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Gutachter im BVB-Prozess: Bomben waren nicht beherrschbar

BVB-Attentat

Die Hängepartie ist vorbei: Im BVB-Prozess am Landgericht ist am Donnerstag der vielleicht entscheidende Gutachter vernommen worden. Dessen Ausführungen dürfen Sergej W. kaum gefallen haben.

Dortmund

, 20.09.2018 / Lesedauer: 3 min
Gutachter im BVB-Prozess: Bomben waren nicht beherrschbar

Der Angeklagte Sergej W. am Donnerstag im Landgericht. © Martin von Braunschweig

Karl-Elmar Straßburger arbeitet seit 28 Jahren am Fraunhofer Institut. Als Physiker hat er sich auf den Bereich Ballistik konzentriert. Wenn eine Bombe explodiert ist, kann der Experte relativ exakt bestimmen, mit welcher Geschwindigkeit die Splitter durch die Luft geflogen und mit welcher Energie sie auf ihr Ziel aufgetroffen sind.

Anhand der Akten hat sich der 54-Jährige auch mit den drei Bomben beschäftigt, die Sergej W. im April 2017 vor dem Mannschaftshotel des BVB gezündet hat. Sein Fazit: "Es waren eher schwache Detonationen", so Straßburger. Er gehe davon aus, dass nicht der gesamte Sprengstoff wirksam umgesetzt worden sei.

Sergej W.s Aussage sei wenig nachvollziehbar

Daraus nun den Schluss zu ziehen, dass die Bomben nicht gefährlich gewesen sind, wäre nach Ansicht von Straßburger jedoch grundfalsch. Denn natürlich könnten auch Metallstifte mit der von ihm errechneten Aufprallenergie "schwere und sogar tödliche Verletzungen" hervorrufen, sagte er. Wäre Marc Bartra im Inneren des Mannschaftsbusses nicht am Arm, sondern an der Halsschlagader oder im Auge getroffen worden, "wäre es richtig problematisch geworden", so Straßburger.

Als wären diese Ausführungen noch nicht genug, musste der Angeklagte Sergej W. während der Befragung des Gutachters einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Seine Behauptung, er habe die Sprengsätze bewusst so gebaut und ausgerichtet, dass es zu keinen nennenswerten Schäden kommen konnte, hält Karl-Elmar Straßburger für wenig nachvollziehbar.

"Solche Bomben sind für einen Laien nicht beherrschbar"

Mehrmals sagte der Physiker am Donnerstag: "Solche Bomben sind für einen Laien nicht beherrschbar." Man könne sich im Vorfeld noch so viele Gedanken über Ausrichtungswinkel oder die Menge des Sprengstoffs machen, am Ende könne man trotzdem niemals sicher sagen, wohin die Splitter fliegen. "Man kann nicht gewährleisten, dass man nicht auch Objekte trifft, die man eigentlich gar nicht treffen wollte", so der Sachverständige.

Bei dieser Einschätzung fühlt sich der Gutachter von den Tatsachen bestätigt. "Der Bus ist ja getroffen worden", sagte Straßburger. Und die Splitter, die in die am Straßenrand abgestellten Pkw eingeschlagen seien, "wären ja auch in den Bus gegangen, wenn die Autos da nicht gestanden hätten".

Nach dem Gutachten sind die Richter nun im Wesentlichen mit ihrem Programm durch. Bis zu einem möglichen Urteil werden dennoch noch einige Wochen vergehen. Zwei Prozessbeteiligte wollen noch Urlaub machen. Eine Entscheidung ist daher nicht vor Ende Oktober oder Anfang November zu erwarten.

Die Staatsanwaltschaft sieht dem Urteil seit Donnerstag noch entspannter entgegen. "Das Gutachten hat uns in unserer Sicht der Dinge bestärkt", sagte Oberstaatsanwalt Carsten Dombert.

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