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Ein Start-Up aus der City macht die Welt mobiler

Fleetbird vermittelt Elektro-Scooter an Jedermann

In zwei kleinen Büroräumen in der Innenstadt sitzt ein junges Unternehmen, das Elektro-Scooter für Jedermann schnell verfügbar macht. Fleetbird heißt es. Philip Müller ist einer der Gründer.

Dortmund

, 08.04.2018
Ein Start-Up aus der City macht die Welt mobiler

Philip Müller ist Gründer und Gesellschafter des Start-Ups Fleetbird, das in kleinen Büroräumen in der Innenstadt sitzt und Kunden auf der ganzen Welt hat. © Michael Nickel

Dieser Wert ist so abstrakt, aber doch sagt er viel über das Unternehmen aus: 143,2. Das ist die Zahl der Erdumrundungen von Fahrzeugen, die mithilfe der Fleetbird-Software bewegt werden. 143 Mal um den Globus? Kann man sich gar nicht richtig vorstellen, ist aber ziemlich viel.

Dieses Start-Up namens Fleetbird – frei übersetzt „Flotten-Vogel“ oder „der flotte Vogel“ – sitzt in der Dortmunder City. Im ehemaligen RAG-Hochhaus an der Hansastraße arbeiten zwei Chefs und elf Mitarbeiter in zwei kleinen Büroräumen daran, die Welt mobiler zu machen. Einer der Chefs ist Philip Müller: Seit ein paar Wochen 30 Jahre alt, frisch verheiratet, schon mehrere Unternehmen aufgebaut. Während der Abi-Zeit hat er in Hagen einen Cocktail-Catering-Service gegründet, war damit auf Abi-Feiern und auf Weihnachtsmärkten unterwegs.

Schon mehrere Start-Ups gegründet

Dann ging es nach Dortmund an die TU zum Studium der Wirtschaftswissenschaften, zwischendurch ein Semester in den USA. Danach folgten Start-Ups in Hamburg und Berlin, wo er mit zwei Mitstreitern ein Online-Spiel und eine Dating-Plattform veröffentlicht hat. Bei dem einen Projekt fehlte am Ende die Finanzierung, beim anderen kehrte Philip Müller ins Ruhrgebiet zurück. An der Uni Witten-Herdecke bastelte er an seinem Bachelor-Abschluss in Business Economics, zwischendurch arbeitete er als Berater für digitale Geschäftsmodelle, half Unternehmen bei deren Suchmaschinenoptimierung, beim mobilen Marketing und der Tracking Analyse.

„Ich bin unternehmerisch begeistert und getrieben von Geschäftsideen“, sagt Philip Müller. Wenn er mit seiner Frau in Restaurants gehe oder auch nur zum Minigolf, dann analysiere er alles. Wie viele Leute arbeiten hier? Wie funktionieren die Abläufe? Fragen, die sich der 30-Jährige stellt.

Fleetbird baut eine Grund-Software

Und Fragen, die ihn antreiben. „Ich habe an mich selbst den Anspruch, innovativ zu sein. Mit neuen Ideen kann man etwas verbessern und Arbeitsplätze schaffen.“ Genau das versucht Müller seit ziemlich genau einem Jahr gemeinsam mit Benjamin Krüger, dem Hauptgesellschafter von Fleetbird. Der Gedanke hinter dem Start-Up: Fleetbird baut eine Grund-Software, die von großen Unternehmen gekauft wird. In diesem Beispiel sind es x-beliebige Stadtwerke. Mithilfe der Software vermitteln diese Stadtwerke dann nach dem Car-Sharing-Prinzip Fahrzeuge, die sie in ihrer Flotte haben – vornehmlich Elektro-Scooter.

Mit einer App können sich nun Menschen, die gerne flexibel und vor allem umweltfreundlich auf einem Roller unterwegs sein wollen, die verfügbare Flotte der Stadtwerke anzeigen lassen.

