 Uhr: Die Besetzer dürfen eine Woche in der Kirche bleiben. Darauf haben sich Vertreter der katholischen Kirche und der Aktivisten geeinigt, teilte die Polizei Dortmund mit. Die Kirche werde auch auf Strafanzeigen gegen die Besetzter verzichten, heißt es in der Pressemitteilung.  Die Mahnwache von Sympathisanten der Besetzer ist gegen 12 Uhr beendet worden. Aktualisierung 11.44 Uhr: "Die Polizei ist wieder abgezogen", berichtet Pfarrer Ansgar Schocke nach einem Gespräch mit den Kirchenbesetzern. Die Kirche werde keine Strafanzeige gegen die Hausbesetzer stellen. "Ich habe mit drei Mitgliedern der Gruppe gesprochen und ihnen gesagt, dass ich es nicht in Ordnung finde, dass sie einfach ein Haus besetzen. Aber für ihr Anliegen habe ich großes Verständnis. Das sind sehr nette Leute. Laut Pfarrer Schocke wollen die Kirchen-Besetzer jetzt beraten, wie es weiter geht. "Wir haben für Montag ein Telefongespräch vereinbart", berichtet er. Zum Aufbau eines sozialen Stadtteilzentrums meint er: "Wir haben in der Nordstadt schon ein gutes Angebot. So etwas wäre sicher eine Bereicherung.""Plenum" am Samstagabend Die Kirchen-Besetzer wollen das frühere Gotteshaus mit Respekt behandeln, wie ein Sprecher betonte. Für Samstag (23.8.) laden sie um 19 Uhr zu einem "Plenum" ein. Bürger, die die Idee von einem sozialen Stadtteilzentrum mittragen, können daran teilnehmen und sollen sich um 19 Uhr vor der Kirchentreppe an der Enscheder Straße einfinden. "Wir halten an unseren Plänen fest", so die Besetzer.Aktualisierung 10.30 Uhr: Zurzeit laufen Gespräche mit dem Eigentümer der alten Kirche. Pfarrer Ansgar Schocke ist vor Ort. Die Landtagsabgeordnete Birgit Rydlewski (Piraten) schreibt bei Twitter, dass er "keine Eskalation" wolle. Ein Teilnehmer der Hausbesetzung macht etwas konkrete Angaben über die Pläne: Denkbar sei der Aufbau eines Umsonst-Supermarkts für arme Menschen, die auch Kleider erhalten könnten. Das Haus sei offen für alle Menschen, jedoch "nicht für Faschisten und andere Menschen mit diskriminierendem Verhalten." Einen konkreten Zeitplan für den Aufbau des Zentrums habe man zurzeit nicht. "Wir müssen die Verhandlungen abwarten." Zurzeit wollen die Aktivisten anonym bleiben. Ein Sprecher: "Wenn es so weit ist, kann man uns besuchen und sich selbst ein Bild machen."Aktualisierung 9.20 Uhr: Wir haben Pfarrer Ansgar Schocke vom 2003 gegründeten Pastoralverbund Nordstadt Ost erreicht. Auch er ist von der Besetzung der 2007 außer Betrieb genommenen Kirche überrascht worden. Pfarrer Schocke berichtet, dass die Stadt Dortmund im April 2014 mitgeteilt habe, dass sie Gebäude und Grundstück nicht kaufen werde, da ihr der Aufbau eines Stadtteilzentrums zu teuer sei. Erste Pläne dafür waren bereits 2007 bekannt, als die Kirche aufgegeben wurde. Zurzeit verhandelt die katholische Kirche mit vier ernsthaften Kaufinteressenten über die Zukunft des Gebäudes. Die Diözese in Paderborn legt großen Wert darauf, dass der neue Eigentümer eine soziale Funktion erfülle. "Alle Interessenten wollen das Gebäude abreißen", berichtet der Pfarrer. Weil die Fassade unter Denkmalschutz steht, gelten besondere Bedingungen. Zurzeit gibt es im Gebäude kein Wasser und auch keinen Strom. Aktualisierung 8.50 Uhr: Anwohner der Enscheder Straße sind von der Hausbesetzung überrascht worden. Skeptisch sind sie allerdings nicht. Norbert Müller wohnt seit 2008 in der Nordstadt und meint: "Das ist doch okay. Die Kirche stand so lange leer und ist verrottet. Wenn die da was machen, sollen die die alten Leute hier in der Nordstadt nicht vergessen." Auch Monika Menzen, die gegenüber der alten Kirche wohnt, ist aufgeschlossen: "Die sollen irgendetwas Schönes draus machen."

Aktualisierung 7.30 Uhr: Teilnehmer einer Mahnwache berichten gegen 6 Uhr morgens, dass eine Initiative in der alten Kirche ein soziales Stadtteilzentrum aufziehen will. Pläne dafür habe es bereits einmal gegeben. Doch die seien von der Stadt Dortmund schnell wieder fallen gelassen worden, weil das Kirchengebäude marode sei.

