Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Deutsches Kochbuchmuseum verlässt Westfalenpark

Standortwechsel

Zum letzten Mal öffneten die Ehrenamtlichen des Deutschen Kochbuchmuseums am Mittwoch die Türen an der Buschmühle. Nächste Woche schließt die Ausstellung. In all den Jahren führten die Ehrenamtlichen Schulklassen durch den Bestand, halfen Wissenschaftlern bei der Recherche. Nur eines haben sie nie getan.

DORTMUND

, 31.01.2018
Deutsches Kochbuchmuseum verlässt Westfalenpark

Der Abschied aus dem Kochbuchmuseum fällt (v.l.) Ingrid Erdmann, Johanna Jannack und Karin Erkenz schwer. © Nicole Giese

Der Kopf ist nicht frei. Weder für Wehmut, noch für Wut. Denn die Hände haben noch so viel zu tun. Am Mittwoch hat das Deutsche Kochbuchmuseum im Westfalenpark offiziell zum letzten Mal geöffnet (wir berichteten) – und die ehrenamtlichen Damen des Vereins Pro Kultur sind beschäftigt mit Einpacken, Zettel schreiben, Müll entsorgen.

Im Flur vor der Tür steht ein Stapel alter Kartons: „Bitte entscheiden ob Müll?“ hat jemand dazu geschrieben. Auch an Schränken, Regalen und Möbeln kleben kleine Hinweise. „Zettel zum Einpacken“ oder „Bitte 1. OG MKK“. In einer Woche kommt das Umzugsunternehmen. Es bringt die Bücher an ihren neuen Standort. Dann werden die vier Damen, alle zwischen Anfang 70 und Anfang 80, zum letzten Mal die alte Pächterwohnung an der Buschmühle betreten.

Hilfe für Studenten, Kulturwissenschaftler und Köche

Seit knapp 15 Jahren hatten die Ehrenamtlichen Anfragen und Besuche zu den historischen Büchern koordiniert. Eine lange, eine „wunderbare gemeinsame“ Zeit geht zu Ende, sagt Karin Erkenz. Mittwochvormittags von 10 bis 14 Uhr waren sie vor Ort. Jede Woche. Jahr für Jahr. Es sei denn, eine von ihnen war krank. Sie führten Schulklassen und spontane Besucher durch den Bestand, halfen Studenten, die für ihre Bachelor- oder Masterarbeiten recherchierten. „Das war ein Highlight. Wenn jemand etwas gefunden hat, was er suchte“, sagt Sibylle Ophoven, die Fachfrau am Computer.

Kulturwissenschaftler und Köche nutzen die Sammlung. 13.000 Titel insgesamt in grauen Metallschränken. Bücher, Broschüren, Zeitschriften, Ratgeber, die meisten historisch, viele sehr wertvoll. Es gab Anfragen zu Kuchenbackformen für Lämmer, und immer wieder Rezeptwünsche. Henriette Davidis Möhrenkuchen-Rezept verschickten die Frauen sogar nach Amerika.

Unzählige Erinnerungen im Kochbuchmuseum

Dass sie sich nun von „ihren“ Büchern, trennen müssen, das ist für die Damen das Schlimmste. „Man hofft ja immer noch, es kommt ein Wunder“, sagt Dr. Johanna Jannack. Mit der Lösung, dass sie die Bücher auf Anfrage bestellen können, sind die Ehrenamtlichen nicht glücklich. „Normalerweise stellt ein Museum doch aus. Wir lagern immer weiter ein“, sagt Johanna Jannack bedauernd. „Wir wissen nicht, wie es mit uns weiter geht.“

Sie zeigt auf den großen, grauen Karteikarten-Schrank. „Das ist meine Ecke gewesen.“ Der Holz-Schreibtisch kommt zurück zur Polizei-Puppenbühne nach nebenan, für alles, was darauf liegt, hat sie einen Korb mitgebracht. Die unzähligen Erinnerungen nimmt sie gedanklich mit. Zum Beispiel an die Flohmärkte, bei denen die Damen ausrangierte Titel verkauften und dazu ein kaltes Büfett anboten. Selbst gemacht natürlich. Auch gegenseitig bekochten sie sich ab und zu. Kritik wurde angenommen. „Aber nur konstruktive“, sagt Karin Erkenz schmunzelnd.

Per Du sind die Damen auch übrigens auch nach all den Jahren nicht. „Frau Erdmann, wie heißen Sie mit Vornamen?“, ruft Johanna Jannack noch schnell über den Flur.

Alle Titel werden im Depot der Stadt- und Landesbibliothek eingelagert, bis das Museum in einigen Jahren in den geplanten VHS-Neubau einziehen kann. Die Damen von Pro Kultur sitzen künftig im Museum für Kunst und Kulturgeschichte und nehmen Anfragen an. Die Bücher können dann eine Woche später eingesehen werden.