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Hand in Hand mit Marco Reus

Traum wird wahr: BVB-Einlaufkind

BVB gegen HSV am vergangenen Samstag: Ein Auftritt vor 81.360 Zuschauern. Eine Kulisse, die weiche Knie macht. Nicht bei Milo Kontny. Aber Herzklopfen hatte der Neunjährige neben Marco Reus dann doch. Es war ein krankes Herz, das da klopfte.

DORTMUND

, 11.02.2018
Hand in Hand mit Marco Reus

Der große Augenblick: An der rechten Hand von Marco Reus läuft Milo Kontny am Samstag in den Signal Iduna Park ein. © BVB/Alexandre Simoes

In dem Moment des Einlaufens „seiner Mannschaft“ war für Milo nichts so weit weg wie die schwere Erkrankung, die sein junges Leben bedroht. Erst Tage vorher hatte Milo erfahren, dass es für ihn am Samstag zum allerersten Mal ins Stadion geht.

An der Hand seines Lieblingsspielers

„Boah, dann sehe ich ja den Reus“, hatte er seine Mutter angestrahlt. Auch Mama Magdalena Kontny war aus dem Häuschen. Vor 20 Jahren hatte die 33-Jährige zuletzt an der Hand ihres Vaters im einstigen Westfalenstadion gestanden.

Träume können wahr werden, wenn viele am gleichen Strang ziehen. Um diese Erfahrung ist das kleine große Kämpferherz Milo jetzt reicher. Ein Gönner mit Dauerkarten-Besitz im VIP-Bereich, Torsten Stächelin, Geschäftsführer der Kälte-Klimatechnik-Firma Ciecon, hatte von der äußerst seltenen Erbkrankheit, an der Milo Kontny leidet, in dieser Zeitung gelesen und Kontakt zur Mutter aufgenommen.

„Freuen“ wäre untertrieben

Ob sich Milo denn über einen Stadionbesuch freuen würde? Und ob! Wer von Freuen spricht, untertreibt mächtig. Milo schickte dem Geschäftsmann spontan ein Video, um sich zu bedanken.

Thorsten Stächelin sprach mit der BVB-Stiftung „leuchte auf“. In Kooperation mit dem Verein Special Olympics, der die Stiftung bei der Auswahl von Einlaufkindern mit Handicap hilft, war der Traum-Termin für den jungen BVB-Fan aus Wickede ganz schnell eingestielt.

Beim Trampolinspringen Blut gespuckt

Da ahnte Milo noch nichts davon, dass er ausgerechnet mit seinem Lieblingsspieler Marco Reus ins Stadion einlaufen würde. Selbst Fußball zu spielen, so wie andere Jungs in seinem Alter, das wäre fein. Aber Milos Herz setzt dem Jungen Grenzen. „Beim Staffel-Lauf in der Schule schafft mein Kind nicht einmal eine Runde“, sagt Mama Magdalena.

Beim letzten Sport auf dem Trampolin in Opas und Omas Garten spuckte ihr Sohn plötzlich Blut und landete wieder einmal in der Notaufnahme.

SIOD, eine äußerst seltene Erbkrankheit

Milo trägt von Geburt an die äußerst seltene Erbkrankheit SIOD (Schimke Immuno-ossäre Dysplasie) in sich. Kaum einer der weltweit wenigen Erkrankten hat bisher das Erwachsenenalter erreicht. Das Kind, für den der Verein Lächelwerk nach den ersten Berichten in dieser Zeitung ein Spendenkonto eingerichtet hat, kam mit sechsfachem Herzfehler zur Welt.

Milo hat mehrere Katheter-Untersuchungen und Herz-Operationen hinter sich. Als nächster Eingriff droht ihm eine Nierentransplantation. Die Schimke-Krankheit geht einher mit Zwergwuchs, Nierenerkrankung und geschwächtem Immunsystem. Keinen Monat verbringt Milo ohne Besuche in Kliniken und Arztpraxen.

Hand in Hand mit Marco Reus

Milo mit Thorsten Stächelin, seiner Mutter und der Autogrammkarte von Marco Reus. © Böhm-Heffels

Einfach nur genießen

Samstag war ein unbeschwerter Tag. Einfach nur genießen, auch wenn das Spiel gegen den HSV aus Sicht des kleinen Experten alles andere als hochklassig war. 90 Minuten vor Anpfiff wurde Milo abgeholt, um schick gemacht zu werden für seinen Auftritt.

Es gab ein Sweatshirt, eine bunte BVB-Kinderkappe samt Schal, später noch ein Spieler-Trikot von Torsten Stächelin und vom BVB die Autogramme aller Spieler. „Ich hänge die alle auf“, verkündete Milo seiner Mutter. „Oh Gott, alle?“, sagte Magdalena Kontny, „wo haben wir denn dafür noch Platz?“ Schelmisches Lachen von ihrem Sohn. Er wird ein Plätzchen dafür finden.

„Marco Reus hat gefragt, wie ich heiße“

Wann er denn das erste Mal auf die Spieler traf? „Im Tunnel“, sagt der kleine Mann. Und da sei Reus auf ihn zugegangen und habe sich seine linke Hand geschnappt. „Unterwegs hat mich Marco Reus dann gefragt, wie ich heiße und wie alt ich bin“, erzählt Milo.

„Ich war bestimmt noch aufgeregter beim Einlaufen als Milo“, sagt seine Mama lachend. Als ihr Sohn über den Rasen lief, stand sie gemeinsam mit Torsten Stächelin weit unten auf der Haupttribüne und schoss viele Fotos.

Am liebsten würde Milo sitzen bleiben

Das Spiel sah Milo von der Nordtribüne aus. Seine alleinerziehende Mutter muss mit Hartz IV auskommen und könnte sich eine solche VIP-Karte für sich und ihren Jungen niemals leisten.

Als Milo mit seinem Hotdog erst in der 47. Minute wieder auf seinen Platz zurückkehrte, hatte der kleine Mann das Tor von Michy Batshuayi glatt verpasst. Aber nach Mario Götzes Treffer in der 90. Minute wollte Milo gar nicht mehr aufstehen. „Möchtest Du bis zum nächsten Heimspiel hier sitzen bleiben?“, fragte ihn Torsten Stächelin. „Am liebsten ja“, strahlte ihn der Junge an.

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