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Darum kündigt die AWO 51 Ex-Langzeitarbeitslosen

Schulbegleiter-Projekt in Dortmund beendet

Fast vier Jahre machte die AWO Arbeitslose zu Schulbegleitern für behinderte Kinder. Jetzt muss sie das Erfolgs-Projekt beenden – wegen Geldmangels. Hinter dem Scheitern steckt ein grundlegendes Problem.

DORTMUND

, 05.03.2018
Darum kündigt die AWO 51 Ex-Langzeitarbeitslosen

Ute Cüceoglu arbeitet nicht mehr als Schulbegleiterin. Die AWO muss die gesamte Abteilung schließen. © Thiel

Am 28. Februar war für Ute Cüceoglu Schluss. Die 60-Jährige half ihrem Schützling, einem Sechstklässler mit autistischen Zügen, ein letztes Mal während des Unterrichts an einem Dortmunder Gymnasium.

Cüceoglu war eine von zuletzt 51 ehemaligen Arbeitslosen, die für die AWO körperlich, geistig oder seelisch behinderte Kindern dabei unterstützten, sich im Schulalltag zurechtzufinden. Ein zutiefst befriedigender Job, sagt Cüceoglu. „Lehrer sagten zu mir: ‚Seitdem du da bist, kann ich wieder richtig Unterricht machen‘, der Kontakt zu den Eltern war auch gut.“

Jetzt muss sich Cüceoglus Schützling an eine andere Bezugsperson gewöhnen: Zum 1. März wurde ihr Vertrag aufgelöst. Und zum 30. April kündigt die AWO der restlichen Belegschaft ihrer Schulbegleiter-Abteilung.

AWO macht 200.000 Euro Minus

„Wir mussten die Reißleine ziehen“, sagt AWO-Geschäftsführer Andreas Gora. Seinen Angaben zufolge gibt es ein großes Finanzierungsloch: Rund 200.000 Euro Minus wird das Projekt der Wohltätigkeitsorganisation am Ende einbringen. AWO-Verwaltungsleiterin Mirja Düwel ist enttäuscht: „Das war ein tolles Projekt, in dem Langzeitarbeitslose eine echte Perspektive hatten.“

Die AWO bezahlte ihre Schulbegleiter nach Tarif: 1680 Euro brutto bekamen die Mitarbeiter monatlich samt 13. Monatsgehalt, wenn sie in Vollzeit arbeiteten (in der Schulbegleitung sind das 25 Stunden pro Woche). „Das waren rund 20 Prozent mehr als bei anderen Arbeitgebern“, sagt Gora. Das ist immer noch nicht viel, war aber im Fall von Cüceoglu genug, um ihr Leben aus eigener Kraft zu finanzieren.

Jobcenter gab keine Fördermittel mehr

Doch um dieses Gehalt bezahlen zu können, reichte der AWO nicht der übliche Stundensatz von 23,50 Euro, den ihr die Stadt für einen Schulbegleiter zahlt. Sie war zusätzlich auf Fördermittel des Jobcenters angewiesen. Das zahlte 2016 über 210.000 Euro, im ersten Halbjahr 2017 immerhin noch 140.000 Euro als individuelle Zuschüsse für die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen.

Doch im zweiten Halbjahr war der Fördertopf des Jobcenters leer. Eine andere Möglichkeit der Förderung gab es nicht. „Die Förderungen sind nicht dazu da, finanzielle Lücken bei Arbeitnehmern zu schließen“, sagt Jobcenter-Sprecher Michael Schneider.

AWO: Unser Projekt passte nicht in die Denkmuster

Jetzt konnte nur noch die Stadt helfen. „Wir haben mit ihr wegen einer Erhöhung des Stundensatzes verhandelt“, erzählt Gora. „Aber man sagte uns, das gehe nicht. Man könnte uns nicht mehr bezahlen als anderen Schulbegleitungs-Trägern.“

Genau da sieht Gora das Grundproblem: „Unser Projekt passte nicht in die Denkmuster. Es war weder eine reine Beschäftigungs-, noch eine reine Schulbegleitungsmaßnahme.“ Das Projekt war damit am Ende.

Schulbegleiter haben Übernahmeangebot

Immerhin: Alle Schulbegleiter haben laut AWO ein Übernahmeangebot von einem anderen Träger, der Lebenshilfe. Alle Beteiligten inklusive der Stadt wollen, dass möglichst viele der betroffenen Kinder ihren Begleiter behalten können. Doch der geringere Lohn werde nicht mehr für ein selbstständiges Leben reichen, meint Gora. „Das Jobcenter wird bei vielen das Gehalt wieder aufstocken müssen.“ Am Ende sei es für den Staat ein Nullsummenspiel.

Ex-Schulbegleiterin Cüceoglu muss hingegen nicht mehr aufstocken. Sie hat einen anderen Job gefunden.

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