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Feuerwehr bereitet Bürger auf Atom-Unfall vor

Katastrophenschutz

Weil gefährliche Strahlen nach einem Unfall in den Atomkraftwerken Tihange in Belgien und Lingen im Emsland schon innerhalb von zwei Stunden auch Dortmund erreichen können, lässt die Feuerwehr im nächsten Jahr spezielle Tabletten verteilen. Aber nicht alle Bürger bekommen sie. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

DORTMUND

, 08.12.2016
Feuerwehr bereitet Bürger auf Atom-Unfall vor

Peter Drupp, Apotheker am Klinikum Dortmund, zeigt eine Kiste mit den Kaliumiodid-Tabletten, deren Wirkstoff bei einem Strahlenunfall die Schilddrüse "besetzen" und vor den Strahlen beschützen.

Warum ist das Thema aktuell?

Nach dem Erdbeben mit der Nuklearkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im Jahr 2011 und durch Mängel in dem belgischen Kernkraftwerk Tihange sind Katastrophenschützer sensibler geworden. Mit der Folge, dass der Schutz der Bevölkerung für den Fall eines Atomunfalls verbessert werden soll.

Wie wäre Dortmund bei einem Reaktorunglück betroffen?

Das Kernkraftwerk Lingen im Emsland liegt 100 Kilometer, das Kernkraftwerk Tihange in Belgien 240 Kilometer von Dortmund entfernt. Treten mit Strahlen belastete Partikel nach einer Explosion aus den Reaktoren aus, kann der Wind diese Partikel verteilen. Bei Nordwind mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h würden belastete Partikel nach einem Unfall in Lingen die Stadt Dortmund innerhalb von 120 Minuten erreichen. Bei einem Ereignis in Tihange wäre Dortmund bei Westwind betroffen – das ist die vorherrschende Windrichtung.

Was ist neu im Katastrophenschutz bei einer atomaren Gefahr?

Um jedes Atomkraftwerk sind schon vor Jahren „Zonen“ gezogen worden: Die Zentralzone, die Außenzone und die Fernzone. Bisher lagen Mengede und Nachbarstadtteile im Dortmunder Nordwesten in der Außenzone des Atomkraftwerks Lingen. Deshalb lagerten 39.000 Kaliumiod-Packungen in Dortmund, um die Bürger im Nordwest-Bezirk versorgen zu können. Jetzt ist die Gefahrenzone neu berechnet worden, so dass auch die Bürger aller Stadtbezirke mit den schützenden Tabletten zu versorgen sind. Im November sind deshalb weitere 485.000 Pillen in der Apotheke des Klinikums eingelagert worden.

Wer erhält die Tabletten?

Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene, die nicht älter als 45 Jahre sind.

Was ist mit denen, die älter als 45 sind – sollen die an den Folgen der Strahlenbelastung sterben?

Laut Feuerwehr-Chef Dirk Aschenbrenner können die Nebenwirkungen der sehr hochdosierten Kaliumiodid-Tabletten heftiger sein als die Schäden, die von den Strahlen angerichtet werden.

Wie wirken die Kaliumiodid-Tabletten?

Das „gute“ Kaliumiodid blockiert die Schilddrüse, sodass das „böse“ Iodid in den Strahlen darin keinen Platz mehr hat. Die Schilddrüse ist lebenswichtig für den Stoffwechsel. Iodid ist jetzt schon in Medikamenten enthalten. Laut Apotheker Peter Drupp vom Klinikum Dortmund aber in deutlich geringerer Dosis als bei der 65-mg-Tabletten für den Atom-Ernstfall. Einnehmen sollen die Bürger die Pillen nur im Ernstfall.

Wie verteilt die Feuerwehr die Tabletten?

Für die Logistik will sie alle Dortmunder Apotheken gewinnen, denn die Empfänger müssen zu Risiken und Nebenwirkungen beraten werden. Die Bürger, die über die Apotheken ihre Tabletten bekommen sollen, erhalten im nächsten Jahr einen Bezugsschein, den sie in einer Apotheke vorlegen müssen.

Ich bin über 45 Jahre – und will trotzdem diese Tabletten haben. Wie ist da dran zu kommen?

De Tabletten sind apothekenpflichtig. Apotheker Markus Mießner von der Petri-Apotheke in der Potgasse am Westenhellweg: „Wir können die Tabletten beim Großhandel bestellen. Sie sind aber nur begrenzt lieferbar. Einige Packungen haben wir im Vorrat.“ Laut Markus Mießner steigt die Nachfrage nach Atom-Unfällen sprunghaft an. Die Verteilaktion durch den Katastrophenschutz könne nun eine weitere Nachfragewelle auslösen, weil nicht alle Bürger den Bezugsschein erhalten. Wer älter als 45 Jahre ist, sollte sich vorher gut informieren.

Wie erfährt die Feuerwehr von einer atomaren Katastrophe?

Innerhalb von Minuten über automatische Meldewege. Die Informationskette beginnt im Atomkraftwerk und führt über das Bundesamt für Strahlenschutz bis in die Leitstellen der Feuerwehren in allen deutschen Städten.

Wie erfahre ich als Bürger vom Ernstfall?

Aufmerksam die Medien verfolgen, auf dem Smartphone die Alarm-App NINA installieren und „Dortmund“ als Ort eingeben.

Kann die Dortmunder Feuerwehr solche Strahlen auch selber messen?

Ja. Sie setzt spezielle Messgeräte und Fahrzeuge ein. In Lichtendorf steht eine geschützte Messstation, die permanent die Radioaktivität misst und die Daten an eine Zentrale sendet.

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