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Angeklagter war einer der dreisten JVA-Ausbrecher

DORTMUND Von den 47 Jahren seines Lebens hat der Dortmunder schon über 17 im Gefängnis verbracht. Zwischendurch hat er Eis und Pizza verkauft, meist jedoch einfach nur Drogen konsumiert und Straftaten begangen. Im aktuellen Prozess macht ihm die Staatsanwaltschaft Foltervorwürfe. Es geht um die Misshandlung eines Mitgefangenen vor knapp zwei Jahren.

von Von Jörn Hartwich

, 19.12.2007

Nur einmal ganz kurz war der Angeklagte aus der Anonymität eines mittelmäßigen Serienverbrechers herausgetreten und hatte eine gewisse, wenn auch zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Am 24. September 1994 gelang ihm ein spektakulärer Ausbruch aus dem Dortmunder Gefängnis. Der Angeklagte, der damals sieben Jahre Haft wegen Raubes absaß, hatte sich mit einigen Mitgefangenen an Bettlaken direkt auf die Hamburger Straße abgeseilt. Und zwar vor den Augen hunderter Passanten.

Es war die Zeit des Kaiserstraßen-Festes. Die Ausbrecher hatten sich zuvor in den Freizeitraum der JVA einschließen lassen. Sie sägten die Gitterstäbe durch, brachen die Glasbausteine mit Hammer und Meißel heraus. Warum sie nicht aufgehalten wurden? Die vielen Zuschauer, die sie beobachteten, dachten offenbar an Filmaufnahmen.

Wie es mit dem Angeklagten weitergehen soll, ist unklar. Nach elf Vorstrafen droht ihm vor der 39. Strafkammer nun sogar die gefürchtete Sicherungsverwahrung. Das hieße: Egal, welche neue Strafe die Richter verhängen, der 47-Jährige könnte für unbefristete Zeit eingesperrt werden. Mit den Foltervorwürfen selbst (es geht um sexuelle Quälereien, angedeutete Erhängungen und mehr) will der Angeklagte nur am Rand zu tun gehabt haben. Hauptakteur soll sein inzwischen nach Italien abgeschobener Freund gewesen sein. Der Prozess wird fortgesetzt.

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