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Die Ruhe vor der Evakuierung

Hörde wartet auf Großeinsatz

In Hörde weisen am Samstag nur wenige Dinge auf die Bombenentschärfung hin. Auf der Baustelle, auf der die 1,8 Tonnen-Luftmine liegt, arbeiten Bauarbeiter unter den Augen eines Sicherheitsdienstes. Im benachbarten Kleingarten ist man sich nicht so sicher, ob es am Sonntagabend noch genauso aussieht wie am Samstagmittag.

HÖRDE

, 29.11.2014
Die Ruhe vor der Evakuierung

LKW-Zugmaschinen warten am Samstag vor der Firma TGHM auf Phoenix-West. TGHM produziert unter anderem flüssigen Sauerstoff - auch der muss vor der Entschärfung am Sonntag aus dem Evakuierungsgebiet geschafft werden.

Nein, verraten, wo die Luftmine genau liegt, das will der Sicherheitsdienst nicht. „Hier auf dem Gelände“, sagt einer, er läuft über die Baustelle des Wilo-Werkes. Hier war am Mittwochmittag eine HC 4000 gefunden worden, Spitzname „Wohnblockknacker“. In Dortmund werden, wie im gesamten Ruhrgebiet, immer wieder Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, die HC 4000 ist dennoch eine Besonderheit. Das „HC“ steht für „high capacity“, rund 1,5 Tonnen Sprengstoff verbergen sich in ihrem drei Meter langen und 80 Zentimeter breiten Körper. Luftminen wie diese sollten extreme Druckwellen aufbauen, um in einem kilometerweiten Radius Dächer abzudecken und Fenster zerspringen lassen. Anschließende, durch Brandbomben ausgelöste Feuer, sollten so mehr Sauerstoff bekommen.

Ein junges Ehepaar geht mit Kind und Hund durch die direkt an der Baustelle liegende Kleingartenanlage des Vereins Rombergwiese. „30 Meter hinter unser Laube wurde die Bombe gefunden“, sagt der Mann. Ob sie morgen, wenn die Entschärfung gelaufen ist, noch so stehen wird, wie er sie gerade verlassen hat, da ist er sich nicht sicher. „Ist ja schon eine Menge Sprengstoff drin“, sagt er. Andere Kleingärtner sehen das entspannter. „Wird schon schief gehen“, sagt Manuel, auch seine Laube in Sichtweite zu der Wilo-Baustelle. Er wohnt zwar in Hörde, muss aber am Sonntagmorgen nicht früh raus: Seine Wohnung liegt, anders als sein Kleingarten, nicht im Evakuierungsradius.

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Auf der anderen Seite des Wilo-Werkes liegt Phoenix-West, ein ehemaliger Hochofenstandort. Stahl wird dort schon lange nicht mehr gekocht, aber es gibt noch eine aktive Hinterlassenschaft aus dieser Zeit: TGHM, eine technische Anlage, die aus der Umgebungsluft flüssigen Sauerstoff gewinnt. Früher wurden damit die Hochöfen heißer gemacht, heute wird der flüssige Sauerstoff in alle Himmelrichtungen verkauft. Am Samstag müssen die Flüssigtanks leer gemacht werden. LKW um LKW verlässt das Firmengelände, 47 Transporterladungen werden es letztlich sein, dann ist auch der flüssige Sauerstoff raus aus dem Evakuierungsgebiet.

, die in ihm liegen, Einfamilienhäuser stehen hier genauso wie große Wohnblöcke, die Bundesstraße 54 führt bei Wilo vorbei, sie wird erst kurz vor der eigentlichen Entschärfung abgesperrt.

Schwer zu sagen, das hängt davon ab, wie unproblematisch die Evakuierung verläuft. Rund 17.000 müssen am Sonntag um 9 Uhr ihre eigenen vier Wände verlassen haben. Bereits am Samstagnachmittag verlassen rund 350 Flüchtlinge die Erstaufnahmeeinrichtung Hacheney auf der anderen Seite der B54. In Bussen werden sie abgeholt und nach Unna-Massen gebracht, am Sonntag sollen sie nach der Entschärfung zurückkehren. In die Erstaufnahmeeinrichtung kommen eigentlich rund um die Uhr Menschen, wer zwischen Sonntagmorgen und Sonntagnachmittag ankommt, wird in die Westfalenhalle II gebracht.

Hier stehen dann eh 2000 Plätze bereit für die Menschen, die am Sonntag nicht wissen, wohin sie sollen, wenn sie aus ihren Wohnungen oder Häusern raus müssen. Auch vor einem Jahr, als im Stadtteil Hombruch eine HC4000 gefunden worden war und 22 0000 Menschen ausweichen mussten, war die Westfalenhalle geöffnet worden - es sind Automatismen, die in Dortmund mittlerweile greifen. Wenn auch ziemlich große Automatismen.

Aus ganz NRW werden am Sonntagmorgen Rettungskräfte mit ihren Einsatzkräften zusammenkommen, sie werden sich auf einem Busbetriebshof der DSW 21 sammeln und um 8.30 Uhr eine Einsatzbesprechung haben. Dann wird es noch eine halbe Stunde dauern, bis die Evakuierungszone frei sein müsste. Ab neun Uhr morgen

, wenn sie damit fertig sind, werden auch sie das Gebiet verlassen müssen. Irgendwann wird dann nur noch ein Entschärfer der Bezirksregierung Arnsberg auf der Baustelle stehen. Die Zünder werden auf ihn warten, zwei sogenannte Aufschlag- und ein Membranzünder. Letzterer ist technisch etwas anspruchsvoller. Aber auch für den Experten ist die HC4000 keine Unbekannte.  Vor einem Jahr  hatte er

vor den Fingern. Und in der Zwischenzeit noch einmal an einem anderen Ort im Ruhrgebiet. Und auch damals ging ja alles gut.

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