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Dortmunder Komapatient kehrt aus China zurück

Klaus Diszeratis

Zehn Wochen lang bangte Nathalie Diszeratis um ihren Vater Klaus. So lange lag der 58-Jährige im Koma in einem chinesischen Krankenhaus. Um ihren Vater zurück nach Dortmund zu holen, sammelten Nathalie und ihre vier Geschwister Spenden. Und dann musste plötzlich alles ganz schnell gehen.

DORTMUND

, 25.10.2016
Dortmunder Komapatient kehrt aus China zurück

Klaus Diszeratis mit seinem Enkel Piet (4) bei seinem letzten Besuch im vergangenen Winter in Waltrop. Auch Enkel Phelias (8) freut sich auf seinen Opa.

Um 7.27 Uhr deutscher Zeit hob am Montag der Flieger in Nanjing ab. An Bord des Airbus 340: Komapatient Klaus Diszeratis. Als wir wenig später mit Nathalie Diszeratis telefonieren, zündet sie gerade mit ihrer Familie Kerzen für den Vater an: „Er ist jetzt tatsächlich auf dem Weg nach Dortmund und wir drücken die Daumen, dass alles gut geht.“

Noch vor zwei Wochen war diese gute Nachricht nicht absehbar: Die Spendenaktionen hatten 30.000 Euro eingebracht, eigentlich zu wenig, denn der Krankentransport in einer speziellen Intensivkabine im Flugzeug sollte über 100.000 Euro kosten. Doch der sechsfache Vater hatte unglaubliches Glück – auch wenn es zunächst nicht danach aussah.

Hirnhautentzündung und Lungenentzündung

Der 58-Jährige war in China an einer Hirnhautentzündung und einer Lungenentzündung erkrankt. Er fiel ins Koma. Die Behandlung auf der Intensivstation war teuer, die Krankenversicherung jedoch fehlte, das Geld auch. Zunächst sprang der chinesische Arbeitgeber von Klaus Diszeratis ein und zahlte die Kosten. Die Kinder in Deutschland fürchteten, dass die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt würden, wenn kein Geld mehr fließe. Denn im Ernstfall hätte die Familie die Behandlungskosten nicht übernehmen können. Deshalb setzten sie alles daran, den Vater, seine neue Frau und die gemeinsame dreijährige Tochter so schnell wie möglich nach Deutschland zu bringen.

Dass Klaus Diszeratis nun im Klinikum Dortmund behandelt werden kann, verdankt er nicht nur seinen Kindern. Der chinesische Arbeitgeber konnte nicht länger für die Behandlung zahlen, sagt Nathalie Diszeratis, er habe aber als letzte Hilfe angeboten, den Spendenbetrag für den Transport nach Deutschland aufzustocken. Und als der Ambulanzflugdienst Augsburg von dem Fall hörte, erklärte sich Inhaber Roland Schoberth bereit, den Komapatienten zurückzuholen. „Wir können doch die Angehörigen nicht hängenlassen, nur weil wir daran verdienen wollen,“ sagt Roland Schoberth. 

Deshalb verzichtete er auf seinen Gewinn und arbeitete kostendeckend. Und dafür reichte das Geld. „Die haben uns so geholfen, ohne die hätten wir es nicht geschafft“, sagt Nathalie Diszeratis über die Augsburger. „Wir hatten richtig, richtig Glück.“

Seit anderthalb Jahren nicht gesehen

Ein Arzt des Ambulanzflugdiensts Augsburg und ein medizinischer Flugbegleiter betreuten Klaus Diszeratis während des zwölfstündigen Flugs nach Frankfurt in der Intensivkabine. In der Nacht zu Dienstag soll der Patient mit einem Intensivtransportwagen im Klinikum Dortmund ankommen. Auf der neurologischen Intensivstation wird er schon erwartet – nicht nur von den Ärzten und Pflegern: Seine deutschen Kinder haben den Vater seit anderthalb Jahren nicht mehr gesehen.

„Ich war erst mal Pyjamas für ihn kaufen, weil er ja keine hat“, sagt Nathalie Diszeratis. Sobald die Geräte auf der Station angeschlossen sind, will sie zu ihm gehen, seine Hand halten, mit ihm reden. Wie stark das Gehirn beschädigt ist und ob der Vater wieder aufwacht, weiß niemand, die Chancen, dass er wieder gesund wird, stünden 50:50, sagt Nathalie Diszeratis. Wenn sie an seinem Bett weinen müsse, dann nur vor Erleichterung. „Aber ich bin erst ruhig, wenn seine Frau und meine Halbschwester auch hier sind.“ Für ihren Flug und den Umzug nach Deutschland reichte das Geld nicht. Deshalb sammeln die Kinder weiter Spenden – bis die ganze Familie vereint ist.

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