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Gesuchter Anis Amri lebte zeitweise in Dortmund

Nach Anschlag in Berlin

Der wegen des LKW-Anschlags auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin gesuchte Anis Amri hatte engere Kontakte nach Dortmund. Der terrorverdächtige Tunesier lebte zumindest phasenweise in einer Wohnung in der östlichen Innenstadt. Mehrere Anwohner erkannten Amri am Mittwoch auf einem Foto wieder.

DORTMUND

, 21.12.2016
Gesuchter Anis Amri lebte zeitweise in Dortmund

In diesem Haus in Dortmund fand Anis Amri zumindest zeitweise einen Unterschlupf.

Anis Amri hatte laut den Zeugen phasenweise bei dem Deutsch-Serben Boban S. und dessen Lebensgefährtin Unterschlupf gefunden. Zuletzt wurde er von den Zeugen in Dortmund vor rund zehn Monaten gesehen.

Boban S. seinerseits sitzt seit dem 8. November in Haft, laut der Generalbundesanwaltschaft steht S. gemeinsam mit vier weiteren Männern in dringendem Tatverdacht, die terroristische Vereinigung Islamischer Staat (IS) unterstützt zu haben.

Regelmäßige Zusammenkünfte

In der Wohnung von Boban S. fanden bis zum August 2016 laut Nachbarn immer donnerstags regelmäßig geschlechtergetrennte Zusammenkünfte statt. Durch das gekippte Fenster habe man immer mal wieder Satzfetzen verstanden, oft seien Worte wie Koran, IS oder „Kuffar“ (Ungläubige) gefallen.

„Wir dachten, wir hätten uns verhört“, so ein Anwohner am Mittwoch. Diese Zusammenkünfte fielen nicht nur den Nachbarn auf: Am 10. August gab es die erste Hausdurchsuchung bei Boban S., danach seien die Besuche weniger geworden.

Zeugen erkennen Anis Amri

Unter den Besuchern in der östlichen Innenstadt muss zumindest zeitweise der gesuchte Amri gewesen sein, das geben unabhängig voneinander vier Zeugen an, die den gesuchten Tunesier gestern auf einem unverpixelten Foto wiedererkannt haben wollen. Merkwürdig sei gewesen, dass obwohl Amri nicht nur kurzfristig vor Ort war, er dennoch Boban S. konsequent gesiezt habe.

Der vor vier Jahren zum Islam konvertierte Boban S. und damit auch Amri bewegten sich im fundamental-salafistischen Netzwerk um den Prediger Abu Walaa, dessen richtiger Name Ahmad Abdelazziz A. lautet. S., dem nach Informationen unserer Redaktion vor mehreren Monaten der deutsche Pass aufgrund seiner radikalen Aktivitäten entzogen worden war, wurde im November inhaftiert.

Neuer Lebensmittelpunkt in Berlin

Zu dem Zeitpunkt, genauer seit Februar 2016, hatte der laut NRW-Innenminister Ralf Jäger „hochmobile“ Amri bereits seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin verlegt. Laut dem Innenminister habe sich Anis Amri nach diesem Zeitpunkt nur noch einmal kurz in NRW aufgehalten. Wo das war, sagte Jäger nicht. Amri wird nach dem Anschlag von Berlin gesucht, unter einem Sitz des für die Terrorfahrt benutzen LKW sollen Dokumente von ihm gefunden worden sein.