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Dortmunder verbrachten den Urlaub im Hurrikan

Abenteuerliche Reise

Seit zwölf Jahren verbringen Conny (33) und Andreas Schmidt (37) ihren Urlaub in Florida. Die beiden hätten sich nicht träumen lassen, dass ihre Ferientage in diesem Jahr zu einer abenteuerlichen Flucht vor dem Hurrikan Irma werden würden. Uns haben sie ihre Erlebnisse erzählt.

FLORIDA/DORTMUND

, 18.09.2017

Am vergangenen Donnerstag, als Andreas Schmidt mit seiner Frau Conny am Hotel-Pool in Miami Beach lag, klingelte sein Handy. Am anderen Ende war das Auswärtige Amt. Ob man ihnen helfen könne. „Jetzt nicht mehr, habe ich gesagt. Eine Woche früher wäre es nett gewesen“, berichtete Andreas Schmidt am Sonntag unserer Redaktion. Als das Telefon klingelte, war das Dortmunder Ehepaar nach einer tagelangen Odyssee durch Florida wieder in Sicherheit.

Dabei hatte der Urlaub begonnen wie so viele Urlaube zuvor. Am 30. August waren die beiden zuerst nach Miami geflogen und zwei Tage später mit dem Mietwagen nach Naples an die Westküste weitergefahren. „Ein traumhafter Ort mit einem paradiesischen Strand, sauberes Wasser, fantastische Tierwelt.“ An einen Hurrikan habe er nicht gedacht: „Natürlich weiß man, dass in Florida von Mai bis Oktober Hurrikan-Saison ist, aber Naples hat es zuletzt 1968 getroffen. Dass einen da ein Hurrikan trifft, ist wie ein Sechser im Lotto.“ In diesem Jahr war es soweit.

Das Hotel wurde evakuiert

Die ersten Tage hätten sie gar nicht mitbekommen, dass da ein Monstersturm auf sie zurast. „Das Hotel war voll, der Strand herrlich, 30 bis 35 Grad. Da schaut man nicht auf den Wetterbericht“, erzählt Andreas Schmidt. Am Dienstag der ersten Septemberwoche kam dann der Hotelmanager an den Pool und sagte, dass er wahrscheinlich das Hotel evakuieren müsse, noch sei aber nichts sicher.

Das Hotel leerte sich. Am Donnerstagabend (7. September) waren nur noch acht Gäste im Hotel: zwei Amerikaner, sechs Deutsche: ein älteres Ehepaar aus Hamburg, eine Mutter aus Köln mit ihrer Tochter auf Abi-Reise und eben das Paar aus Dortmund.

Krisensitzung. „Der Hotelmanager sagte uns, dass der Sturm die Ostküste treffen werde. Das Hauptgebäude des Hotels sei sicher. Er werde auch seine Familie holen.“ Andreas und Conny Schmidt waren beruhigt.

Abreisen oder eine Notunterkunft

Bis Freitagmittag. „Wir lagen am Pool, als der Manager hektisch ankam: Hurrikan Irma hatte die Richtung geändert und rase auf Naples zu. Evakuierung. „Wir mussten sofort unsere Sachen packen und raus aus dem Hotel. Wegfahren oder in die Notunterkunft – mehr Optionen gab es nicht“, sagt Andreas Schmidt. „Der Hotelmanager gab uns eine Liste mit Notunterkünften, das war’s. Mehr Hilfe war nicht drin.“

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Sie entschieden sich fürs Wegfahren. In einer Kolonne von drei Autos flüchteten sie nach Norden. Aufgrund der vielen Urlaube, die der Leiter des Reisecenters Hörde hier schon verbracht hatte, hatte Schmidt Ortskenntnisse, vermied die verstopfte Schnellstraße, fuhr über Nebenstraßen ins Landesinnere.

Doch die Hotels, bei denen sie nachfragten, waren hoffnungslos überfüllt. Erst in Arcadia hatten sie Glück. Ein Zimmer war gerade storniert worden. „Wir nahmen das Zimmer“. Das heißt: alle sechs Deutsche zusammen in einem Zimmer mit einer Matratze auf dem Boden und einer reingequetschten Schlafcouch. „Das Hotel war hoffnungslos überfüllt. Es gab extrem viele Hunde und Katzen, die die geflüchteten Amerikaner mitgebracht hatten.

Dann begann das große Warten auf den Sturm, der dann am Sonntagabend kam. Zunächst versammelten sich alle in der Hotellobby, doch als der Sturm das Vordach des Hotels abbrach, wurde das zu gefährlich. Der Strom fiel aus. Alle mussten auf ihre Zimmer. Mit der Matratze schützten sie das Fenster vor dem Sturm. Irma wütete, dann gegen Mitternacht war es plötzlich still: „Wir waren im Auge des Hurrikans, für eine halbe Stunde absolute Stille. Unheimlich.“

Der zehnte Hochzeitstag im Auto

Dann brach der Sturm erneut los. Erst am nächsten Morgen, am Montag (11. September), ließ er nach. Sie mussten das Hotel verlassen: „Das war jetzt in einem katastrophalen Zustand, muss erst renoviert werden.“ Im Autokonvoi machten sie sich auf die Suche nach einem Hotel. Hoffnungslos. Irgendwann trennten sich die drei deutschen Paare, jeder versuchte es auf eigene Faust. Andreas und Conny Schmidt fuhren Richtung Miami. Wasser, Essen und Benzin waren knapp. „Drei Tage haben wir nur von Kräckern und Chips gelebt. Am einzigen McDonalds stand eine kilometerlange Schlange.“

Die Nacht zu Dienstag verbrachten die beiden auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums: „Es war unser zehnter Hochzeitstag. Den werden wir sicher nie vergessen.“ Erst am Dienstagnachmittag fanden sie ein Hotel in Miami Beach. „Wir machten drei Kreuze. Endlich wieder Strom, Essen und ein Zimmer für uns alleine“, sagt Andreas Schmidt. Dort verbrachten sie noch einige schöne Tage – unterbrochen nur vom Anruf des Auswärtigen Amtes, bevor es am Samstag zurück nach Dortmund ging.

Späte Reisewarnung
  • Eine Reisewarnung für Florida gab das Auswärtige Amt erst im Verlauf des Freitags (8. September) raus. Erst dann konnte man eine Reise dorthin kostenfrei stornieren.
  • Die Folge, so berichtet Andreas Schmidt: „Noch am Freitagmorgen trafen neue Gäste an unserem Hotel ein, das dann gleich evakuiert wurde. Das geht doch gar nicht.“

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