Fleetbird gibt es auch in Belgien, den Niederlanden und den USA

Die App führt einen direkt zum nächstgelegenen Roller, zeigt die Entfernung und den Akkustand des Elektrofahrzeugs an. Buchen, draufsetzen, fahren, abstellen. Hinterher wird abgerechnet. In Berlin ist Fleetbird 2016 zum ersten Mal auf die Straße gegangen. Mittlerweile bietet das Start-Up die Software für Car-Sharing-Angebote in 25 Städten auf der ganzen Welt an.

Fleetbird gibt es in Deutschland, Spanien, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz, den USA, Kanada, im Libanon, bald auch in Frankreich und Italien. „Und wir haben Anfragen aus Slowenien, Japan und Indien“, sagt Philip Müller. Klingt nach viel Arbeit und ist auch viel Arbeit. Das alles ohne Garantie auf langfristigen Erfolg. „Man kann nie sicher sein, dass es klappt“, sagt Philip Müller.

Unablässig sei eine „gesunde Form von Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen Tun“. Dabei gilt es nicht nur, das eigene Handeln im Blick zu behalten, sondern auch die Konkurrenz. „Es gibt große Player, die eigene Plattformen planen.“ Deren Gedanke: Warum Geld an Fleetbird zahlen, wenn es womöglich reicht, ein paar Programmierer einzustellen und selbst etwas Ähnliches zu machen?

2016 die ersten E-Scooter auf Berliner Straßen gebracht

Die Geschichte von Fleetbird reicht bis ins Jahr 2011 zurück: „Wir haben damals eine Mini-GmbH gegründet, aber nie etwas gemacht.“ Mit „wir“ meint Philip Müller seinen Geschäftspartner Benjamin Krüger – einer der Mitstreiter aus der Hamburger und Berliner Zeit. Kennengelernt haben sich die beiden über einen Bekannten aus Prenzlauer Berg als alle drei auf der Suche nach Jungs zum Gründen waren. „2014 habe ich meine Anteile an Benni verkauft“, sagt Philip Müller. Krüger hat im Anschluss das stillgelegte Unternehmen wieder hervorgeholt, die Software von Fleetbird auf den Weg und damit 2016 die ersten E-Scooter auf Berliner Straßen gebracht. Das Unternehmen ist gewachsen.

Im März 2017 bekam Philip Müller einen Anruf seines ehemaligen Weggefährten. Er bräuchte Unterstützung bei Fleetbird, sagte Benjamin Krüger am Telefon. Seit November ist Philip Müller wieder Gesellschafter des Unternehmens. „Wir sind profitabel, haben keinen Investor und sind unabhängig“, sagt er. Gewachsen sei das Unternehmen in den vergangenen Monaten extrem. Innerhalb eines Jahres hat sich die Flotte von 300 Fahrzeugen auf mittlerweile über 3000 verzehnfacht. Und diese Flotte hat es mittlerweile 143 Mal rund um den Globus geschafft.

Shuttle-Service in Planung

Und die Pläne gehen weiter. Warum nicht einen Shuttle-Service anbieten? Ein Fahrzeug, ein Fahrer, ein Ziel und drumherum Menschen mit einer App, die in dieselbe Richtung wollen und dann dank eines intelligenten Algorithmus‘ aufgesammelt und ans Ziel gebracht werden. „Der Endgegner“, wie Philip Müller es sagt, also die größte Herausforderung und das langfristige Ziel: eine Plattform für autonome Flotten.

Bis es so weit ist, dreht die Fleetbird-Flotte ihre Bahnen um den Erdball. Ach ja: Eine Runde um den Äquator ist übrigens 40.000 Kilometer lang.

Fleetbird sitzt in einem sogenannten Co-Working-Space im ehemaligen RAG-Gebäude an der Hansastraße 95. Dort gibt es flexibel buchbare Büro- und Arbeitsplätze. Fleetbird richtet sich nicht direkt an die Endkunden.
www.fleetbird.com
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