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Darum muss Dortmunds Frühgeschichte neu geschrieben werden

Archäologische Erkenntnisse

Die Entstehung der Stadt Dortmund gibt immer noch Rätsel auf. Lange Zeit wurden die Ursprünge im Umfeld der Reinoldikirche vermutet. Nach neuen archäologischen Erkenntnissen gehen Historiker nun davon aus, dass dies wohl falsch ist. Sie sehen die Keimzelle der Stadt ganz woanders.

DORTMUND

, 10.02.2017

Spannende Erkenntnisse trägt die neu erschienene Darstellung der Stadtgeschichte in der Reihe „Deutscher Historischer Städteatlas“ zusammen. Danach sind es vor allem archäologische Funde, die zum Umdenken der Historiker zur Entstehung Dortmunds im 8. und 9. Jahrhundert beigetragen haben. Es wird mittlerweile vermutet, dass die Ursprünge Dortmunds weiter nördlich von der Reinoldikirche am Übergang zur heutigen Nordstadt liegen – in Form einer erhöht gelegenen königlichen Burg, zu deren Füßen sich eine Siedlung entwickelte.

Pfalzanlage nie nachgewiesen

Dortmund war idm 8. und 9. Jahrhundert eine wichtige Königspfalz, in der Könige regelmäßig zu Besuch waren, Reichsversammlungen, Hoftage und Synoden abhielten. Im Umfeld der Reinoldikirche konnte eine Pfalzanlage aber nie archäologisch nachgewiesen werden. „Wir haben bei verschiedenen Ausgrabungen immer mit Argusaugen danach gesucht, aber nichts gefunden“, bedauert Stadtarchäologin Dr. Henriette Brink-Kloke.

Kinderskelette im Bleisarg

Neu bewertet werden inzwischen weiter zurückliegende Funde. So wurde 1909 am Rande einer Anhöhe nördlich des Walls, auf die noch heute die Straße Auf dem Berge hinweist, zwei Kinderskelette in einem Bleisarg entdeckt – was auf eine besondere soziale Stellung der Bestatteten schließen lässt. Sie stammten möglicherweise aus dem direkten Umfeld des ottonischen Königshauses, heißt es. Auch in historischen Schriften werden ein Königshof „vor dem Burgtor“ und ein Burgplatz auf einer Anhöhe erwähnt. Und auf einem Altarbild in der Propsteikirche ist eine erhöht gelegene Burg im Norden der Stadt dargestellt.

Burgplatz im Bereich Leuthardstraße

Alle Erkenntnisse zusammen führen dazu, dass den Historikern inzwischen der Burgplatz im Bereich der heutigen Leuthardstraße und der Eisenbahn-Strecke als „logischer Favorit“ für die Lage der Königspfalz erscheint, wie es im Städteatlas heißt. Für Henriette Brink-Kloke ist das Anlass, künftig hier bei möglichen Grabungen „mit Argusaugen“ nach Hinweisen auf den Ursprung der Stadt Ausschau zu halten.

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Der Städteatlas umfasst eine 52-seitige Darstellung der Stadtgeschichte. Dazu kommt umfangreiches Kartenmaterial zur Entwicklung Dortmunds vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Der Atlas ist mit Textheft und 18 großformatigen Tafeln mit Stadtansichten, Landkarten und Stadtplänen als „Deutscher Historischer Städteatlas Nr. 5“ im Ardey-Verlag Münster erschienen und für 39,90 Euro im Buchhandel erhältlich. In einer öffentlichen Veranstaltung mit den Autoren Dr. Stefan Mühlhofer, Prof. Dr. Thomas Schilp und Daniel Stracke wird der Städteatlas für Dortmund am Dienstag (14. 2.) um 19.30 Uhr in der Reinoldikirche am Ostenhellweg vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

 

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