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Envio-Produktionsleiter erhebt schwere Vorwürfe

Prozess

Schwere Vorwürfe im Envio-Prozess: Ein Ex-Produktionsleiter sagte am Dienstag im Prozess zum Umweltskandal aus. Er erhob schwere Vorwürfe gegen die Geschäftsführung.

DORTMUND

von Von Martin von Braunschweig

, 15.01.2013
Envio-Produktionsleiter erhebt schwere Vorwürfe

Envio Interview / PCB Belastung im Hafen [Foto: Dieter Menne, RN Datum: 23.08. 2010]

Der Zeuge sagte, Sicherheitsvorschriften seien nicht ernst genommen, Missstände ignoriert worden. Früher haben sie Seite an Seite malocht: der eine als Schweißer, der andere als direkter Vorgesetzter. Geduzt haben sie sich trotzdem immer. Und das war auch am Dienstag so, als sie sich im Landgericht wiedersahen: der eine als Zeuge, der andere als Angeklagter im Prozess um einen der größten Umweltskandale Deutschlands. Mt Klaus-Peter Nowacki (52) hatten die Richter der 35. Strafkammer erstmals einen Zeugen geladen, der ihnen unmittelbar Auskunft über die Arbeit bei Envio geben konnte. Und das, was der 52-Jährige sagte, klang genauso erschütternd wie die Vorwürfe, die Einzug in die Anklageschrift gehalten haben.

Sicherheitsbestimmungen seien nur sehr lax befolgt worden, Hinweise auf mögliche Missstände ignoriert, Besserungen des Betriebsablaufs auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben worden. Einmal, erinnerte sich Klaus-Peter Nowacki, habe er um einen neuen kleinen Sauger für die Entsorgungseinheit gebeten.Nachdem er sich im Katalog ein Modell ausgesucht habe, habe es plötzlich geheißen, der Sauger müsse aber die Klassifikation H 7 erfüllen. „Ich habe erst blöd geguckt, da haben sie mir erklärt, das bedeutet, dass der Sauger auch mit Asbest fertig werden muss. Da habe ich sie angeguckt und gefragt: Wenn der kleine H 7 das erfüllen muss, warum dann eigentlich nicht alle anderen auch?“ Eine Antwort habe er nicht erhalten.

Stattdessen erhielt Nowacki im Sommer 2007 die fristlose Kündigung. Es gebe den „Verdacht einer erheblichen Vertragsverletzung“, las er in dem Schreiben. Er werde sofort vom weiteren Dienst freigestellt und erhalte Hausverbot für das gesamte Werksgelände. Wenn er noch persönliche Sachen im Spind habe, solle er einen Abhol-Termin vereinbaren. Später erfuhr er, die Chefs würden ihm vorwerfen, er habe Schrott vom Firmengelände auf eigene Faust weiterverkauft. Und? Hat er? „Nein“, sagt der Zeuge. Das Strafverfahren ist von der Staatsanwaltschaft inzwischen eingestellt worden.

Trotzdem wollte er auch danach nicht mehr zu Envio zurück. Vor dem Arbeitsgericht willigte er in eine fristgerechte Kündigung ein und ging. „Ich wollte nur noch weg von der Scheißbude“, sagte er gestern und wirkte dabei immer noch sichtlich verärgert.    

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