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Blutwerte bei Anwohnern unbedenklich

PCB-Skandal

Jetzt haben auch die Hafen-Anwohner und Kleingärtner aus der Umgebung der Skandal-Firma Envio Gewissheit: Ihr Blut ist in der Regel nicht oder nur sehr gering mit PCB belastet.

DORTMUND

von Von Oliver Volmerich

, 26.08.2010
Blutwerte bei Anwohnern unbedenklich

In der Sorge um PCB im Hafenumfeld gibt es Entwarnung für die Anwohner.

Alle Werte liegen im Normbereich. Dramatischer sieht es bei ebenfalls untersuchten Arbeitern aus dem Umfeld von Envio aus. Mehr 84 Anwohner und Kleingärtner hatten Anfang Juni ihr Blut in Sorge um die PCB-Ausbreitung rund um die Firma Envio im Hafen untersuchen lassen. Jetzt steht fest: Ihr Blut ist nicht stärker mit PCB belastet als die Normalbevölkerung. Auch 18 Mitarbeitern aus Betrieben der weiteren Envio-Umgebung wie etwa der Hafenschänke oder einem Kindergarten haben völlig unauffällige Blutwerte, teilte die Stadt am Donnerstag mit.

Lediglich bei elf Untersuchten wurden leicht erhöhte Einzelwerte festgestellt, die aber als alterbedingte Belastung anzusehen sind. "Alle Betroffenen sind über 60 Jahre alt", erläuterte Dr. Annette Düsterhaus als Leiterin des Gesundheitsamtes. Bekanntlich reichert sich PCB, mit dem bis in die 1980er Jahre noch recht sorglos umgegangen wurde, im Laufe des Lebens Körper an. Aber im Bezug zum jeweiligen Alter liegen die ermittelten Werte ebenfalls im Normbereich, betont Düsterhaus. Auf Wunsch können sich die Betroffenen aber weiter gesundheitlich begleiten lassen.

Diese Empfehlung gilt vor allem für Beschäftigte von Envio und aus dem unmittelbaren Umfeld der Firma. Bei 56 Untersuchten aus dieser Gruppe weisen sieben auffällige PCB-Werte im Blut auf. Bei fünf von ihnen besteht besonderer Anlass zur Sorge. Ein Betroffener weist ähnlich hohe Werte auf wie die zuallererst untersuchten Envio-Beschäftigten. Bei liegen die PCB-Werte bis zum 100fachen über dem Normwert, berichtet Düsterhaus. Die Chefin des Gesundheitsamtes sieht damit aber auch die Annahme belegt, dass die PCB-Belastung mit der Distanz zur vermuteten Quelle auf dem Envio-Areal abnimmt. "Es ist festzustellen, dass lediglich die Personen deutlich erhöhte PCB-Werte aufweisen, die im unmittelbaren Umfeld von Envio gearbeitet haben also direkt oder indirekt Kontakt mit PCB-haltigem Material hatten", so Düsterhaus. Ein Fakt, der auch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Envio vereinfachen dürfte.

Unterdessen steht der Termin für die ersten Sitzung des Runden Tisches fest, den die Landesregierung unter dem Vorsitz des früheren DGB-Bezirkschefs Eberhard Weber eingerichtet hat - u.a. um Vertrauen zwischen Behörden und PCB-Opfern schaffen. Am 9. September soll die Runde zum ersten Mal zusammenkommen. Und das in hochkarätiger Besetzung: Zum 15-köpfigen Kern gehören Oberbürgermeister Ullrich Sierau ebenso wie Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, Vertreter der Ministerien, der Berufsgenossenschaft und nicht zuletzt der Anwohner, die durch die Sprecherinnen der Bürgerinitiative, Bezirksbürgermeister Siegfried Böcker und einem Vertreter der Kleingartenvereine vertreten werden.   Dazu kommen Hafen AG, Vertreter der Hafenfirmen, Gewerkschaften, möglichst frühere Envio-Mitarbeiter sowie bei Bedarf weitere Experten. Entgegen ersten Überlegungen nicht dabei ist Envio. Firmenchef Neupert habe zwar Offenheit und Transparenz zugesagt. Die letzten Wochen hätten aber gezeigt, dass Envio dies weiterhin nicht beherzige, sondern noch immer Zeit schinde und mauere, stellt Eberhard Weber fest. 

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