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"Heinrich" nimmt Abschied

Der bekannteste Streetworker der Nordstadt verlässt sein Revier: Heinrich Mödder (64) gibt im kommenden Jahr den Vorsitz des Jugendförderkreises ab - und verabschiedet sich nach 36 Jahren von der Sozialarbeit.

28.12.2007

"Heinrich" nimmt Abschied

<p>Heinrich Mödder will sich ab dem kommenden Jahr verstärkt auf der politischen Ebene einsetzen. Wegener</p>

Der Diplom-Pädagoge kam am 1. Mai 1971 nach Dortmund und übernahm die Leitung der Jugendschutzstelle in der Burgholzstraße 150. "Damals herrschte da Chaos. Die jungen Leute wohnten dort zum Teil schon seit Jahren, es war wie ein Knast", erinnert sich der gebürtige Kölner. Schnell war ihm klar, dass es so nicht weitergehen kann ("Ich bin ja kein Schließer!"). Mödder ließ Taten folgen - zusammen mit den Jugendlichen entrümpelte er den Keller und richtete dort einen offenen Treff ein. "Beathölle des Nordens" nannten ihn die jungen Bewohner. Auf einem benachbarten Gelände ließ "Heinrich", wie ihn seine Schützlinge bis heute nennen, einen Bolzplatz einrichten.

Der Ärger ließ nicht lange auf sich warten - als auch noch der berüchtigte "James Dean-Club" aus Scharnhorst regelmäßig in die "Hölle" kam, gab es wegen des Krachs Ärger mit dem benachbarten Altenheim. Als die Schließung der Freizeitstätte angedroht wurde, taten die Jugendlichen das, was Mödder ihnen bis heute immer wieder predigte: Sie ergriffen selbst die Initiative. "Zusammen mit ihren Vätern haben sie über Nacht in einem etwas weiter entfernten städtischen Gebäude einen Jugendtreff gebaut. Der Hausmeister staunte nicht schlecht, als er am nächsten Morgen kam", erinnert sich Mödder. Die so geschaffenen vollendeten Tatsachen beeindruckten selbst die Politiker - und es gab grünes Licht. Den Treff gibt es noch heute - das "Konkret" hieß früher noch "Jugendfreizeitstätte Nord".

Mit dem Ziel, diese Einrichtung zu übernehmen, gründete Mödder 1978 zusammen mit weiteren engagierten Bürgern den Jugendförderkreis. Die Übernahme scheiterte, jahrelang suchte der Verein Räume. Und wieder waren es die Jugendlichen selbst, die Bewegung in die Verhandlungen mit der Stadt brachten. "Als der damalige OB Samtlebe im Naturkundemuseum ein Referat über die Zukunft der Jugendarbeit hielt, kamen sie in den Saal, stellten Musik an und tanzten." 1991 erhielt der "JFK" die Baracke, die für den Straßenbahnbau an der Bornstraße errichtet wurde, seit dem vergangenen Jahr gibt es dort einen schmucken Neubau.

Jetzt will Mödder dem Nachwuchs Platz machen. Für "seine Jungs" hat er aber auch in Zukunft weiter ein offenes Ohr. Und natürlich liegt ihm auch künftig das Wohl der Nordstadt am Herzen. "Dafür werde ich mich jetzt stärker politisch einsetzen", sagt der 64-Jährige. Für die Bürgerliste sitzt er seit Jahren in der Bezirksvertretung. Andreas Wegener

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