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Gestaltung der Gabionenwand irritiert die Politik

Gabionenwand B54

Zwischen irritiert und empört bewegen sich die Reaktionen der Politik zur neugestalteten Gabionenwand an der B54. Mit dem Ergebnis sind die meisten zufrieden – mit der Art und Weise nicht.

Dortmund

, 11.07.2018
Gestaltung der Gabionenwand irritiert die Politik

Graffiti schmücken die Gabionenwand. © Dieter Menne

Wer entscheidet über Gestaltungsmaßnahmen wie die der Gabionenwand an der B54? Der Ausschuss, der Rat oder der Oberbürgermeister? Diese Frage stellte der Bürgerdiensteausschuss in seiner Sitzung am 10. Juli in den Raum. Denn die Gestaltung der „Problemwand“ über dem Schondelle-Bach fiel deutlich anders aus, als der Ausschuss nach langen Diskussionen und mehreren Anläufen beschlossen hatte.

Große Lösung ersetzt geplante Bepflanzung

Eigentlich sollte die wiederholt beschmierte Steinwand in der Nähe des Rombergparks lediglich neu bepflanzt werden. Stattdessen überraschte eine große Lösung mit künstlerischer Gestaltung, Tausenden neuen Pflanzen und Umzäunung die Mitglieder des Ausschusses. Im Vorfeld hatte es dazu sogar einen künstlerischen Wettbewerb gegeben. 367.000 Euro hat die von der Stadtentwässerung umgesetzten Gesamtgestaltung nach Angaben der Verwaltung gekostet.

„Das ist der Knaller“

„Warum wurde der Ausschuss nicht mit ins Boot geholt?“, fragen die politischen Vertreter. „Noch im Januar war klar, dass die besprochene kleine Lösung ausreicht“, hielt Susanne Noritzsch von der Fraktion FDP/Bürgerliste fest. Auch Svenja Noltemeyer, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen betonte: „Wir würden uns wünschen, dass so etwas nicht vorkommt.“

Die Linken/Piraten finden deutlichere Worte: „Wir hatten beschlossen, für die Gestaltung nicht viel Geld auszugeben. Und dann der Knaller“, empörte sich Ratsmitglied Thomas Zweier. Die Investition von 367.000 Euro in „ein bisschen Graffiti-Schmiererei“ bezeichnet er als unerträglich und setzt sie ins Verhältnis zu den mühsam durchgefochtenen Zuschüsse für die gesamte freie Kulturszene in Höhe von 250.000 Euro.

„Unsere Fraktion ist erschüttert, wie da leichtfertig an den Gremien vorbei viel Geld ausgegeben wird.“ Friedrich Fuß, Bündnis90/Grüne, fragt nach der rechtlichen Situation: „Kann der OB eine Entscheidung des Ausschusses aushebeln?“

Gewünschter Effekt ist eingetreten.

Ausschussvorsitzende Christiane Krause, CDU, bittet darum, „den Ball flach zu halten“. Schließlich hätte es keine erneuten Schmierereien gegeben. „Wenn es so bleibt, bin ich glücklich, das Thema nicht in jedem zweiten Ausschuss neu diskutieren zu müssen.“ Denn zuvor war die an der Einfahrtsstraße in die City gut einsehbare Wand ein Dauerthema gewesen. „Das Ding ist gut geworden“, stellt Friedrich-Wilhelm Weber (CDU) fest.

Der Anstoß für die üppige Maßnahme kam nach Aussage von Christiane Krause von Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Er habe ihr am Rande einer Veranstaltung die Idee mitgeteilt, eine Künstlergruppe bei der Gestaltung mit einzubeziehen. Sie habe aber keineswegs grünes Licht dafür gegeben, wie jetzt suggeriert werde.

Mehraufwand sei gerechtfertigt

Für das beklagte Informationsdefizit konnte Dr. Christian Falk, Chef des städtischen Entwässerungsbetriebs, keine Erklärung geben. Er relativierte aber die investierte Summe. Angesichts von 7 Millionen Euro Gesamtinvestition für die Offenlegung des Gewässers - davon 5 Millionen Euro Landesförderung - seien die 367.000 Euro ein „angemessener Mehraufwand“. Die Reaktionen seien positiv, die meisten Besucher sähen in der künstlerischen Gestaltung einen Blickfang. „Der erhoffte Effekt, dass die Szene das Graffiti achtet, ist eingetreten.“

Dabei wollen es die Mitglieder des Ausschusses jetzt auch leicht zähneknirschend belassen. Dirk Goosmann, SPD, fasste zusammen: „Wir machen jetzt den Deckel drauf. Aber in der Zukunft möchte ich nicht, dass Beschlüsse so nonchalant aus dem Weg geschafft werden.“

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