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Auch Schwangere nutzen nun die Osteopathie

Alternative Heilmethode

Osteopathie für Babys ist inzwischen ganz normal - doch jetzt lassen sich auch werdende Mütter auf diese Weise behandeln. Wir haben Heike Mankel zur Behandlung begleitet - sie ist in der 36. Woche schwanger.

DORTMUND

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 02.10.2012

Mia-Marie schlummert selig im Bäuchlein ihrer Mutter. Das Bäuchlein ruht entspannt in einer großen Öffnung auf der Therapieliege. Nichts drückt von unten. Gezielte Handgriffe streifen den Rücken der Schwangeren. Gleich wird sie leichten Fußes die Praxis verlassen. Trotz 36. Schwangerschaftswoche. Und sich dabei glatt ein bisschen „weniger schwanger“ fühlen. Völlig unverspannt. Der Osteopathie sei Dank. Osteopathie? Das ist eine manuelle Therapie, die immer mehr Anerkennung findet und inzwischen von etlichen Krankenkassen, darunter Techniker, BIG-direkt, einige Betriebskrankenkassen und private, bezahlt oder zumindest bezuschusst wird. Mit dieser Behandlung durch die Hände eigens hierfür qualifizierter Physiotherapeuten sollen durch Ertasten der Muskeln, Knochen, Nerven, Organe und Gelenke Spannungen und Fehlstellungen identifiziert und gelöst werden. Alles ohne Medikamente, Spritzen und Technik.  

 Der alternativen Heilmethode liegt ein ganzheitlicher Ansatz zu Grunde, der den menschlichen Körper als Funktionseinheit betrachtet. „Organe haben eine dreidimensionale Bewegung. Sie haben eine Verbindung zu den Muskeln, Nerven und Knochen. Ich bewege mit meinen gezielten Handgriffen eigentlich alles, kann die Grundspannung von Muskeln, Knochen und Gelenken feststellen und so gestörte Funktionen erkennen“, sagt die Frau, der die empfindsamen Hände gehören.  

 Physiotherapeutin Verena Sandt (40) ist selber Mutter von drei Kindern, neun Jahre (Junge), fünf Jahre und 23 Monate (zwei Mädchen) alt. Bei jeder Schwangerschaft ließ sie sich selbst osteopathisch behandeln und dann auch ihre Kinder.  „Neugeborene haben oft nach der Geburt Verspannungen im Rückenbereich oder Asymmetrien. Sie halten ihren Kopf schräg. Oft schreien sie und schlafen nicht. Meistens kommen die Eltern dann in der dritten bis fünften Woche zu uns in die Praxis.“

 Heike Mankel, die mit 40 Jahren jetzt jeden Moment zum ersten Mal Mutter wird, recherchierte im Internet und fand englische Gepflogenheiten: „Dort ist es Gang und Gebe, dass der Osteopath quasi im Kreißsaal steht und dem Säugling hilft, der – je nach Lage im Mutterleib – vielleicht schon unter Blockaden leidet.“  Bei ihr drückte Töchterchen Mia-Marie vor allem auf den Ischias-Nerv. In der Praxis „Tastbar“ von Verena Sandt fand die werdende Mutter sofort Hilfe.  „Viele Schwangere haben Probleme, weil das Kind nach oben drückt“, kennt Sandt aus Erfahrung und setzt auch hier die richtigen Handgriffe bei werdenden Müttern an. Ein- bis zweimal im Monat liegt Mankel auf der Spezialliege. Ihre Krankenkasse zahlt die Behandlung, nach der sie sich immer „richtig wohl“ fühlt.  

 Ab der zwölften Schwangerschaftswoche nehmen die Beschwerden in der Regel zu. „Oft sagen Gynäkologen, man könne da nun einmal nichts machen und bieten höchstens Akupunktur an.  Aber natürlich kann man den Frauen helfen“, betont die Physiotherapeutin. Sandt, die sich in fünf Jahren berufsbegleitend zur Osteopathin weiterbildete, glaubt, nicht nur die Schwangerschaft deutlich erleichtern zu können, sondern auch die Geburt.  

 „Zu mir kommen aber auch viele Patienten mit organischen Beschwerden. Oft betreffen sie den Verdauungstrakt und den Rücken“, sagt sie und sieht bei ihrer täglichen Arbeit mehr Frauen als Männer. Und: „Männer werden dann meistens von ihren Frauen geschickt.“ 

Großer Anwendungsbereich
Die alternative Heilmethode Osteopathie wird als Behandlungsmethode zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall, Hexenschuss, aber auch bei Tinnitus und Migräne eingesetzt. Verdauungsprobleme, Störungen der Blasenfunktion oder Schlafstörungen können ebenfalls so behandelt werden.

Dazu gynäkologische Probleme, Beschwerden in der Menopause und während der Schwangerschaft. Vor allem Säuglinge, deren Kopfknochen bei der Geburt verschoben wurden (KISS-Syndrom), können durch die manuelle Behandlungsmethode von Schmerzen befreit werden. Eine osteopathische Behandlung dauert rund 50 Minuten.

Der Körper kann etwa zwei bis drei Wochen lang auf diese Behandlung reagieren. Die Kosten pro Sitzung liegen bei den Osteopathen in Dortmund etwa zwischen 70 und 100 Euro. Einige Krankenkassen übernehmen zumindest einen Teil der Kosten. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung.

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