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Demo-Samstag in Dortmund bleibt friedlich

Neonazis und Antifa

Für gleich acht Stellen waren am Samstag Demonstrationen in Dortmund angemeldet. Unter anderem demonstrierten Neonazis und deren Gegner. Das Geschehen blieb vollkommen friedlich, die Polizei meldet lediglich eine Festnahme. Der Tag zum Nachlesen.

DORTMUND

von Von Peter Bandermann und Oliver Koch

, 30.03.2013

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Protest gegen Nazi-Aktion in Dorstfeld

60 Demonstranten waren Karsamstag einem Aufruf des Kreisverbands der Grünen gefolgt, um gegen eine Nazi-Aktion auf dem Dorstfelder Hellweg zu protestieren. Die Partei "Die Rechte" hatte vor einem von einer Roma-Familie bewohnten Haus mit fremdenfeindlichen Parolen auf eine angebliche "Überfremdung" hingewiesen.
30.03.2013
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Die Nazis standen, abgeschirmt von der Polizei, am Ende einer Sackgasse.© Foto: Peter Bandermann
An der Nazi-Aktion hatten auch Mitglieder der NPD teilgenommen.© Foto: Peter Bandermann
Protest der Grünen und anderer Organisationen gegen eine Nazi-Kundgebung am Dorstfelder Hellweg.© Foto: Peter Bandermann
Was die Nazis zu sagen hatten, blieb unerhört: Sie standen am Ende einer Sackgasse. Hören konnten sie nur sich selbst.© Foto: Peter Bandermann
Nazi-Protest am Ende einer Sackgasse.© Foto: Peter Bandermann
Nazi-Demonstrattion gegen Überfremdung. Die 30 Aktivisten standen in einer Sackgasse.© Foto: Peter Bandermann
Neonazis in der Sackgasse am Dorstfelder Hellweg.© Foto: Peter Bandermann
Der Kreisverband der Grünen hatte zum Protest auf dem Dorstfelder Hellweg aufgerufen. 60 Demonstranten folgten dem Aufruf gegen Neonazis.© Foto: Peter Bandermann
Der "Runde Tisch Dorstfeld" warb mit einem Transparent für Toleranz und Verständigung.© Foto: Peter Bandermann
Auch auf der Straße: Peter Weber vom BVB-Fanclub "Heinrich Czerkus". Czerkus war BVB-Platzwart und wurde 1945 wegen seiner politischen Ansichten von den Nationalsozialisten ermordet.© Foto: Peter Bandermann
Heiko Hamer (links) vom "Runden Tisch Dorstfeld" kritisierte, dass die Neonazis direkt vor dem Haus der Roma-Familie am Dorstfelder Hellweg demonstrieren durften.© Foto: Peter Bandermann
Protestaktion des Kreisverbandes der Grünen gegen Neonazis in Dortmund.© Foto: Peter Bandermann
Protestaktion gegen Neonazis in Dorstfeld. Aufgerufen hatte dazu der Kreisverband der Grünen.© Foto: Peter Bandermann
Neonazis ziehen über den Dorstfelder Hellweg ab.© Foto: Peter Bandermann
Die Neonazis ziehen über den Dorstfelder Hellweg ab.© Foto: Peter Bandermann
Nach der Protestaktion gegen Neonazis stellten sich die Demonstranten vor das Haus Dorstfelder Hellweg 108, um sich mit der Roma-Familie zu solidarisieren.© Foto: Peter Bandermann
Schlagworte Dorstfeld
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Demonstration gegen rechtsextremistische Gewalt

