Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Das bietet der Tag des offenen Denkmals in Dortmund

Denkmalschutz

48 Objekte öffnen zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag (9.9.) ihre Türen in Dortmund. Zwei Gebäude aus völlig unterschiedlichen Epochen stehen dabei besonders im Mittelpunkt.

Dortmund

, 08.09.2018
Das bietet der Tag des offenen Denkmals in Dortmund

Einen gelungenen Mix aus Alt und Neu bietet das frisch sanierte und erweiterte Fritz-Henßler-Berufskolleg. © Menne

Unbequeme Denkmäler lautete das Motto beim Tag des offenen Denkmals 2013. In diese Reihe hätte damals das Fritz-Henßler-Berufskolleg gut gepasst. Das Gebäude stand auf einer Torflinse, Risse zogen sich durch das Gemäuer, es drohte sogar der Abriss. Das hat sich gründlich geändert. Inzwischen ist das Fritz-Henßler-Berufskolleg ein Vorzeige-Denkmal, das in der nächsten Woche mit dem von Land und Architektenkammer NRW verliehenen Schulbaupreis 2018 ausgezeichnet wird. Hinter der historischen Fassade ist ein moderner Schulkomplex entstanden, in dem immer wieder die Vergangenheit durchscheint.

Das bietet der Tag des offenen Denkmals in Dortmund

Im Innern des Fritz-Henßler-Berufskolleg sind viele historische Relikte des Altbaus erhalten. © Menne

„Das Fritz-Henßler-Berufskolleg ist ein Flaggschiff unserer Bildungslandschaft“, erklärte Oberbürgermeister Ullrich Sierau am Mittwoch bei der offiziellen Eröffnung des für 28,8 Millionen Euro umfassend sanierten und erweiterten Gebäudes, in dem der Schulbetrieb allerdings schon im April begonnen hat.

Das bietet der Tag des offenen Denkmals in Dortmund

Den Glanz des Jugendstils kam man an vielen Stellen im Berufskolleg-Gebäude noch nachempfinden. © Menne

Am Sonntag (9.9.) um 11 Uhr wird hier der Veranstaltungsreigen zum Tag des offenen Denkmals 2018 in Dortmund eröffnet. Alte und neue Gebäudeteile können besichtigt werden. Angehende Bautechnische Assistenten des Berufskollegs präsentieren die Ergebnisse ihrer Projekttage zur Erforschung der Baugeschichte des Gebäudes.

Die war nach einem Entwurf des Stadtbaurats Friedrich Kullrich 1910 als Handwerker- und Kunstgewerbeschule eröffnet worden, nach dem Wiederaufbau in den 1950er Jahren firmiert sie nun als Fritz-Henßler-Berufskolleg, benannt nach dem ersten frei gewählten Nachkriegs-Oberbürgermeister.

Doch das Gebäude war in die Jahre gekommen. Lange Zeit wurde um Art und Umfang der Sanierung gestritten – bis hin zu Überlegungen, den Komplex durch einen Neubau zu ersetzen. Dann viel die Entscheidung für einen Mix. Hinter der historischen Fassade sind nach den Plänen des Bochumer Büros SSP AG zwei Anbauten entstanden, die die historischen Gebäudeteile von 1909 und 1913 ergänzen.

Historische Details wurden beim Umbau bewahrt

Prunkstück ist eine „historische Halle“, in der alte Wandelemente wieder herausgearbeitet wurden. Über einem Treppenabsatz ist eine historische Ansicht des Gebäudes zu bewundern. Hinter dem alten Eingang wurden Kassettendecken, die unter Gipskarton verborgen waren, wiederentdeckt und aufgearbeitet. An Treppenaufgängen der Anbauten wurden alte Außenfronten erhalten. Alt- und Neubau werden durch eine Glasfuge getrennt, um den Übergang deutlich zu machen.

Das Fritz-Henßler-Berufskolleg ist aber nur eines von 48 Objekten, die an diesem Tag im Stadtgebiet (plus Lünen-Brambauer) zu Besichtigungen einladen. „Der Denkmaltag lässt die Geschichte der Stadt wieder lebendig werden und wirbt für den Erhalt von Baudenkmälern“, sagt Planungsdezernent Ludger Wilde.

Europäische Einflüsse sind der rote Faden

Das aktuelle Motto „Entdecken, was uns verbinden“ bietet die Möglichkeit, europäische Einflüsse sichtbar zu machen – passend zum für 2018 ausgerufenen Jahr des europäischen Kulturerbes. Es geht um europäische Einflüsse auf die Architektur, aber auch um die Themen Toleranz und Völkerverständigung, erklärt die Leiterin der städtischen Denkmalbehörde, Dr. Henriette Brink-Kloke.

Ein Thema dabei ist etwa die durch die Industrie ausgelöste Zuwanderung. In der Waschkaue der früheren Zeche Dorstfeld ist so die Ausstellung „Glückauf in Deutschland“ über türkische Zuwanderer, die in den 1960er Jahren als sogenannte Gastarbeiter ins Ruhrgebiet kamen, im Brauereimuseum geht es um Bierexporte aus Dortmund.

Das bietet der Tag des offenen Denkmals in Dortmund

Das zum Ärztezentrum DOC umgebaute frühere WestLB-Gebäude ist das jüngste Denkmal der Stadt und Ort der Abschlussveranstaltung zum Denkmaltag. © Menne

Das baugeschichtlich jüngste Denkmal der Stadt hat übrigens einen irischen Eigentümer. Er finanzierte den Umbau der früheren Westdeutschen Landesbank (WestLB) an der Kampstraße zu einem Medizin-Zentrum unter dem Titel „DOC“. Der markante Bau des Dortmunder Architekten Harald Deilmann ist zugleich ein Paradebeispiel für die Bauten der Nachkriegsmoderne, die im Mittelpunkt des Programms „Big Beautiful Buildings“ („schöne große Gebäude“) stehen.

Diskussion über „Big Beutiful Buildings“

Dort findet denn auch um 17 Uhr die Abschlussveranstaltung des Denkmaltages in Dortmund statt, die einen Bogen zu der landesweiten Stadtbaukultur-Reihe schlägt. In einer Podiumsgespräch im Atrium des „DOC“ geht es um die Nachkriegsmoderne im Europäischen Kulturerbejahr. Dazu diskutieren der bisherige Geschäftsführer von Stadtbaukultur NRW Tim Rieniets, die frühere FH-Professorin Renate Kastorff-Viehmann, Raumplanerin Yasemin Utku von der TU Dortmund und der Architekt Richard Schmalöer als Vorsitzende des Bundes Deutscher Architekten in Dortmund.

Einen Überblick über das Gesamtprogramm bietet eine Broschüre zum Tag des offenen Denkmals, die auch eine historische Einordnung zum Thema bietet. Sie liegt in vielen städtischen Einrichtungen kostenlos aus. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist kostenlos. Bei den Kirchen ist zu beachten, dass dort an den Vormittagen in der Regel Gottesdienste stattfinden. Die Stadtwerke DSW21 haben den 9. September zum „Öffel-Tag“ erklärt. Ein kostenloses Familien-Tagesticket für Bus und Bahn wurde an alle Dortmunder Haushalte verteilt und lädt dazu ein, möglichst viele Denkmäler mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu entdecken. Die kostenlosen Tickets sind auch in den DSW-Kundencentern an der Petrikirche und in Hörde erhältlich. Einen Fahrtenplaner gibt es im Internet.