Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Demo-Samstag: Kritik in alle Richtungen

Fragen und Antworten

Nach den Demonstrationen am Samstag gegen einen Aufmarsch von 900 Neonazis tröpfeln immer mehr Informationen und Bewertungen ein. Eine übereinstimmende Gesamtbilanz gibt es nicht. Die Analysen der unterscheidlichen Akteure kommen naturgemäß zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine Zusammenfassung.

DORTMUND

, 06.06.2016
Demo-Samstag: Kritik in alle Richtungen

Eine von vielen Aktionen gegen den Nazi-Aufmarsch: Nazi-Gegner blockierten am Samstagmittag einen Bahnsteig im S-Bahnhof Dorstfeld.

Worauf zielt die Kritik antifaschistischer Initiativen ab?

Die Gruppe „no-tddz“ („Kein Tag der deutsch Zukunft“ – tddz war Motto des Nazi-Aufmarschs) hält dem DGB vor, mit „rein symbolischem Protest einmal mehr seine historisch marginale Bedeutung demonstriert“ zu haben. „no-tddz“ schlägt Gewerkschaftlern vor, ihre Mitgliedschaft zu überprüfen. „no-tddz“ berichtet von mindestens 160 Verletzten in eigenen Reihen durch Pfefferspray und Polizeigewalt.

Aktualisierung Dienstag, 7. Juni, 11.19 Uhr: Vorläufige Zahlen der Polizei

Laut Feuerwehr Dortmund habe es fünf Rettungseinsätze im direkten Zusammenhang mit der Demonstration am Samstag gegeben. Dabei habe es sich hauptsächlich um Verletzungen durch Tränengas gehandelt. Außerdem sei die Feuerwehr zu einem Containerbrand gerufen worden.

Welches Fazit zieht der DGB?

Der DGB ist Mitglied im Bündnis „Dortmund bunt statt braun“. 3000 Demonstranten stellten sich mit ihm an der Rheinischen Straße den Neonazis entgegen. Sprecherin Jutta Reiter: „Ich bin froh, dass sich trotz der Ankündigungen von Gewalt so viele Menschen unseren Aktionen angeschlossen haben.“

Jetzt lesen

Der Mehrheit der Bürger sei es wichtig, Protest mit einem sicheren Gefühl zum Ausdruck bringen zu können. „no-tddz“ verkenne, was die Dortmunder wollten: „Wer sagt, dass er Protest nicht friedlich zum Ausdruck bringen will, steht mit uns eben nicht auf einer Linie.“ Verhandlungen auf der Straße mit der Polizei seien zu langwierig gewesen – der DGB will das mit der Polizei persönlich klären.

Zu welchem Ergebnis kommt die Polizei?

Einen Abschlussbericht konnte sie am Montag noch nicht vorlegen. Über die bisher veröffentlichten Informationen hinaus sagte Polizeisprecher Kim Freigang: „Unsere Gefahrenprognose ist leider eingetreten. Wir konnten direkte Konfrontationen zwischen Rechts- und Linksextremisten verhindern.

Jetzt lesen

Ohne die weiträumigen Absperrungen wäre das nicht möglich gewesen. Den Unmut der vielen betroffenen Bürger können wir verstehen. Aber: Mehr Friedfertigkeit hätte weniger Beeinträchtigung bedeutet. Doch die Polizei hat nicht die Ursache für diese Beeinträchtigungen gesetzt.“

Aktualisierung Dienstag, 7. Juni, 10.28 Uhr: Vorläufige Zahlen der Polizei

13 verletzte Polizeibeamte durch Widerstandshandlungen, Stein- und Flaschenwürfe oder Reizgas. Zwölf weitere erkrankte Einsatzkräfte - unter anderem durch starke Hitzeeinwirkung. 25 Ingewahrsamnahmen. Das sind die aktualisierten, vorläufigen Zahlen nach dem Großeinsatz der Polizei.

Dortmunder haben mit dem Schauspiel und der Gruppe „Tools for Action“ große Barrikadewürfel produziert. Was sagen die Organisatoren über den Einsatz?

Schauspieldirektor Kay Voges: „Wir haben mit den Würfeln Aktionen und Bilder von politischer Schönheit gesehen – aber auch viel Dummheit.“ Die Würfel seien nicht als „Prellböcke“ gegen die Polizei vorgesehen gewesen. Voges: „Schönheit des Werkes sollte sein, diese Würfel auch nicht wie Pflastersteine einzusetzen.“

Am Sunderweg wurden Polizisten damit angegangen. Sie hatten die aufblasbaren Würfel dann zerstochen. Kein schönes Ende für die mit viel Leidenschaft produzierten Quader. Unterm Strich sieht Voges in den Würfeln der Gruppe „Tools for Action“ einen Gewinn: „Auf dem Wilhelmplatz in Dorstfeld gab es tolle Formationen. Das war ein schönes Bild des künstlerischen Widerstands. Das Kollektiv konnte Kunst gemeinsam schaffen und gemeinsam Verantwortung zeigen.“

Jetzt lesen