Bei einer Demonstration gegen rechtsextremistische Gewalt haben Redner auch die Stadt Dortmund kritisiert: Die Stadt kaufe Wissenschaftler ein, um ihre Aktionen gegen Neonazis positiv bewerten zu lassen, während echte Antifa-Arbeit an den Rand gedrängt werde. Bilder von der mehrstündigen Demo in der Innenstadt.
30.03.2013
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Die Straße "Freistuhl" musste die Polizei kurz sperren - Autofahrer konnten das Parkhaus nicht verlassen.© Foto: Peter Bandermann
Die Polizei blockierte den Start für 80 Minuten, weil Demo-Teilnehmer vermummt waren.© Foto: Peter Bandermann
Antifaschistische Organisationen sind in Dortmund auf die Straße gegangen, um gegen rechtsextremistische Gewalt zu protestieren. Sie forderten größeren Widerstand ein.© Foto: Peter Bandermann
Die Gedenk-Demonstrantion startete unter dem RWE-Turm am Freistuhl in der Innenstadt.© Foto: Peter Bandermann
© Foto: Peter Bandermann
Die Demonstration setzte sich erst um 14.20 Uhr in Bewergung, da die Polizei Verstöße gegen das Vermummungsverbot festgestellt hatte.© Foto: Peter Bandermann
Demonstranten auf der Straße "Freistuhl".© Foto: Peter Bandermann
Demonstranten auf der Straße Freistuhl.© Foto: Peter Bandermann
Die Antifa-Demonstranten in der Dortmunder City.© Foto: Peter Bandermann
Die Spitze der Demonstranten auf der Kampstraße. Sie erinnern an den 2005 getöteten Thomas Schulz und an den von Rechtsterroristen ermordeten Mehmet Kubasik (2006).© Foto: Peter Bandermann
"Hakenkreuze zerschlagen".© Foto: Peter Bandermann
Am U-Bahnhof Kampstraße erinnerten die Demonstranten an Thomas Schulz. Ein Neonazi hatte ihn hier am 28. März 2008 mit einem Messer getötet.© Foto: Peter Bandermann
Die Demonstranten auf dem für fünf Minuten gesperrten Burgwall.© Foto: Peter Bandermann
Während der Demonstration musste die Polizei auch kleine Seitenstraßen der Dortmunder Innenstadt kurzzeitig sperren.© Foto: Peter Bandermann
Die Demo-Route führte auch zur "Hirsch Q"-Kneipe auf der Brückstraße in der Innenstadt.© Foto: Peter Bandermann
Vor der "Hirsch Q"-Bar in der Brückstraße hat es schon mehrfach Angriffe von Neonazis auf Kneipengäste gegeben - hier stoppten die Demonstranten für eine Zwischenkundgebung.© Foto: Peter Bandermann
Schlagworte Dortmund

Erster Überblick: Diese Demonstrationen sind uns bekannt:  

  • 12 Uhr Antikapitalistische Demo am Willy-Brandt-Platz
  • ab 13 Uhr haben Rechtsradikale drei Versammlungen in Huckarde, Westerfilde und Dorstfeld angemeldet.
  • von 12.45 Uhr bis 14 Uhr haben die Grünen am Dorstfelder Hellweg / Ecke Heyden-Rynsch-Straße Protest gegen Neonazis angekündigt. Um 14 Uhr demonstriert außerdem die CDU Bodelschwingh/Westerfilde, SPD und Grüne am Westerfilder Marktplatz gegen die Neonazis. 
  • Um 13 Uhr treffen sich Antifaschisten am Platz von Amiens um daran zu erinnern, dass Neonazi Sven K. 2005 in der U-Bahnstation Kampstraße Thomas Schulz getötet hat. Außerdem geht es um das Gedenken an NSU-Opfer Mehmet Kubasik.
  • Für 13 Uhr haben DJs eine Protestdemo gegen die Gema angekündigt. Angeblich rechnet man mit 800 Teilnehmern.

Um 14 Uhr wird im Stadion Rote Erde das Drittliga-Spiel BVB II gegen Preußen Münster angepfiffen. Auch dies erfordert einen größeren Polizeieinsatz - die Preußen reisen mit bis zu 1500 Fans an.Landes- und Bundespolizei sind mit einem Großaufgebot in Dortmund vertreten. Rund um den Hauptbahhof sind zahlreiche Mannschaftswagen der Einsatzhundertschaften zu sehen.

