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Fröhliche Leihnachten

DORTMUND Pfandleihhäuser haben im Dezember Hochkonjunktur. Die einen brauchen Geld, um in der Zeit des Schenkens andere zu beglücken, die anderen lösen mit ihrem Weihnachtsgeld verpfändete Gegenstände aus.

von Von Bianca Belouanas

, 19.12.2007
Fröhliche Leihnachten

<p>Erika Gernhardt und Stellvertreter Claus-Rüdiger Pfeiffer lagern in den Regalen alles vom Nerzmantel bis zur Hifi-Anlage.</p>

Mit Kennerblick prüft Erika Gernhardt (65), Chefin im Pfandleihhaus "Grüne" an der Hansastraße, die wertvolle IWC-Uhr, die ein 25-jähriger Kunde versetzen möchte. "5000. Wie immer in 500-er Scheinen", verlangt er hinter der Panzerglasscheibe - ein Viertel des Gesamtwertes. Wofür er das Geld braucht, verrät er nicht. Doch 1999, so erinnert er sich, habe er schon einmal eine Uhr für rund 4000 Euro im Leihhaus versetzt, um davon "Weihnachtsgeschenke für Frau und Kinder" kaufen zu können.

Kein Einzelfall, glaubt Gernhardt, deren langjährige Erfahrung sie aber auch lehrt, dass die Bestände im rund 700 Quadratmeter großen Lager gerade im Monat der Weihnachtsgeld-Auszahlungen in aller Regel leicht abnehmen. "Zum Fest wollen die Leute ihren Schmuck zurück", sagt sie.

Ansonsten seien es vor allem Beerdigungen, die die Menschen ins Pfandhaus treiben. "Die versuchen dadurch die Zeit zu überbrücken, bis die Versicherung zahlt", sagt die Chefin. Aber auch pompöse Hochzeiten würden des öfteren mit Pfandhaus-Geldern finanziert. "Teilweise haben die Leute uns schon kiloschwere Gürtel aus purem Gold oder Kronen vorbei gebracht", erinnert sich die 65-Jährige.

Manuel Alonso (47), Chef des gleichnamigen Leihhauses an der Brückstraße 56, hat beobachtet, dass sich die Anzahl ein- und auslösender Gruppen im Dezember "ungefähr die Waage hält". Allerdings kämen zur Stammkundschaft im Dezember "viele Kunden dazu, die sich sonst nie oder nur einmal im Jahr im Pfandhaus blicken lassen", so der Alonso-Chef.

Ob Schmuck, Hifi-Geräte oder gar Autos und Motorräder: "Die Leute versetzen einfach alles", sagt der 47-Jährige. "Hilft ja auch nix. Wenn man dem Schätzeken die Rolex unterm Baum versprochen hat, muss der Porsche eben dran glauben", sagt er.

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