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Die Polizei warnt in Elternbrief vor Waffen

Jugendliche immer öfter mit Messern bewaffnet?

Nach den tödlichen Messerangriffen von Jugendlichen in Lünen und Hörde wendet sich die Dortmunder Polizei mit einem Brief an Eltern. Ein Schulleiter sagt, welchen Effekt Erwachsene jetzt erzielen müssen.

Dortmund

, 23.03.2018
Die Polizei warnt in Elternbrief vor Waffen

Gedenkstätte für die getötete 15-Jährige in Hörde.(a) schütze © Stephan Schuetze

Mit einem Brief bittet die Dortmunder Polizei die Eltern von Jugendlichen, über „gewaltfreie Verhaltensregeln“ zu sprechen. Anlass dafür sind die tödlichen Angriffe von Jugendlichen mit Messern in Lünen und in Hörde:

Medien zitierten Jugendliche, die behaupteten, dass in ihrer Altersgruppe der Besitz eines Messers „normal“ sei, um sich verteidigen zu können. Auch Kriminalbeamte hörten solche Sätze. Aussagen, die „statistisch nicht nachweisbar“ seien, sagte Polizeihauptkommissar Oliver Peiler am Donnerstag, nachdem der Elternbrief der Polizei per E-Mail über die Stadtelternschaft und die Schulen veröffentlicht worden ist.

Oliver Peiler: „Jugendliche sagen, dass sie bewaffnet seien oder jemanden kennen würden, der bewaffnet sei. Wir haben bei der Polizei das Gefühl, dass Messer öfter verwendet werden als früher, als ein Streit nur mit Fäusten ausgetragen wurde. Aber fest steht auch, dass der Einsatz von Messern kein Schul-Phänomen ist.“

Keine Zahlen über Messer als Tatwaffe

Wie oft Messer bei Gewalttaten eingesetzt worden sind, kann die Polizei nicht sagen. Aktuell erfasst sie nur Schusswaffen als Tatwaffen. Allerdings: Polizisten müssen jederzeit darauf vorbereitet sein, bei einer Kontrolle auf Waffen zu stoßen. Ab Anfang 2019 sollen auch Messer und andere Waffen gezählt werden, sagt Wolfgang Beus vom Innenministerium. Eltern und Schüler sollten wissen, dass Angriff und Verteidigung mit einem Messer „wesentlich schlimmere Folgen haben“, sagt Oliver Peiler. Eine Bewaffnung sei auch deshalb gefährlich, weil sie in einem Konflikt eine Eskalation auslösen könne.

So reagieren Schulen auf den Brief der Polizei

Annette Tillmanns vom Phoenix-Gymnasium in Hörde nimmt den Brief der Polizei zum Anlass, das Thema in die Klassenzimmer zu tragen. „Die Hauptverantwortung sehe ich jedoch bei den Eltern“, sagte sie. Eigentlich sei es eine „Selbstverständlichkeit“, sich nicht zu bewaffnen, meinte sie, „aber ich erlebe immer wieder, dass für mich selbstverständliche Dinge doch thematisiert werden müssen.“

Der Waffen-Hype in den Medien

Der Leiter der Konrad-von-der-Mark-Schule in Hörde, Carsten Schlagowski, hat noch einen anderen Blick: „In den Medien steht, dass viele Jugendliche ein Messer dabei hätten. Wenn man genau nachforscht, entsteht ein anderes Bild: Der Hype in den Medien ist größer als das Problem in der Realität. An unserer Schule gibt es keine Waffengewalt.“ In diesem „sehr sensiblen“ Themenbereich seien unter Schülern auch viele Gerüchte im Umlauf. Man müsse darüber reden.

Der Appell der Polizei an die Eltern sei richtig, meint Jörg Skubinn, Leiter der Marie-Reinders-Realschule in Hörde. Denn nach der Tat in dem Parkhaus in Hörde gehe das Thema an Kindern und Jugendlichen nicht vorbei. Jörg Skubinn: „Jedes Gespräch, das Eltern und wir Pädagogen nach dem Brief der Polizei jetzt mit Jugendlichen führen, ist gewinnbringend, wenn die Schüler dann nachdenken und reflektieren.“

Unaufgeregt reagieren

Natürlich müsse man zur Kenntnis nehmen, dass Messer bei Straftaten benutzt würden. Das könne Sorgen und auch Angst auslösen. Doch jetzt seien alle aufgefordert, „nicht aufgeregt“ zu reagieren. Der Schulleiter weiter: „Die große Mehrheit der Schüler besitzt doch die Kompetenz, einen Konflikt friedlich zu lösen.“

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Laut Kriminalitätsstatistik liegt der Anteil der 14- bis 18-Jährigen unter den Opfern von Straftaten bei 8 Prozent. Eltern können sich bei Fragen und Problemen an das Kommissariat Vorbeugung der Dortmunder Polizei wenden: Tel. 0231 / 1 32 0.
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