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Hausdurchsuchungen wegen Blog-Beitrag

Scherz-Titelkauf

Mit vollem Einsatz gegen eine Bloggerin: Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Lübeck haben Polizisten am Dienstag Wohn- und Geschäftsräume einer Bloggerin in Dortmund und Witten durchsucht. Angeblich hat sie einen Titel unrechtmäßig geführt - dabei ging's um Satire.

DORTMUND/WITTEN

von Von Gaby Kolle

, 17.04.2013
Hausdurchsuchungen wegen Blog-Beitrag

Bloggerin Eva Ihnenfeldt.

Der Mittwoch fing für Eva Ihnenfeldt nicht gut an. Um 8 Uhr – sie will gerade frühstücken und ist noch im Bademantel – klingelt es an der Haustür. Vier Dortmunder Kripobeamte, drei Männer und eine Frau, kommen die Treppe herauf: „Polizei – wir haben einen Beschluss für eine Hausdurchsuchung.“

Eva Ihnenfeldt ist Geschäftführerin der Business Academy Ruhr GmbH. Zeitgleich zum Besuch in ihrer Wittener Wohnung nimmt die Polizei auch ihre Büroräume am Dortmunder Rheinlanddamm unter die Lupe.  Der Durchsuchungsbeschluss kam vom Amtsgericht Lübeck. Der Tatverdacht: Missbrauch von Titeln. Paragraph 132a Strafgesetzbuch. Während die Polizei den Schreibtisch nach Indizien durchforscht, ihr Portemonnaie durchsucht und kritisch Visitenkarten von Geschäftsfreunden inspiziert, dämmert es der Dozentin für Marketing und Soziale Medien: „Meine Kinder hatten mir zum Geburtstag am 3. März 2012 einen Doktortitel geschenkt – für 39 Euro.“

 Ein Gag. Der Titel „“Dr. h.c. Ministry (USA)“ war ein Schnäppchen eines Rabattportals. Kein akademischer Titel, sondern ein kirchlicher, gegen eine „Spende“ verliehen von einer Freikirche in Miami und angeboten von einer Lübecker Firma als ausgefallene Geschenkidee.Eva Ihnenfeldt, die mit zwei Kollegen einen wöchentlichen Newsletter herausgibt, hatte genau zum Thema Titelkauf recherchiert. Deshalb waren ihre Kinder auf die Idee gekommen, ihr solch einen „Titel“ zu schenken. Sie schrieb damals augenzwinkernd in ihrem satirischen Blog-Beitrag darüber: „Ich setze mir selbst die Krone auf ...“

 Seit der Guttenberg-Plagiatsaffäre ist die Gerichtsbarkeit wohl besonders misstrauisch. Die Polizei jedenfalls nahm zum Beweis die Dr. hc-Urkunde von Eva Ihnenfeldts Bürowand und machte noch ein Foto von ihr im Bademantel. „Wenn solch ein Amtshilfeersuchen vorliegt, haben wir wenig Chancen“, so Polizeisprecher Wolfgang Wieland.Hinter der Durchsuchung ihrer Wohnung und Büroräume vermutete Eva Ihnenfeldt einen Racheakt von prominenten Ehrendoktoren, die sie in ihrem Blog erwähnt hatte. „Will man mich als fröhliche Bloggerin zurechtweisen und ein wenig einschüchtern?“

 Für die Staatsanwaltschaft Lübeck hat sich die Durchsuchung bei der Geschäftsführerin aus einem zweiten Verfahren mit insgesamt 60 Beschuldigten ergeben. Gegen Eva Ihnenfeldt habe „ein Anfangsverdacht bestanden, dass sie unberechtigterweise einen Doktortitel führen soll“, teilte Günter Möller, Sprecher der Staatsanwaltschaft Lübeck, auf Anfrage dieser Redaktion mit: „Wir versuchen schon, nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.“

 Die Durchsuchungsaktion hat aber wohl ein juristisches Nachspiel; denn Eva Ihnenfeldt ist auch Journalistin und ihr Büro so etwas wie eine Redaktion. Und Redaktionsräume sind besonders vor einem staatlichen Eingriff geschützt.  „Natürlich habe ich als Journalistin auch meinen Verband, den ,Deutschen Journalistenverband-NRW‘ informiert und um Schutz vor solchen Praktiken gebeten“, sagt Eva Ihnenfeldt, „ich kann mir nicht vorstellen, dass man das Grundgesetz aushebeln darf, weil sich jemand schriftlich in einem Blog-Beitrag über einen Dr.h.c.-Scherzartikel lustig macht.“

 Der Blog-Eintrag sei nicht illegal gewesen und habe auch zu keiner illegalen Handlung aufgerufen. Sie werde die Aktion auf keinen Fall auf sich beruhen lassen, kündigt sie an. Ihr Anwalt ist bereits verständigt.  Noch am Mittwoch ist sie ins Polizeipräsidium gefahren, auch um sich das peinliche Foto von ihr – ungekämmt und barfuß im Schlafrock – zeigen zu lassen. Es bleibt in den Polizeiakten. Ihre Dr. h.c.-Urkunde aber will Eva Ihnenfeldt zurück. „Das war mein Geburtstagsgeschenk, und ich will es wieder im Büro aufhängen, das muss sein!“

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