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Bildergalerie

Hausbesetzer besetzen Albertus-Magnus-Kirche

Eine junge Initiative will in der Enscheder Straße in der Nordstadt ein Stadtteilzentrum aufziehen. Dafür haben sie die 2007 außer Betrieb genommene Albertus-Magnus-Kirche besetzt.
23.08.2014
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"Besetzt": Die Albertus-Magnus-Gemeinde gehört zum Pastoralverbund Nordtstadt. Eine Initiative hat die 2007 entweihte Kirche besetzt und will ein soziales Stadtteilzentrum aufbauen.© Foto: Peter Bandermann
Blick auf die Albertus-Magnus-Kirche in der Innenstadt.© Foto: Peter Bandermann
Die Fenster der Kirche im Morgenlicht.© Foto: Peter Bandermann
Blick von einem Innenhof auf die Albertus-Magnus-Kirche.© Foto: Peter Bandermann
Die alte Kirche ist besetzt - in der Nacht zum 23. August 2014 gilt deshalb "Durchfahrt verboten".© Foto: Peter Bandermann
Blick auf die Treppe der 2007 außer Betrieb genommenen katholischen Kirche.© Foto: Peter Bandermann
Ein Polizeifahrzeug auf der Encheder Straße.© Foto: Peter Bandermann
Ein Bild von dem Kirchengebäude, wie es die Anwohner gewohnt sind. Ab sofort ist wieder Leben in dem Ziegelsteinbau. Eine Initiative will dort ein Stadtteilzentrum aufbauen.© Foto: Peter Bandermann
Die Kirchenbesetzer bitten um Solidarität.© Foto: Peter Bandermann
Freiräume schaffen - das ist das Ziel der Initiative, die erst am Anfang steht.© Foto: Peter Bandermann
Freiräume in der Nordstadt schaffen: Eine Fahrradwerkstatt und ein Café sollen entstehen. Weitere Ziele will die Initiative noch stecken.© Foto: Peter Bandermann
Heißes Wasser, Kaffee und Tee sind am ersten Morgen nach der Hausbesetzung verbraucht.© Foto: Peter Bandermann
Beschriftetes Bettlaken einer Mahnwache: Die Initiative will einen Freiraum schaffen.© Foto: Peter Bandermann
Seiteneingang mit Briefschlitz: Hier ist schon lange keine Post mehr abgegeben worden.© Foto: Peter Bandermann
Die Kirche an der Enscheder Straße.© Foto: Peter Bandermann
Blick auf die Vorderseite der alten Kirche, die 2007 außer Betrieb genommen worden ist. Eine junge Initiative will hier alte Pläne aufgreifen und ein Stadtteilzentrum einrichten.© Foto: Peter Bandermann
Die Enscheder Straße ist zurzeit gespeerrt.© Foto: Peter Bandermann
Blick auf die Treppe der 2007 außer Betrieb genommenen katholischen Kirche.© Foto: Peter Bandermann
Schlagworte Dortmund

Die Hausbesetzer sehen das anders und wollen die Substanz nutzen, um einen Treffpunkt für junge Leute herzurichten. Zunächst ist von einer Fahrradwerkstatt und einem Café die Rede. Die Kirche, der Innenhof und weitere Gebäude, die zu der von der katholischen Kirche aufgegebenen Gemeinde gehören, bieten noch viel mehr Raum. Wie die Initiative die Gebäude weiter nutzen will, ist aktuell nicht bekannt."Es gibt genug Freiwillige" Beschriftete Bettlaken hängen von der roten Ziegelsteinfassade hinab. Sie verraten schlagzeilenartig, worum es geht: um "Freiräume" und "Solidarität". Kaffeekannen stehen neben den in Decken und Schlafsäcken eingemümmelten Teilnehmern der Mahnwache, die auf der breiten Treppe und im Internet um Solidarität bitten. Die Situation ist sehr ruhig, die Motivation groß: "Es gibt genug Freiwillige", berichtet ein Aktivist über die Bereitschaft, das neue Zentrum aufzubauen. Die Besetzung der Kirche war auch, was die öffentliche Kommunikation angeht, vorbereitet worden: Eine "Autorengruppe" des Internet-Blogs "Ruhrbarone" konnte die Aktion in der Nacht begleiten und veröffentlichte erste Informationen sowie Bilder. Die Rede ist von einem Kulturzentrum. "Leerstand mit Leben füllen" heißt es auf der Internetseite "Soziales Zentrum Avanti". Ziel: ein "selbstbestimmtes Leben" und das "Recht auf Wohnen durchsetzen".Schutzraum in der Nordstadt Kritisch setzen sich die Autoren mit der Nordstadt-Politik auseinander. Die einst für einkommensschwache Bürger und Arbeiter geschaffene Nordstadt leiste nicht mehr das, wofür sie konstruiert worden sein. Jetzt seien Bewohner und Zuwanderer aus Osteruopa der "Willkür der Eigentümer", Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt. Die alte Kirche sei jetzt ein Anlaufpunkt und Schutzraum. Die Polizei hat die anfangs hohe Zahl der Einsatzkräfte inzwischen deutlich herunter gefahren. Aktuell sind zwei Streifenwagen vor Ort. Die kurze Enscheder Straße ist noch gesperrt. Es gilt "Durchfahrt verboten".  Bisher haben wir berichtet: In der Nacht zu Samstag (23.8.) meldeten Anwohner der Polizei, dass mehrere Personen mit Taschenlampen die ehemalige Albertus-Magnus-Kirche an der Enscheder Straße betreten hätten. Laut Polizei haben die bis zu 50 Personen das Gebäude an der Enscheder Straße besetzt und sämtliche Türen verschlossen. Zunächst gab es keine Information über die Aktion in der Nacht. Schließlich meldete eine Frau für die Nacht eine Mahnwache an. Titel: "Solidarität mit den Hausbesetzern der Alberts-Magnus-Kirche" Um 2.04 Uhr berichtete die Polizei: "Die Polizei ist mit starken Einsatzkräften vor Ort und schützt die angemeldete Mahnwache".2007 gingen die Kerzen aus Das Erzbistum Paderborn hatte in der katholischen Alberts-Magnus-Kirche vor sieben Jahren, am 19. August 2007, das Kerzenlicht für immer erloschen. An der heiligen Messe hatten damals 100 Gläubige teilgenommen. Zuvor hatte eine Kroatische Mission das schon damals markante und laut Erzbistum "marode" Gotteshaus genutzt.  

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