Unser Reporter Peter Bandermann meldet, dass auf den Straßen der Innenstadt sehr viel los ist. Das bestätigt auch der Blick ins städtische Parkleitsystem: In den Parkhäusern der südlichen City sind alle Plätze belegt. Tipp: Öffentliche Verkehrsmittel nutzen. 

Nach Einschätzung unseres Reporters haben sich etwa 30 Neonazis in Dorstfeld versammelt. "Sie stehen am Ende einer Sackgasse und sind für die Öffentlichkeit kaum sichtbar", meldet er. Ebenfalls etwa 30 Teilnehmer sind zu einer Gegeaktion der Grünen gekommen.

Die Zahl der Gegendenonstranten in Dorstfeld hat sich inzwischen auf etwa 60 erhöht. Die Neonazis demonstrieren vor einem Haus, das von einer Roma-Familie bewohnt wird. Eine Nachbarin: "Das ist eine sehr nette Familie. Was wollen die Nazis hier?" Auch Heiko Hameg von Runden Tisch Dorstfeld hat kein Verständnis dafür, dass die Nazis so nah den dem von der Roma-Familie bewohnten Haus eine Kundgebung abhalten: "Die wollen auf populistische Weise Vorurteile schüren."

Die Neonazis ziehen jetzt weiter nach Westerfilde. Derweil haben sich nach Polizeiangaben etwa 100 Mitglieder der Antifa am Platz von Amiens versammelt. Eigentlich wollten diese längst losgelaufen sein. Da aber einige Teilnehmer vermummt sind, verhindert die Polizei einen Demonstrationszug. Verkehrshinweis: Der Freistuhl ist wegen der Demonstartion gesperrt. Zahlreiche Autofahrer können das dortige Parkhaus derzeit nicht verlassen.

Die Antifa-Demonstartion hat sich inzwischen in Richtung Kampstraße in Bewegung gesetzt. Bei Twitter schreiben die Veranstalter von etwa 300 Teilnehmern.

Unser Reporter schätzt, dass etwa 200 Menschen zu der Die Antifa-Demonstration gekommen sind. Auf einer Zwischenkundgebung wurde die Stadt Dortmund angegriffen. Diese gehe nicht ernsthaft gegen Neonazis vor und habe sich jüngst "bezahlte Claquere" eingekauft. Die Demonstration zieht jetzt weiter über den Burgwall in Richtung Mallinckrodtstraße. Dort war 2006 Mehmet Kubasik von den NSU-Terroristen in seinem Kiosk ermordet worden.

Die Antifa-Demonstration bewegt sich jetzt in der Nordstadt, anschließend soll es zurück zum Nordeingang des Hauptbahnhofs gehen. Angemeldet ist die Demonstration noch bis 20 Uhr. Laut Polizei-Pressestelle ist es auch bei den Rechten ruhig. Über Twitter gemeldete Scharmützel bestätigte die Pressestelle nicht.

Die letzte von drei Nazi-Kundgebungen in Westerfilde ist nach Angaben der Polizei beendet worden. Zum Protest gegen die Nazis war auch die Dortmunder CDU erschienen. In der Innenstadt hatte die Polizei um 14.30 Uhr einen Demonstranten festgenommen, der gegen rechtsextremistische Gewalt protestiert hatte. Gegen ihn lag ein Haftbefehl vor.Abschlussmeldung: Inzwischen hat die Polizei eine Bilanz des Tages gezogen. Polizeisprecher Wolfgang Wieland schreibt darin, dass die Demonstrantionen friedlich und weitgehend störungsfrei verlaufen seien. Zu der mit bis zu 800 Teilnehmern angemeldeten Demonstartion gegen die Gema sind laut Wieland nur 80 Teilnehmer erschienen. Auch das Fußballspiel zwischen der zweiten Mannschaft des BVB und Preußen Münster verlief aus Sicht der Polizei störungsfrei.  

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