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Behinderte Söhne sollen im Kindergarten bleiben

Streit um Schulpflicht

Niklas und Jannis sind Zwillinge. Vor sechs Jahren kamen sie mit Geburtsfehlern zur Welt, haben geistige und zum Teil körperliche Defizite. Sabine Hauptfleisch will ihre Söhne deshalb ein Jahr später in die Schule schicken. Das Schulamt stellt sich quer.

DORTMUND

von Von Nico Drimecker

, 10.08.2010
Behinderte Söhne sollen im Kindergarten bleiben

Sabine Hauptfleisch will nicht, dass Jannis (l.) und Niklas (beide 6) noch dieses Jahr eingeschult werden.

Zudem sollen die Brüder in andere Schulen gehen als geplant. Sabine Hauptfleisch versteht die Welt nicht mehr – oder besser: das Schulamt. Mehrere Gutachten wurden über beide Söhne erstellt, vom Gesundheitsamt, von Schulen. „Bei den Gutachtern hatte ich immer ein gutes Gefühl. Alle haben meinen Wunsch auf Zurückstellung notiert“, erinnert sich die Mutter.

Erst vergangene Woche habe sie Bescheid bekommen, dass Niklas 2010/2011 zur Schule müsse. Von Jannis’ Schulpflicht habe sie nur inoffiziell erfahren. Doch Sabine Hauptfleisch will ihren Kindern noch Zeit geben. Niklas hat eine Spastik an den Füßen, seine geistige Entwicklung ist verzögert, er ist oft krank. Bruder Jannis hat 100 Prozent Down-Syndrom. Peter Rieger ist am Schulamt für die Sonderpädagogische Förderung in Dortmund zuständig. Er kümmert sich um den Fall, will sich aber nur allgemein äußern. Rieger verweist auf „die engen Grenzen in NRW“, Kinder zurückzustellen. „Laut Schulgesetz müssen erhebliche gesundheitliche Gründe vorliegen.“ Die würden entsprechend im Fall Hauptfleisch „vermutlich nicht vorliegen“. Zudem würden Eltern angehört, entscheiden aber nicht über eine Zurückstellung, ebenso wenig die Gutachter von Schuleingangsuntersuchungen oder Sonderschul-Aufnahmeverfahren.

Allerhöchstens geben sie Empfehlungen an das Schulamt. Am Montag hat Sabine Hauptfleisch – wieder inoffiziell – erfahren, dass Jannis doch zurückgestellt werden soll. Ein Teilerfolg. Was bleibt, ist die Diskussion um Niklas, nicht nur über die spätere Einschulung. Statt auf die integrative Comenius-Grundschule möchte sie Niklas auf die Förderschule am Marsbruch schicken. Rieger begründet ausnahmsweise Fall-spezifisch: „Bei mir sind keine Anträge auf bestimmte Förderorte eingegangen.“

Noch aber könne er Schul-Wünsche für das bevorstehende Schuljahr berücksichtigen. Doch das will Sabine Hauptfleisch nicht und hat eine Anwältin eingeschaltet. Die sagt, bei den Gutachten und dem Versand von Bescheiden müsse „fürchterlich etwas schief gelaufen sein“. Nur das bestreitet Rieger. Alles sei korrekt verlaufen.

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